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Studentenführer Rudi Dutschke in Frankfurt am Main (1968).

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Besetzer und Pfarrer

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Das Attentat auf Dutschke und die Folgen. Auch in Frankfurt gab es heftige Proteste.

Anfang 1968 ist Rudi Dutschke unter den Studenten in Frankfurt am Main bereits sehr bekannt. Seit er 1963 vor allem in Berlin die politische Bühne betreten hatte, gab es immer mehr Sympathien für den 1940 in Schönefeld bei Luckenwalde geborenen Sohn eines Postbeamten. Etlichen geht es so, wie es der damalige Theologie-Student Hermann Düringer im  Interview beschreibt: „Den habe ich richtig ein wenig angehimmelt.“

Der damals 27 Jahre alte Dutschke ist nicht nur ein begnadeter Redner, der mit seiner dunklen Stimme ein großes Publikum in seinen Bann schlagen kann. Es ist die tiefe Ernsthaftigkeit, mit der er auftritt und seine Vision eines demokratischen Sozialismus zeichnet, die viele fasziniert. Dutschke belässt es freilich nicht bei der Theorie, sondern ruft immer wieder zu Widerstandsaktionen gegen den bürgerlichen Staat oder den US-Imperialismus auf. So auch am 5. Februar 1968, als er auf Einladung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) nach Frankfurt kommt. Dutschke wird schon auf dem Flughafen von einer begeisterten Menschenmenge empfangen. An der Universität spricht er bei einem Teach-In, wo er dazu auffordert, das nahe US-Generalkonsulat auf dem Grundstück Siesmayerstraße 21 zu besetzen.

Die Polizei hat sich freilich vorbereitet, hat massive Absperungen um das US-Areal errichtet und verteidigt es unter dem Einsatz von Schlagstöcken und Wasserwerfern. Die Attacke der Protestierenden scheitert.

Für Hermann Düringer ist es das erste Mal, dass er von einem Wasserwerfer getroffen wird. Dieser 5. Februar ist ein Vorgeschmack auf wesentlich härtere Auseinandersetzungen. Als Dutschke am 11. April 1968 von einem Attentäter mit drei Pistolenschüssen lebensgefährlich verletzt wird, brechen an den folgenden Ostertagen auch in Frankfurt heftige Proteste los. Auch die Peterskirche an der Bleichstraße im Stadtzentrum wird besetzt. Sieben Jahre später sollte Düringer dort seine erste Pfarrstelle antreten.

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