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An Silvester hat?s in der Platensiedlung geknallt.

Frankfurt-Ginnheim

Regionalrat verhalten optimistisch

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Ausschreitungen und Drogenkriminalität haben die Ginnheimer Platensiedlung in Verruf gebracht. Das Gremium lässt sich von den jüngsten Krawallen nicht vom Präventionskurs abbringen.

Neuerdings gilt die Ginnheimer Platensiedlung als Problemviertel. Ausschreitungen und Drogenkriminalität haben das Viertel in Verruf gebracht. Und das, wo sich doch vor einem Jahr dort extra ein Regionalrat, also ein örtlicher Ableger des Präventionsrats, gegründet hat. Nach einem Jahr Arbeit gegen Gewalt und Kriminalität zieht der eine erste Bilanz – und blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Ein Widerspruch?

Dass hinsichtlich der Gewaltprävention Handlungsbedarf besteht, hat sich erst vergangene Woche gezeigt, als es am Halloween-Abend zu Ausschreitungen in der Platensiedlung kam. Eine Gruppe von Randalierern hatte unter anderem mit Steinen mehrere Häuser und einen Linienbus beworfen. Ein Insasse sowie ein Polizeibeamter wurden verletzt (die FR berichtete). Auch in der Silvesternacht kam es schon zu Krawallen.

Das Gewaltlevel in Ginnheim hat in den vergangenen Jahren eine neue Qualität erreicht, stellt Klaus-Dieter Strittmatter vom Frankfurter Präventionsrat fest. Doch die Bürger in Ginnheim sollen sich wieder sicher fühlen können in ihrem Stadtteil. Dafür arbeitet der Regionalrat an Strategien zur Eindämmung von Kriminalität und Gewalt.

Vor allem Prävention ist das Mittel der Wahl für die Verantwortlichen. Mithilfe von Merkblättern etwa will der Regionalrat zukünftig Kinder und Eltern über straf- und zivilrechtliche Konsequenzen von Vandalismus aufklären. Auch älteren Anwohnern will das Netzwerk eine Austausch- und Informationsplattform bieten. Bereits im September fand dazu erstmals ein Sicherheitsgespräch statt, bei dem die Bewohner sich mit ihren Ängsten und Sorgen Gehör verschaffen konnten. Ein zweites Gespräch sei für das erste Halbjahr 2019 bereits in Planung, sagt Strittmatter. Außerdem hat der Stadtteil vor vier Wochen mit Clara Schuster eine eigene Quartiersmanagerin bekommen.

Präventive Arbeit braucht Zeit 

Klar ist den Beteiligten, dass präventive Arbeit Zeit braucht. Für den Ginnheimer Regionalratsvorsitzenden Rachid Rawas ist besonders das mangelnde Vertrauen in die Institutionen ein großes Problem. Viele Menschen mit Migrationshintergrund hätten in ihren Heimatländern schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht. „Wir werden noch viele Gespräche führen müssen, bis alle begriffen haben, dass sie hier keine Angst vor Polizeibeamten haben müssen“, sagt Rawas.

Ein gutes Verhältnis zwischen Bürgern und Behörden sei gerade im Zusammenhang von Ermittlungsarbeiten bedeutsam, sagt Frank Sandvoß vom 12. Polizeirevier. Ein Jahr, nachdem sich in Ginnheim der 18. Frankfurter Regionalrat gegründet hat, zeichneten sich dahingehend bereits erste Erfolge ab. „Wir merken, dass die Menschen wieder mehr mit uns kooperieren“, so Sandvoß.

Ganz gleich, ob es um Aufklärung, den Abbau von Vorbehalten gegen Behörden oder von Ängsten vor Ausschreitungen im Quartier gehe, präventive Arbeit bedeute immer das Bohren dicker Bretter über einen langen Zeitraum hinweg, sagt Klaus-Dieter Strittmatter. Außerdem brauche es nicht nur konstantes Engagement der Behörden, Schulen und Vereine, sondern auch die Mitarbeit der Ginnheimer Bürger, konstatiert Rawas.

Ein integrativer Ansatz, bei dem sich so viele Menschen und Institutionen wie möglich miteinander vernetzen, steht deshalb im Zentrum der Arbeit des Präventivrats. Trotz der vielen Arbeit, die die Ginnheimer noch vor sich haben: „Die Situation hat sich im letzten Jahr nicht verschlechtert, das ist eine gute Entwicklung“, sagt Rawas.

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