+
Das Blaue Haus ist komplett ausgebrannt und muss abgerissen und neugebaut werden.

Blaues Haus

Helfer räumen nach Brand auf

  • schließen

Am Blauen Haus räumen rund 40 Helfer nach dem Brand auf. Die komplette Inneneinrichtung ist zerstört, der Holzbau soll bis zum kommenden Jahr abgerissen und neu gebaut werden.

Der beißende Geruch von verkohltem Holz liegt noch immer in der Luft. Als am Samstag Dutzende Helfer die Brandruine des Blauen Hauses ausräumen, tragen viele von ihnen Mund- und Nasenschutz. „Alles wird später müffelig riechen“, sagt eine Frau, während Helfer die Überreste aus dem Hausinnern davor stapeln. Haufen von Holz, Metall und Müllsäcken bilden sich, die später abtransportiert werden sollen.

Vor vier Wochen, in der Nacht zum 21. Januar, war die Begegnungsstätte am Niederräder Ufer in Brand gesetzt worden. Die Polizei ermittelt aktuell noch. Nach dem ersten Schock wollten die Mitglieder des Vereins für Kunst und freie Zeit, der das Blaue Haus als Plattform für Künstler gegründet und bespielt hat, sofort weitermachen. „Es ist ein Hauptzweck, der in der Vereinssatzung steht, dass wir dafür sorgen, das Blaue Haus wieder aufzubauen“, sagt der Vorsitzende Ioannis Kaklamanos,

Vor zehn Jahren hatten es seine Mitstreiter und er vor dem Abriss bewahrt und renoviert. Nun steht wieder ein Neustart an. Der Veranstaltungsraum im Erdgeschoss, der für Ausstellungen und Konzerte, Lesungen und Filmabende genutzt wurde sowie ein Fotolabor und eine Werkstatt im Untergeschoss: Die gesamte Inneneinrichtung des Flachdachbaus ist den Flammen zum Opfer gefallen.

Eine alte Nähmaschine, brandschwarz und rostigrot, wurde auch geborgen. „Das ist ein besonders wehmütiges Zeichen“, sagt Kerima Wahl, die aus Bornheim zur Entrümpelung gekommen ist. Die Maschine habe immer in dem kleinen Wintergarten des Hauses gestanden, berichtet die 55-Jährige. Sie habe sofort losgeweint, nachdem sie von dem Brand erfahren habe. „Es war, als ob jemand stirbt“, sagt Wahl. Zauberhafte Stunden habe sie im Blauen Haus verbracht, bei Konzerten und Kunstausstellungen neue Freunde kennen gelernt. „Jetzt muss ich mithelfen, die neue Zeit anzufangen“, sagt sie.

Kaklamanos freut sich über die Resonanz. Nicht nur Vereinsmitglieder und Freunde, auch Fremde würden mit anpacken. Auf rund 40 schätzt er die Helferzahl an diesem Tag. Einige haben Essen und Getränke mitgebracht. Musiker spielen in der Pause bei frostigen Temperaturen unter freiem Himmel.

Daneben sei auch die Spendenbereitschaft hoch. Auf seiner Internetseite sammelt der Verein weiterhin für den Wiederaufbau. Der Ortsbeirat 5 hat einstimmig beschlossen 10 000 Euro aus seinem Budget für die verbrannte Ausstattung wie Werkzeug, Technik, Küchengeräte, Farben und Lacke bereit zu stellen. In circa zwei Monaten will die Stadt, als Eigentümerin, die Überreste abreißen und ein Blaues Haus nach alten Plänen errichten. „Das Gebäude ist nicht mehr zu retten“, sagt Kaklamanos. 200 000 bis 250 000 Euro koste der Wiederaufbau. Er hofft, dass das Holzhaus bis zum Sommer des kommenden Jahres eröffnen kann.

Bis dahin macht der Verein weiter. Auf der so genannten „Blauen Wand“, einer Ausstellungsfläche an der Außenwand des Gebäudes, auf der schon viele Frankfurter Kinder Kunstwerke kreiert haben, werden Schüler der Niederräder Kooperativen Gesamtschule Süd noch vor dem Abriss ein Gemälde über der Brandstelle veröffentlichen. Die Vernissage ist für den 9. März geplant.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare