+
In Frankfurt gehen mehrere Tausend Menschen gegen Rechts auf die Starße.

Demo in Frankfurt

Klares Zeichen gegen Rechts

  • schließen

In Frankfurt demonstrieren mehrere Tausend Menschen gegen Rechts.

Mit teils lauter Musik sind am Samstagnachmittag mehrere tausend Menschen friedlich durch die Frankfurter Innenstadt gezogen. Zwei Wochen vor der hessischen Landtags- sowie der Europawahl im kommenden Frühjahr demonstrierten sie gegen das Erstarken rechter Parteien und Strukturen.

Am frühen Nachmittag hatten sich laut Polizeiangaben rund 3500 Demonstranten am Baseler Platz, unweit des Hauptbahnhofes, zu einer „musikalischen Großdemo“ gegen Rassismus, Nationalismus und Diskriminierung versammelt. Organisiert worden war sie unter dem Motto „#wir sind mehr“ von einem breiten Bündnis aus mehr als 50 Initiativen, Vereinen, Gewerkschaften und Parteien, darunter „Lautstark gegen Rechts Rhein-Main e.V.“ sowie die Kampagne „Keine AfD in den Landtag“. Eine Sprecherin der Veranstalter sprach von 7000 bis 8000 Demonstranten im Laufe des Nachmittages.

Während am Baseler Platz noch mehr und mehr Menschen zusammen kamen, waren die Teilnehmer von „Pulse of Europe“, einer Bürgerinitiative, die seit knapp zwei Jahren regelmäßig für ein vereintes Europa demonstriert, bereits los gelaufen. Im Rahmen des europaweiten Aktionstages „13-10“ hatten die Veranstalter zum gewohnten Treffpunkt am Goetheplatz eingeladen. Von dort ging es „einmal um den Block“. So hatte Mit-Initiator Daniel Röder die Route angekündigt. Die, laut Polizei, rund 600 Teilnehmer hatte Röder aufgefordert, zur Europawahl zu gehen und Menschen aus ihrem Umfeld auf die Wahl hinzuweisen.

„So wichtig war eine Wahl zum Europäischen Parlament noch nie, weil die Gefahr besteht, dass rechte Nationalisten ein Drittel ihrer Leute ins Parlament bringen“, sagte er. Auf dem kurzen Weg über die Große Gallus- sowie Kaiserstraße und Hauptwache zurück zum Goetheplatz spielte das Saxophon-Ensemble „Die anonymen Saxophoniker“ unter anderem die Eurovisions-Melodie „Te Deum“ des französischen Komponisten Marc-Antoine Charpentier. Einige Demonstranten skandierten: „Wir kämpfen für Europa“. Im Anschluss sprachen Politiker verschiedener Parteien.

Am Baseler Platz, zu dem viele junge Menschen und Familien mit kleinen Kindern gekommen waren, sagte ein Sprecher via Mikrofon: „Rassismus ist nur zu bekämpfen, indem er in allen seinen Erscheinungsformen bekämpft wird“. Auf Schildern von Demo-Teilnehmern war zu lesen: „Dankbar für Vielfalt“ und „Migration ist die Mutter allen Lebens“. Mit elektronischer Musik setzte sich gegen 15 Uhr der Demonstrationszug mit mehreren LKW als Bühnen, begleitet von einem größeren Polizeiaufgebot, in Bewegung. Besonders laut schallten die Klänge im Hafentunnel aus den Boxen durch die Tunnelröhre. Von dort aus ging es zum Platz der Einheit an der Messe, über Mosel- und Kaiserstraße zum Willy-Brandt-Platz.

Die Gießener Punkband „Pestpocken“ spielte dazu auf der Ladefläche eines LKW. Neben weiteren Bands verschiedener Genres sang auch die Liedermacherin „Vanessa“ den Song „Wir sind mehr, wir wollen fest zusammen stehen“. Die Theatergruppe „Antagon“ hatte einen Wagen mitgebracht, auf dem eine Performance-Künstlerin hinter Gitterstäben posierte, während ein Geigenspieler zu elektronischen Beats musizierte.

„Ich sehe ein generelles Wiedererstarken der Rechten“

Ebenso wie einige andere Demo-Teilnehmer hatte Paul Mattulat eine mobile Musik-Anlage auf seinem Fahrradanhänger transportiert. Bob Marley wollte er laufen lassen, sei jedoch auch offen für andere Musik: „Alles, außer rassistische Inhalte“ dürfe gespielt werden, sagte der Bornheimer und weiter: „Es ist besorgniserregend, wie sich rechte Tendenzen zeigen können“. Für ihn sei es ein „gutes Gefühl, dass auch andere Menschen das sehen“ würden. Helena Henge und Jens Henrich berichteten sie seien auf Initiative ihrer Töchter aus Schwanheim gekommen, die über soziale Netzwerke von der Demo erfahren hätten. Henge sagte: „Es stimmt nicht, dass sich die Jungen nicht engagieren“. Henrich sagte: „Ich möchte heute gegen den allgemeinen Rechtsruck Flagge zeigen“. Seine Tochter Milena Dähne ergänzte: „Man hat das Gefühl, es würde kippen und man muss selbst etwas machen“. Für die 19-Jährige sei wichtig, die „Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken“.

Lisa Landes, die im blauen „Pulse of Europe“-Shirt und mit einer EU-Flagge gekommen war, berichtete: „Ich dachte, das ist die größere Demo“. Deshalb habe sie die Veranstaltung der pro-europäischen Bürgerinitiative dieses Mal ausgelassen. „Ich sehe ein generelles Wiedererstarken der Rechten in vielen gesellschaftlichen Bereichen“, sagte die 38-Jährige. Unterdessen neigte sich am Goetheplatz die Kundgebung von „Pulse of Europe“ dem Ende zu. „Hier sind zu viele Grauhaarige“, sagte Armin Büscher. Der 59-Jährige schlösse sich dabei mit ein. Sein dreizehnjähriger Sohn zähle zu den wenigen jungen Teilnehmern. Büschers Partnerin Birgit Holz bedauerte, dass die beiden Demonstrationen nicht zusammen statt gefunden hätten.

Ein Zeichen vor der Landtagswahl

Stephanie Hartung von „Pulse of Europe“, sagte: „Wir sind Teil eines pro-europäischen Bündnisses“. Grundsätzlich sei sie froh, wenn sich „für demokratische Werte eingesetzt“ werde. Shenja Kerepesi, vom Verein „The Second Planet“, der die „Wir sind mehr“-Demonstration mitorganisiert hatte, sagte: „Wir hatten Kontakt zu Pulse of Europe und finden es absolut unterstützenswert, die EU zu stärken“.

Ihrem Bündnis sei es wichtig gewesen, während der Buchmesse auch am Platz der Einheit zu demonstrieren, weil auf der Messe AfD-Politiker wie Björn Höcke aufgetreten seien. „Wir wollten ein klares, gewaltfreies Zeichen vor den Landtagswahlen setzen“, sagte Kerepesi. Zum Verlauf der Demo sagte sie: „Es war sehr friedlich und freundlich“. Das bestätigte auch ein Polizeisprecher, der sagte, dass es bis zur Abschlusskundgebung mit Konzerten auf dem Roßmarkt ruhig geblieben sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare