Polizeigewalt

Polizei verteidigt Einsatz auf Zeil in Frankfurt

  • schließen

Vizepräsident Seubert verspricht Aufklärung. Derweil erstattet die Linke Anzeige.

Nach den Ausschreitungen mit Polizeigewalt auf der Zeil ist Vizepräsident Walter Seubert am Montag in die Offensive gegangen. Die in sozialen Medien gezeigten Videoausschnitte zeigten das Tatgeschehen nicht in Gänze. Zuvor hätten viele Menschen „ein respektloses Verhalten“ gegenüber der Polizei offenbart. „Das möchte ich in Frankfurt nicht mehr sehen“, sagte Polizei-Vize Seubert. Ein Beamter sei durch einen Schlag in den Nacken auch Anfang dieser Woche noch dienstunfähig.

Nach Seuberts Schilderungen waren die alarmierten Beamten am Samstag zunächst von einem alltäglichen Polizeieinsatz ausgegangen. Zuerst vor Ort sei eine Streife des 4. Reviers aus dem Bahnhofsviertel gewesen. Die Beamten hätten sich aber einer großen Übermacht „im mittleren zweistelligen Bereich“ gegenüber gesehen, da viele sich mit den eigentlichen Unruhestiftern solidarisiert hätten. Aus der Menge heraus habe es Beleidigungen und Bedrohungen gegeben, es seien auch Flaschen in Richtung der Beamten geflogen. Die Beamten seien nicht überfordert gewesen, es habe sich aber um eine „komplexe Situation“ gehandelt.

Zu dem Vorwurf, die Beamten hätten überreagiert und etwa eine Frau, die schlichten wollte, brutal an den Haaren gezogen, räumte Seubert ein: „Man kann die Kritik nachvollziehen in gewissem Maße.“ Näher wollte der Polizeivizepräsident, der den im Urlaub befindlichen Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill vertritt, nicht darauf eingehen, da zunächst die Ermittlungen und die Stellungsnahmen der beteiligten Beamten abgewartet werden müssten. Der Aufklärung der Vorkommnisse versprach Seubert „mit erheblichen Nachdruck“, aber auch „mit der notwendigen Besonnenheit“ nachzugehen.

Polizei setzt auf Videoaufnahmen

Die Polizei erhofft sich zudem, dass sie auch Videoaufnahmen erhält, die das Tatgeschehen in Gänze zeigen. Eigene Kameras hatte die Polizei nicht im Einsatz. Zwar verfügt das 1. Revier, in dessen Zuständigkeit sich der Einsatz abspielte, über sogenannte Body-Cams, um Übergriffe gegen Beamte dokumentieren zu können, die Streifen vor Ort hätten aber keine dabei gehabt.

Die Linke im Hessischen Landtag erstattete derweil nach eigenen Angaben Anzeigen gegen die beteiligten Polizeibeamten auf der Zeil, aber auch gegen die Beamten, die am vorletzten Wochenende Pfefferspray gegen Anti-Nazi-Demonstranten in Kassel eingesetzt hatten. Innenminister Peter Beuth (CDU) solle sich zu beiden Polizeieinsätzen auch in der nächsten Sitzung des Landtags-Innenausschusses äußern, sagte der Linken-Abgeordnete Torsten Felstehausen.

Die FDP warf der Linken vor, die Polizei vorzuverurteilen. Das sei „nicht angebracht und unseriös“, sagte der hessische FDP-Innenpolitiker Stefan Müller. Die CDU-Fraktion im Landtag kündigte eine „intensive Nachbereitung“ beider Einsätze an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare