Frankfurt-Berkersheim

Ärger über Flüchtlingsunterkunft

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Anwohner in Frankfurt-Berkersheim fühlen sich nicht ausreichend über das Neubauprojekt informiert.

Am Dienstagabend hat die Stadt im Ortsbeirat 10 Pläne für eine Flüchtlingsunterkunft in Berkersheim vorgestellt. Bürger hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Sie äußerten vor allem Kritik an der Informationspolitik. Fünf Gebäude entstehen auf dem ehemaligen Sportfeld Edwards in Holzmodulbauweise. 170 Menschen sollen dort unterkommen: Familien, alleinreisende Frauen und Männer, die alle schon mindestens ein Jahr in Deutschland leben. Es entstehen 32 Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen. Ein Betreiber wird derzeit ausgeschrieben, die ersten Einzüge sind für Frühjahr 2019 geplant. Der Mietvertrag läuft bis zum 31. Dezember 2022.

So weit die Fakten. Doch dass so viele Details bereits feststehen, bemängelten viele der Sitzungsbesucher. Das sei Ausdruck einer „verfehlten Informationspolitik“, wie es einer ausdrückte. Damit würde man zwar keine Ängste schüren, aber Ärger hervorrufen.

„Kritik am Procedere ist nicht gleich Kritik an der Sache“

Bei vielen Beiträgen wurde das deutlich. Manche Bürger wunderten sich, dass bereits Mitte Juli auf dem Gelände gearbeitet wurde. Die Aufklärung durch Manuela Skotnik vom Sozialdezernat, dass es sich dabei nur um Bodenproben gehandelt habe, konnte nicht jeden besänftigen. Dazu trug auch die Auskunft bei, dass zwischen Einreichung des Bauantrages und der Genehmigung gerade einmal zwei Wochen lagen. Für gewöhnlich dauern solche Vorgänge länger.

Die Bürger wären also gerne früher ins Boot geholt worden. So war es auch schon in anderen Stadtteilen bei vergleichbaren Projekten, zum Beispiel in Harheim. „Kritik am Procedere ist nicht gleich Kritik an der Sache“, sagte ein Anwohner. „Erst Planierraupen, dann Kommunikation, das ist der falsche Weg“, drückte es ein anderer etwas drastischer aus. Ortsvorsteher Robert Lange verwies auf die Sommerferien, die eine solche Info-Veranstaltung erschwert hätten. Auch hinderlich: Nicht immer gäbe es überhaupt etwas zu verkünden, sagt Skotnik. 266 Projekte hätten sich bereits während der Planung zerschlagen.

Die Bürger hatten aber auch andere Anliegen. Einer fragte konkret nach Ansprechpartnern, die es laut Manuela Skotnik gebe, sobald der Betreiber feststehe. Ein anderer fragte nach einem Sicherheitskonzept für die Bewohner. Auch das hänge vom Betreiber ab, so Skotnik. Zudem werde die Polizei eingebunden. Thomas Schulze, Leiter des 14. Reviers, bat die Bevölkerung, „dem Projekt eine Chance zu geben“. Dem schloss sich eine Bürgerin an, die aber zu bedenken gab, „dass es vor Ort keine Sport- und Spielangebote und daher wenig Integrationsmöglichkeiten“ gebe. Bald soll es einen Vor-Ort-Termin geben, zu dem die Bürger eingeladen werden.

Ob jeder diese Chance wahrnimmt, bleibt fraglich. Denn es gab auch unsachliche Kommentare. Dass die Stadt für jeden Flüchtling Kosten von 1800 Euro im Monat hat (wovon das Land 1050 Euro erstattet), heißt nicht, dass der Flüchtling 1800 Euro im Monat bekommt. Das musste ein Besucher einem anderen lautstark beibringen. Dass freistehende Unterkünfte in Karben oder Offenbach nichts mit der Unterbringungspflicht der Stadt Frankfurt zu tun haben, wollten zwei andere nicht einsehen.

Manche Besucher traten nicht ans Mikro, machten aber durch Gesten und private Gespräche deutlich, dass sie nichts von der neuen Unterkunft halten. Oder sie verließen den Saal mit knallender Tür, als Taylan Burcu (Grüne) klarstellte, dass Flüchtlinge nicht krimineller sind als andere Menschen.

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