+
In Kinderheimen wie diesem in Rödelheim kommen gefährdete Kinder zunächst unter.

Frühe Hilfen

Im Kampf für das Kindeswohl

  • schließen

Angebote der Stadt sollen Eltern bei der Erziehung helfen und gefährdete Kinder früh erkennen.

An einem Sonntagabend wird die Polizei zu einem gewaltsamen Streit zwischen Eltern in eine Wohnung gerufen. Die Frau muss ins Krankenhaus, der Mann in die Psychiatrie. Zurück bleiben ein Säugling und sein vierjähriger Bruder. Die Polizei ruft beim Kinder- und Jugendschutztelefon an, um für die Kinder eine Unterkunft und schnelle Hilfe zu bekommen.

„Das ist nur ein Beispiel aus diesem Jahr, das unsere Arbeit zeigt“, sagt Sabine Hartgen, Teamleiterin des Kinder- und Jugendschutztelefons, das es seit mittlerweile zehn Jahren gibt.

Das elfköpfige Team ist 365 Tage im Jahr erreichbar. Wochentags von 8 bis 23 Uhr, am Wochenende von 10 bis 23 Uhr. Die Polizei kann die Mitarbeiterinnen sogar noch später erreichen. Hauptsächlich dann, wenn es Situationen wie im geschilderten Beispiel gibt. Doch nicht nur die Polizei meldet sich, auch Kinder, Erwachsene, Lehrer oder Ärzte rufen zunehmend an. „Die Sensibilität hat zugenommen, dadurch gibt es auch mehr Meldungen von Kindeswohlgefährdungen“, sagt Hartgen.

Aber es ist nicht nur häusliche Gewalt, die Kinder zum Hörer greifen lässt. Mal gibt es Probleme mit Klassenkameraden oder Fragen über PC-Sucht und Cybermobbing. Die gut geschulten Mitarbeiterinnen wissen bei jedem Thema Rat oder kennen jemanden, der es besser weiß. Demnächst wird es zwei zusätzliche Stellen für das Kinder- und Jugendschutztelefon geben.

Damit es gar nicht zu einer Kindesvernachlässigung kommt, setzt die Stadt zudem auf das Programm „Frühe Hilfen“. Alle Frankfurter Eltern bekommen dabei Unterstützung – von der Geburt des Kindes bis zum Alter von drei Jahren. Die Hilfen starten mit Beginn der Schwangerschaft, es gibt Anleitungen und Hilfestellungen bei der Versorgung des Babys, aber auch der Aufbau der Beziehung zum Kind und die Unterstützung der Eltern bei der Erziehungsverantwortung stehen im Fokus. „Wir wollen die Weichen stellen, damit es nicht zu einer Überforderung kommt“, sagt Christine Jung-Seeh von der Netzwerkkoordination Frühe Hilfen. Deswegen versucht die Stadt vor allem auch Familien zu erreichen, die mit besonderen Belastungen zu kämpfen haben – angefangen von minderjährigen oder jungen Eltern über Alleinerziehende bis hin zu Suchtkranken.

Die Netzwerkkoordination Frühe Hilfen sorgt dafür, dass alle Institutionen, egal ob Arzt, Beratungsstelle oder Sozialrathaus über die vielfältigen Angebote in Frankfurt Bescheid wissen. Dadurch kann eine lückenlose Betreuung von Kind und Eltern sichergestellt werden.
Eine wichtige Säule bei der Versorgung stellen die Frühen Hilfen am Gesundheitsamt dar.

Hebammen, Kinderkrankenschwestern und Kinderärzte sorgen im ersten Jahr des Babys dafür, dass Eltern mit der Pflege und Erziehung ihrer Kinder nicht alleine dastehen. Dies umfasst etwa Beratungsgespräche oder Hausbesuche. Auch begleiten die Helfer die Eltern bei Terminen im Krankenhaus oder beim Amt. Diese Gesundheitsprävention des Amtes möchte dabei insbesondere Eltern helfen, die unter hohen Belastungen stehen. „Das sind beispielsweise Eltern mit chronischen Krankheiten oder finanziellen Problemen“, sagt Gabriele Dyckmans vom Gesundheitsamt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare