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Darmstadt am 30. April 2016: Polizeikräfte halten an einer Fußballkneipe Fans der Eintracht im Blick.

Eintracht Frankfurt

Beratungsstelle für Eintracht-Fans

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Manchmal zweifeln die Fans von Eintracht Frankfurt am Rechtsstaat. Dann können sie sich beim 13. Mann Hilfe holen, einer Fan-Initiative, die Beratung anbietet - besonders in rechtlichen Fragen.

Manchmal zweifeln Eintracht-Fans am Rechtsstaat. Wenn sie etwa zum Auswärtsspiel ihrer Mannschaft nach Darmstadt reisen wollen, mit einem Stadtverbot belegt werden, dieses von einem Gericht als rechtswidrig beurteilt wird, aber die Stadt Darmstadt (zunächst) trotzdem daran festhält. Oder wenn sie – wie in der vorigen Saison geschehen – in Stuttgart auf dem Weg zum Stadion von der Polizei gestoppt werden, alle einzeln mit Ausweis in der Hand fotografiert werden und deshalb erst in der 70. Spielminute in den Fanblock gelangen.

In diesen Fällen sollen die Anhänger ihren Ärger nicht einfach runterschlucken, sie sollen schon gar nicht aus Wut Randale machen, sondern sich an den 13. Mann wenden. Eine Fan-Initiative, die Beratung anbietet, insbesondere in rechtlichen Fragen.

Gegründet wurde die Einrichtung vor gut zwei Jahren von mehreren Gruppen wie dem Fanprojekt und dem Verein Nordwestkurve, einem Zusammenschluss von Eintracht-Fans. Auch die Ultras wirken mit. Den grundlegenden Gedanken beschreibt Stephan von Ploetz, der Leiter des Frankfurter Fanprojekts, so: „Die Fans verstehen sich als Familie oder zumindest als eine große Gruppe von Freunden – und an wen wenden Sie sich, wenn Sie Probleme haben, zuerst? An Freunde und Familie.“

Vor allem die Rechtsberatung ist gefragt. Der 13. Mann, der so heißt, weil die Fans beim Fußball bekanntlich der zwölfte Mann sind und der 13. Mann den zwölften Mann unterstützt, hört sich die Probleme an und vermittelt bei Bedarf Kontakt zu Anwälten. Denn die Gruppe legt Wert darauf, dass den Ratsuchenden tatsächlich professionell geholfen wird.

Oft sind es Strafverfahren, die typisch sind für Fußballspiele, mit denen sich die Fans konfrontiert sehen: Widerstand gegen Polizeibeamte, Sachbeschädigung, Körperverletzung, Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz, worunter der Einsatz bestimmter Formen der Pyrotechnik fällt. Die Annahme, die ratsuchenden Fans seien immer unschuldig und stets ein Opfer von überzogenen Repressionen oder gar Polizeigewalt, wäre falsch, stellt von Ploetz klar: „Das heißt aber ja nicht, dass sie keine Rechte haben“, sagt der Sozialarbeiter, der seit mehreren Jahrzehnten für das Frankfurter Fanprojekt arbeitet.

Auf diese Rechte – sei es der Widerspruch gegen einen Strafbefehl oder der Anspruch auf Gehör – weist der 13. Mann die Fans hin. „Eigentlich“, sagt von Ploetz, „könnte die Polizei uns sogar dankbar sein.“ Schließlich sei es deren ureigene Aufgabe, die Betroffenen über ihre Rechte aufzuklären. Tatsächlich kamen aber bislang keine Dankeskarten aus dem Polizeipräsidium beim 13. Mann an. In jedem Fall aber zeigt dessen Arbeit Wirkung: Die Zahl der Fans, die Strafen nicht einfach akzeptieren, ist in Frankfurt gestiegen.

Doch der 13. Mann kümmert sich nicht nur um die klassischen Probleme, die manche Fans mit Polizei und Justiz haben. Bisweilen gibt es auch Anfragen, weil der Vermieter die Wohnungsmiete deutlich erhöht hat oder am Arbeitsplatz eine Abmahnung fällig geworden ist.

Wobei von Ploetz klarstellt, dass es sich bei der Initiative nicht um eine Anwaltskanzlei handelt, die im Zweifel jeden Klienten nimmt. Ein Mitstreiter der Gruppe drückt es zugespitzt so aus: „Wenn bei uns einer anruft und sagt: ,Hallo, ich bin Herrmann, ich stehe immer in Block 40 und habe meine Frau verdroschen‘ – dann unterstützen wir den natürlich nicht.“ Und von Ploetz schiebt nach: „In einem solchen Fall würden wir viel eher der Frau helfen.“

Während die Rechtsberatung also gut läuft, wünscht sich der 13. Mann für seine anderen Angebote durchaus mehr Resonanz. Etwa psychologische Hilfen, Schuldner- oder Suchtberatung, die die Initiative nach einem ersten klärenden Gespräch im Fanhaus an der Louisa oder im Stadion vermitteln kann. Viele Fans, die Hilfe womöglich gut gebrauchen könnten, seien noch sehr reserviert, sagt der Leiter des Fanprojekts.

Wirklich verwundert ist er darüber nicht. Die (zumeist jungen) Leute kämen in ihrer Freizeit ins Fanhaus oder in die Nordwestkurve im Stadion. Dort wollten sie für ein paar Stunden abschalten von den Problemen – und eben nicht darüber reden.

Während die Fußballer der Eintracht erst am Wochenende in die Spielzeit starten, hat der 13. Mann immer Saison. Gegen ein ruhiges Jahr hätten von Ploetz und seine Mitstreiter nichts einzuwenden. Denn wenn sie wenig Anfragen bekommen, spricht das dafür, dass die Anhänger wenig Probleme haben.

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