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Auf Streife: Landes- und Stadtpolizei wollen in Ginnheim mehr Präsenz zeigen.

Platensiedlung in Frankfurt

Mehr Polizei in Platensiedlung

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Beamte gehen verstärkt gegen Dealer und Randalierer in der Platensiedlung Frankfurt-Ginnheim vor. Die ABG setzt auf weitergehende Mittel.

Die Polizei verstärkt ihre Präsenz in der Frankfurter Platensiedlung, die Stadt setzt vorwiegend auf Prävention und auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG schickt Streifen in das Viertel und will straffällig gewordenen Mietern zudem kündigen: Polizeipräsident Gerhard Bereswill, die Stadträte Mike Josef (Planung) und Markus Frank (Ordnung) sowie ABG-Chef Frank Junker haben am Freitag ihr Konzept vorgestellt, gegen Drogenhandel, Bedrohungen und Ausschreitungen in der Siedlung im Stadtteil Ginnheim vorzugehen.

„Die Platensiedlung ist kein sozialer Brennpunkt und darf es auch nicht werden“, sagte Junker und betonte, der ganz überwiegende Teil der 3000 Menschen im Viertel sei unauffällig und habe großes Interesse an einem friedlichen Zusammenleben. Das stimme zwar, ergänzte Bereswill, „aus polizeilicher Sicht kann man aber schon von einem Brennpunkt sprechen“. Seit etwa drei Jahren träten verstärkt junge Männer auf, „die die Straße beherrschen wollen“. In der Folge hätten der Handel mit Haschisch und Marihuana, aber auch Delikte wie Körperverletzung oder Bedrohung im Viertel zunächst stark zugenommen. In den vergangenen beiden Silvesternächten gab es in der Siedlung Ausschreitungen. Endgültig eskalierte die Situation am 31. Oktober nach einer Halloween-Feier. Aus einer Gruppe von bis zu 60 jungen Männern heraus wurden erst ein Linienbus und später Polizisten mit Steinen und Flaschen beworfen.

Bereits im Mai habe die Polizei die „AG Siedlung“ gegründet und die Präsenz rund um die Platenstraße verstärkt, berichtete Bereswill. Daraufhin sei der Drogenhandel um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen. In den vergangenen Monaten habe die Polizei rund fünf Kilo Haschisch und Marihuana sichergestellt und 35 Anzeigen wegen des Handels mit Betäubungsmitteln geschrieben. Allerdings hätten die Dealer mittlerweile ihr Konzept geändert, sagte er: „Sie gehen konspirativer vor.“ So würden die Händler etwa Bunker anlegen und hätten kein Rauschgift mehr dabei.

An ihrem Konzept werde die Polizei festhalten und es – wo nötig – ausbauen. So dürfte es in der Silvesternacht etwa einen verstärkten Einsatz in der Platensiedlung geben. Gleichzeitig kündigten Frank und Josef an, dass auch die Stadt ihr Engagement verstärke. Mieter, die sich bedroht fühlen oder Hinweise auf Straftaten geben möchten, können in einen Container der ABG an der Stefan-Zweig-Straße kommen. Das Sicherheitsmobil des Ordnungsamts wird die Platensiedlung häufiger anfahren, die Sportjugend spricht Jugendliche an, um sie von der Straße zu holen und in Sportkurse zu vermitteln, und der Regionalrat hat einen Sechspunkteplan beschlossen, der etwa Antigewaltseminare vorsieht.

Derweil will die ABG einen eigenen Wachdienst (Doppelstreife mit Hund) einsetzen. Zudem stellte Junker klar: „Wer aus unseren Wohnungen heraus strafbare Handlungen begeht und die Mitmieter bedroht, dem kündigen wir fristlos.“ Vor einigen Wochen hatte die ABG sechs Mietern gekündigt, in deren Wohnungen Drogen gefunden worden waren. Mittlerweile hat die Gesellschaft Räumungsklage eingereicht. Danach müssten die Betroffenen anderweitig untergebracht werden, sagte Josef. Junker sagte, das Vorgehen schrecke potenzielle Straftäter ab. Für die meisten Menschen seien die Folgen eines Strafverfahrens weniger schlimm als der Verlust der Wohnung. Auch Familien werde gekündigt, wenn ein Mitglied aus der Wohnung heraus Straftaten begehe.

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