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Schlecht besucht und nach nur sechs Monaten wieder dichtgemacht: Der Club Freiheit 2112 im Frankfurter Ostend.

Clubs in Frankfurt

Clubkultur in Gefahr

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Fehlende Freiräume, explodierende Miet- und Pachtpreise, steigende Abgaben an die Gema: Das regionale Netzwerk "Clubs am Main" fühlt sich von der Stadt Frankfurt zunehmend alleingelassen

Die Stadt schaue dem Clubsterben in Frankfurt tatenlos zu, sagt Matthias Morgenstern, Vorsitzender des Vereins „Clubs am Main“. „Seit Jahren schrumpft das Angebot an Clubs in der Stadt, das gilt für kleinere Initiativen in sogenannten Off-Locations ebenso wie für ‚Leuchtturmprojekte‘ wie den ehemaligen Cocoon-Club.“ Die Rahmenbedingungen für die noch bestehenden Clubs würden immer schwieriger, so Morgenstern.

Auf der anderen Seite gebe es bald ein neues Technomuseum; das Museum für Angewandte Kunst widme Robert-Johnson-Gründer Ata Macias eine komplette Ausstellung, und DJ Sven Väth werde mit der Goetheplakette ausgezeichnet. Doch „die Stadt trägt fast nichts dazu bei, die Entwicklung gegenwärtiger und zukünftiger Clubkultur zu unterstützen“, beklagt Clubs am Main, das regionale Netzwerk für Veranstaltungs- und Clubkultur in Frankfurt/Rhein-Main.

Musikveranstalter in Frankfurt stünden vor vielen strukturellen Problemen: fehlende Freiräume für neue Veranstaltungen und Konzepte, mangelnder Schutz von Kulturräumen vor Aufwertung und Nachverdichtung, keine Möglichkeiten, für Veranstaltungen auf kostengünstigen Plakatflächen zu werben. Hinzu kämen explodierende Miet- und Pachtpreise und die jährlich steigenden Abgaben an die Gema. Clubs am Main fühlen sich von der Stadtpolitik zunehmend alleingelassen.

Netzwerk fordert stärkeren Dialog

Seit zwei Jahrzehnten gebe es erstmals wieder Razzien in Frankfurter Clubs, kritisiert der Verein. „Besucher von Clubs und Festivals werden auf und von ihrem Weg zu Veranstaltungen Opfer überzogener polizeilicher Kontrollen und als potenziell kriminell stigmatisiert.“ Veranstalter müssten die Präventionsarbeit selbst leisten, der vielbeschworene Frankfurter Weg werde zusehends ausgehöhlt. Die Stadtpolitik sehe tatenlos zu, ebenso schweige der zuständige Ordnungsdezernent. Die vom Verein eingeforderte Teilnahme an den sogenannten Montagsrunden sei zwar begrüßt worden, eine Einladung blieb bislang jedoch aus.

Clubs am Main verlangt darüber hinaus ein größeres Engagement von anderen städtischen Ämtern. Das Stadtplanungsamt könnte etwa bestehende Programme für die Kreativwirtschaft inhaltlich ausweiten, das Kulturamt wenigstens faire Förderrichtlinien für alle umsetzen.

Das Netzwerk fordert die Stadt zudem auf, wieder stärker in den Dialog mit der Club- und Veranstalterszene zu treten. Gemeinsam sollten Rahmenbedingungen entwickelt werden, „innerhalb derer sich auch zukünftig in dieser Stadt Clubkultur entfalten kann, damit diese eines Tages nicht mehr nur noch im Museum stattfindet“.

Für die Kommunalwahl 2016 will der Verein nun Wahlprüfsteine entwickeln und die Parteien mit relevanten Themen aus der Club- und Veranstalterszene zur Stellungnahme auffordern.

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