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Neues Vertrauen tut not: Häuser im Gebiet südlich der Platenstraße.

Platensiedlung in Frankfurt

Bewohner der Platensiedlung leben in Angst

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Nach der Drogen-Razzia in der Frankfurter Platensiedlung fühlen sich die Bewohner dort nicht mehr wohl. Der Regionalrat Ginnheim lädt deshalb zu einem Sicherheitsgespräch ein.

Die Verunsicherung ist groß in der Platensiedlung. Friedrich Hesse, der Ortsvorsteher in Ginnheim, formuliert es noch drastischer. „Es gibt Angst in alle Richtungen.“ Hesse berichtet etwa von dem, was ihm Mitarbeiter einer Agentur erzählt haben, die in der Siedlung mit einem Lastenrad unterwegs sind, um für das Förderprogramm Grünes Ypsilon zu werben. Die erste Frage, die Anwohner stellten, sei immer: „Sind Sie von der Polizei?“ Dabei hegen die unbescholtenen Bürger keinen Argwohn gegen die Polizei, sie fürchten einfach Repressalien, wenn sie von möglichen Unruhestiftern im Viertel im Gespräch mit der Polizei gesehen werden. 
Dass diese Sorge nicht ganz unbegründet scheint, hat Rachid Rawas erfahren. Der Vorsitzende des Regionalrats Ginnheim hatte vergangenes Jahr in einem Medienbericht die Drogenproblematik im Viertel thematisiert, zwei Tage später wurden nachts bei ihm zwei Scheiben eingeworfen. Rawas lässt sich davon nicht schrecken, Hesses Stellvertreter im Ortsbeirat 9 ist weiter im Viertel unterwegs, spricht mit den Leuten.

Am heutigen Mittwoch lädt der Regionalrat die Nachbarn zu einem Sicherheitsgespräch ein. Rawas betont, dass dies nichts mit der Razzia von neulich zu tun habe, bei der sieben Wohnungen in der Platensiedlung wegen des Verdachts auf Drogenhandel durchsucht wurden. Es sei vielmehr als „präventive Maßnahme“ zu verstehen. „Wir wollen den Leuten sagen: Mach’ einen Schritt nach vorne und vertraue der Polizei.“ Viele Menschen im Viertel hätten in ihren Heimatländern schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht.

Beim Treffen dabei sein wird auch Edgar Ramelow. Der Leiter des 12. Polizeireviers weiß um die Bedenken der Bürger. „Wir wollen den Leuten die Scheu nehmen, überhaupt anzurufen.“ Viele hätten Angst, die Polizei sei bei einem Anruf sauer oder stelle Geld in Rechnung, falls der Anruf dann nicht wirklich zu etwas Wichtigem gedient habe. Zu der von Ortsvorsteher Hesse angesprochenen Angst in alle Richtungen gehört auch, dass die Polizei es mit ihren verdeckten Maßnahmen in der Siedlung geschafft hat, dass bei den Dealern ein hohes Misstrauen herrsche. Offenes Dealen auf der Straße, so wie früher, gebe es nicht mehr, sagt Ramelow. Alle Beteiligten sind sich aber einig, dass mit polizeilichen Maßnahmen alleine keine nachhaltigen Verbesserungen erreicht werden. Der Ortsbeirat 9 hat sich daher für einen Sozialarbeiter stark gemacht, der sich mit den Jugendlichen im Viertel beschäftigt und sie vor einem Abgleiten in die Drogenszene bewahrt. Doch die Stadt lehnt das aus Kostengründen ab. Dafür gebe es im aktuellen Haushalt keine Mittel, sagt eine Sprecherin des Sozialdezernats auf FR-Anfrage. Dafür bekommt die Platensiedlung ab dem 10. Oktober einen Quartiermanager, der die Nachverdichtung in dem Viertel begleiten soll. 

Für das Treffen heute Abend hofft Rawas auf rege Beteiligung. Falls nicht, sei das auch ein Zeichen. „Falls keiner kommt, belegt es die Angst nach der Razzia“, so Rawas, der nachschiebt: „Diese Angst ist da.“

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