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Beim Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige werden in der Kaiserstraße Kerzen entzündet.

Drogensucht

22 Drogentote in Frankfurt zu beklagen

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Das Jahr 2018 war aus Sicht der Drogenhilfe ein Schritt in die richtige Richtung. Das Nachtcafé in der Moselstraße hat sich bewährt.

Vermutlich, betont die Pressesprecherin der Frankfurter Polizei, Annegret Kaus, sind im vergangenen Jahr 22 Menschen ihrer Drogensucht zum Opfer gefallen. Mit hundertprozentiger Sicherheit könne man das aber erst sagen, wenn die toxikologischen Gutachten abgeschlossen sind – und das, so Kaus, dauert inzwischen „mehrere Monate“. Dieser lange Zeitraum ist auch der Grund dafür, warum die Polizei nicht mehr wie in der Vergangenheit die Drogentoten einfach durchnummeriert und in ihren Meldungen nicht mehr vom 21. oder 22. Drogentoten spricht.

Mit der Zahl von 22 Drogentoten bestätigt sich der Trend, dass das umfangreiche und differenzierte System der Frankfurter Drogenhilfe tatsächlich angenommen wird. Noch immer unvergessen ist die Zeit, als es in der Taunusanlage eine offene Drogenszene gab und 1991 der traurige Rekord von 147 Toten aufgestellt wurde.

Nach Angaben der Leiterin des städtischen Drogenreferats, Regina Ernst, werden von allen Angeboten zusammen – dazu zählen neben den sogenannten niedrigschwelligen Einrichtungen auch Beratung und Prävention – jährlich rund 10 000 Personen erreicht. Als besonders „betreuungsintensiv“ gelten jene etwa 60 langjährig schwerstabhängigen Menschen, deren Lebensmittelpunkt das Bahnhofsviertel ist. Für sie wurde als Alternative zur Straße am 2. Mai das Nachtcafé eröffnet. Seitdem können sie sich dort von 22.30 Uhr bis 5.30 Uhr aufhalten. Handel und Konsum von Drogen sind allerdings untersagt und werden dann doch wieder auf der Straße abgewickelt.

Das Nachtcafé in der Moselstraße 47 ist für viele Drogenabhängige ein vertrauter Ort. Hier entstand mit dem Café Fix eines der ersten Krisenzentren der Stadt. Inzwischen kommen Nacht für Nacht durchschnittlich 180 Besucher in die Moselstraße. Mit über 80 Prozent wird diese Einrichtung überwiegend von Männern genutzt. Für die Sozialarbeiter bietet das Café die Möglichkeiten, die Besucher anzusprechen und sie in weitere Hilfsangebote zu vermitteln – etwa an das Projekt Offensive Sozialarbeit, das nachts an sieben Tagen mit einem Shuttlebus im Bahnhofsviertel unterwegs ist und Drogenabhängige auf Wunsch zu Notschlafunterkünften ins „Eastside“, in den Ostpark oder in die B-Ebene am Eschenheimer Tor bringt.

Für die vier Frankfurter Konsumräume werden die Zahlen von 2018 erst zu einem späteren Zeitpunkt vorliegen. Im Jahr 2017 wurden fast 200 000 Konsumvorgänge dokumentiert, wobei mit 45 Prozent Heroin die bei weitem am häufigsten konsumierte Droge war, gefolgt von Crack (20 Prozent). Eine Mischung aus Crack und Heroin wurde von 32 Prozent der Drogenabhängigen konsumiert, und zwar meist intravenös.

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