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Hier hingen zwei Werke des britischen Malers William Turner: Medienvertreter am 29. Juli 1994, dem Tag nach dem Kunstraub, in der Schirn.

Frankfurt

Bizarrer Kunstraub aus der Schirn

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Beim spektakulärsten Frankfurter Kunstraub entwenden maskierte Männer 1994 drei millionenschwere Gemälde aus der Schirn Kunsthalle. Die Bilder tauchen später wieder auf, die Diebe gehen ins Gefängnis - die Hintermänner aber sind auch 20 Jahre später unbekannt.

Am Morgen danach bot sich Betrachtern in der Schirn ein ungewöhnliches Motiv: Eine leere, weiße Wand in der Kunsthalle. In der Nacht zuvor, am 28. Juli 1994, hatten sich maskierte Diebe in der Ausstellung "Goethe und die Kunst" einschließen lassen, einen Wachmann überwältigt und drei wertvolle Gemälde abgeschraubt: zwei Werke des britischen Malers William Turner sowie "Nebelschwaden" von Caspar David Friedrich. Versicherungswert insgesamt: 70 Millionen Mark. Die zwei Turner-Bilder stammten aus der Londoner Tate Gallery, das Friedrich-Gemälde gehörte der Hamburger Kunsthalle.

Noch heute gilt dieser Raub als der spektakulärste Fall von Kunstdiebstahl in der Nachkriegsgeschichte. Zwei der Täter waren 1999 geschnappt und zu Haftstrafen von elf und acht Jahren verurteilt worden. Über ihren Auftraggeber aber schwiegen sie eisern. Er wird in Kreisen der jugoslawischen Mafia vermutet.

Nicht nur der Raub ist bizarr, auch die Umstände, unter denen die Bilder wieder auftauchten, sind es. Die Londoner Tate Gallery ließ sich nach dem Diebstahl zunächst die Versicherungssumme für die beiden Turner auszahlen, versuchte aber unabhängig davon auf eigene Faust, die Gemälde zurückzubekommen. Für den Fall, dass diese Bemühungen erfolgreich sein würden, traf sie mit der Versicherung die Vereinbarung, die Besitzrechte zurückzukaufen – für ein Drittel der ausgezahlten Versicherungssumme.

Der Plan ging auf, und die Tate machte unterm Strich ordentlich Gewinn. Nach einer Geldübergabe, die laut WDR-Recherchen auf einer Parkbank in Bad Homburg stattgefunden haben soll, war das erste Turner-Bild "Schatten und Dunkelheit" im Jahr 2000 wieder im Besitz des Londoner Kunsthauses.

Zwei Jahre später kehrte auch "Licht und Farbe" heim nach London. Wie im ersten Fall vermittelte dabei ein Frankfurter Anwalt – diesmal allerdings wohl nicht mit den Räubern selbst, sondern mit Handlangern, die das das Diebesgut lediglich verstecken sollten. Deponiert worden waren die wertvollen Kunstwerke laut späterer Anklage nach dem Raub in einer Garage in der Frankfurter Waldschmidtstraße. Für den Verkauf des Turners "Licht und Farbe" sollen die Handlanger rund zwei Millionen Euro von der Tate Gallery kassiert haben, für Caspar David Friedrichs "Nebelschwaden" bekamen sie von dem Vermittler noch einmal 250.000 Euro.

Die streckte der Anwalt zunächst vor – und musste sich die Rückzahlung später gerichtlich von der Hamburger Kunsthalle erstreiten. Die beiden Hehler machten sie sich mit dem Geld aus dem Staub. Frankfurter Ermittler spürten sie Anfang 2007 in Brasilien auf, danach wurden ihnen der Prozess gemacht. Die eigentlichen Drahtzieher des Kunstraubes sind bis heute unbekannt.

Andere Kunstdiebstähle in Frankfurt sind weniger spektakulär. So tauchen beispielsweise auf Flohmärkten in Frankfurt immer wieder einmal gestohlene Kunstwerke auf. 2006 werden auf dem großen Flohmarkt am Ratsweg mehrere Fragmente von Sandsteinplastiken angeboten. Sie stammen von barocken Grabmalen des alten Peterskirchhofes an der Stephanstraße und sind dort von Unbekannten abgeschlagen worden. Stadthistoriker Björn Wissenbach gelingt es, die Fragmente zu identifizieren. Es wird Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Doch die Spuren verlaufen im Sand.

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