Frankfurt

Farbe gegen Abtreibungsgegner

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Frauenrechtler beschmieren ein Haus von Abtreibungsgegnern in Frankfurt. In einem Bekennerschreiben heißt es, die Farbattacke sei die Antwort auf die Mahnwachen vor der Beratungsstelle von "Pro Familia".

Militante Feministinnen haben offenbar den Sitz eines Vereins ultrakonservativer Abtreibungsgegner in Niederursel mit Farbe und Parolen beschmiert. Wie eine Polizeisprecherin der Frankfurter Rundschau bestätigte, sei das Gebäude, in der die „Deutsche Vereinigung für eine Christliche Kultur“ (DVCK) ihren Sitz hat, in der Nacht zum vergangenen Donnerstag großflächig mit pinker Farbe besprüht worden. Zudem seien die Schriftzüge „My body my choice“ und „Gott ist tot“ angebracht worden.

In einem anonymen Bekennerschreiben, das der FR vorliegt, heißt es, die Farbattacke sei die Antwort auf die regelmäßigen Mahnwachen christlich-konservativer Abtreibungsgegner vor der Beratungsstelle von „Pro Familia“ im Westend, die von der DVCK unterstützt werden.

Man werte diese „widerlichen Aktionen“ als „Einschüchterungsversuch gegen Schwangere und alle Menschen, die sich bezüglich Sexualität und Selbstbestimmung informieren möchten“, schreiben die Autoren, die sich selbst als „einige autonome Feminist*innen“ bezeichnen. Wer öffentlich gegen das Recht auf Abtreibung agiere, müsse „immer und überall damit rechnen, gestört, aufgehalten und angegriffen zu werden“.

Die kleinen Mahnwachen vor dem Büro von Pro Familia werden von der DVCK beworben und vor allem von ultrakonservativen Mitgliedern der kroatischen Gemeinde in Frankfurt getragen. Sie zielen letztlich darauf ab, alle Frauen, die bei Pro Familia eine Schwangerschaftskonfliktberatung in Anspruch nehmen wollen, von einer Abtreibung abzuhalten. Eine solche Beratung ist gesetzlich vorgeschrieben, damit eine Abtreibung straflos bleiben kann. Die Mahnwachen waren seit dem Frühjahr bereits mehrfach von linken und feministischen Aktivisten gestört worden.

Mathias von Gersdorff, Mitglied der DVCK, der nach eigenen Angaben selbst in dem beschmierten Haus wohnt, sagte der FR, man wolle ihn ganz offensichtlich einschüchtern und in seiner Nachbarschaft „richtig an den Pranger stellen“. Während die Diskussion um Abtreibungen früher mit politischen Argumenten ausgetragen worden sei, würden gerade christliche Abtreibungsgegner seit einigen Jahren immer massiver angegangen. „Die Aggressivität ist immer größer geworden“, sagte von Gersdorff. Er werde sein langjähriges Engagement gegen Schwangerschaftsabbrüche dennoch nicht aufgeben.

Ein Hintergrund der Schmierereien sind ganz offensichtlich auch mehrere Hausdurchsuchungen in Frankfurt, die sich bereits in der vergangenen Woche ereignet hatten. Sie hängen unmittelbar mit dem Protest gegen die christlichen Abtreibungsgegner zusammen und werden auch in dem anonymen Bekennerschreiben erwähnt. Eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigte der FR am Freitag lediglich, dass es in einem Verfahren wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch gegen drei junge Männer Hausdurchsuchungen gegeben habe. Einer der Beschuldigten habe mittlerweile Beschwerde gegen die Beschlagnahmung der bei ihm gefundenen Gegenstände eingelegt.

Nach FR-Informationen geht es bei den Vorwürfen gegen mindestens zwei der drei Beschuldigten darum, dass diese sich an einer Protestaktion gegen die Mahnwachen vor dem Büro von Pro Familia beteiligt haben sollen. Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, hatten etwa 30 Gegendemonstranten die Abtreibungsgegner mit Konfetti beworfen und Feuerwerk gezündet. Offenbar wird den beiden Männern wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an dieser Aktion jetzt Landfriedensbruch vorgeworfen. Bei den Durchsuchungen ihrer Wohnungen wurden demnach Kleidungsstücke, Computer, Handys und Datenträger sichergestellt.

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