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Polizei im Einsatz (Symbolfoto).

Savas K.

Ermittlungen zum Tod von Savas K. dauern an

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Seit 18 Monaten wird der tödliche Polizeieinsatz untersucht. Für die Witwe sei es "besonders belastend, dass sich nichts tut", sagt ihr Anwalt.

Anderthalb Jahre nach einem tödlichen Polizeieinsatz in Höchst sind die Ermittlungen noch immer nicht abgeschlossen. Auf den Tag genau vor 18 Monaten war Savas K. aus bislang nicht geklärten Umständen ums Leben gekommen. Als Beschuldigte in dem Ermittlungsverfahren gelten sechs Polizeibeamte des 17. Reviers in Höchst. Sie hatten den Verstorbenen wegen einer Räumungsklage aus der Wohnung schaffen sollen.

Für Rechtsanwalt Ali Aydin ist mit der Ermittlungsdauer von 18 Monaten „die Grenze des Angemessenen überschritten“. Aydin vertritt die Ehefrau des Verstorbenen als Nebenkläger. „Ich weiß nicht mehr, was ich meiner Mandantin noch sagen soll“, sagt er. Für die Witwe sei es „besonders belastend, dass sich nichts tut.“

Die Vorwürfe richten sich gegen die Staatsanwaltschaft und das Rechtsmedizinische Institut der Uniklinik. „Man spielt auf Zeit“, sagt Aydin und ist sich sicher: „Die Staatsanwaltschaft sucht förmlich nach Gründen, das Verfahren einstellen zu können.“ Die lange Ermittlungsdauer lastet der Jurist aber vor allem dem Rechtsmedizinischen Institut an. Für das histologische Gutachten zur Todesursache, das nach Ansicht unabhängiger Rechtsmediziner im Normalfall zwei Wochen dauere, haben die Frankfurter Rechtsmediziner acht Monate gebraucht. Gründe für diese Verzögerung hat Aydin trotz Akteneinsicht nicht erfahren.

Kritik am Rechtsmedizinischen Institut hat auch Claus Metz. Der Allgemeinmediziner hat die Ermittlungen als Mitglied der Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) von Anfang an kritisch begleitet. Metz geht davon aus, dass K. einen lagebedingten Erstickungstod erlitt. Der übergewichtige 42-Jährige sei, so hatten es auch die beiden Brüder des Opfers berichtet, von mehreren Polizisten bäuchlings aufs Bett gedrückt und dort fixiert worden.

Kritik an Rechtsmedizinern

Bei der Untersuchung des Tatorts fand die Polizei ein Asthmaspray. Nach Auskunft von Metz soll es allerdings der Frau gehören. Der Verstorbene habe zwar eine Raucherbronchitis, aber kein Asthma gehabt, betont Metz. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen von Anfang an mitgeteilt, dass K. Asthmatiker gewesen sei. „Die Staatsanwaltschaft hat sich nicht mal die Mühe gemacht, nachzufragen und zu klären, ob er wirklich Asthmatiker gewesen ist“, kritisiert Metz und wirft der Staatsanwaltschaft vor, „an der Asthmaversion von Anfang an gestrickt zu haben“.

Das Rechtsmedizinische Institut hatte am 26. Juli 2017 ein erster Gutachten vorgelegt. Darin sei von Asthma keine Rede, sagt Metz. Erst im histologischen Gutachten knapp neun Monate später kommt eine Asthmavorerkrankung ins Spiel. Bei histologischen Gutachten werden Gewebeproben mikroskopisch untersucht. Allerdings gibt es in dem Gutachten selbst keine Hinweise auf eine asthmatypische Bronchienverengung. „Die Rechtsmedizin hat einfach den Ball aufgenommen, den ihr die Staatsanwaltschaft zugeworfen hat“, glaubt Metz und sieht „einen dringenden Bedarf für eine Entzerrung der Ermittlungsseilschaften“ zwischen Staatsanwaltschaft und Rechtsmedizin. Schon in einem offenen Brief vor einem halben Jahr hatten Ärzte des IPPNW „Zweifel an der Zuverlässigkeit und Unabhängigkeit“ des Rechtsmedizinischen Instituts geäußert und die lange Verfahrensdauer moniert.

Die Staatsanwaltschaft teilte jetzt auf FR-Anfrage mit, dass die Ermittlungen aus ihrer Sicht „bereits vor einiger Zeit abschlussreif“ gewesen seien, einer der drei Nebenklagevertreter aber zusätzliche Unterlagen angefordert habe. Die Unterlagen hatte Christian Bakija, der Anwalt der Familie des Verstorbenen angefordert. Bakija hält sich zu den Ermittlungen bedeckt, kündigt aber schon mal an, dagegen vorgehen zu wollen, falls das Verfahren eingestellt werde. Dem schließt sich sein Kollege Aydin an. Für ihn gibt es in den Aussagen der sechs Polizeibeamten Widersprüche, die nur in einer Hauptverhandlung geklärt werden könnten.

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