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Horst Cronauer in der Mitte zwischen Volker Bouffier (links) und Bild-Chefredakteur Julian Reichelt.

"Bild"

Abschied vom Cronauer

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Im Frankfurter Rathaus feiert der "Bild" -Lokalchef Horst Cronauer seinen Abschied. Cronauer hatte 28 Jahre lang die Frankfurter Redaktion geleitet.

Der Beobachter reibt sich die Augen. Da flattern tatsächlich rote Fahnen vor dem Römer. Doch es geht nicht um die Revolution. Deutschlands größtes Boulevardblatt feiert das 40-jährige Bestehen seiner Frankfurter Redaktion. Vor einem halben Jahrhundert haben auf dem Römerberg die Menschen gegen die Hetze der „Bild“ demonstriert, an diesem Abend öffnen sich die Römerhallen für die Zeitung. Und für den Abschied von Horst Cronauer, der 28 Jahre lang die Frankfurter Redaktion geführt hat. 

Der Cronauer: Der galt immer als der harte Hund unter den Frankfurter Journalisten. Hart gegen sich selbst, gegen Leute, die er aufs Korn nahm, aber auch gegen die eigene Redaktion, die so einiges aushalten musste von dem heute 64-Jährigen. 

Hervorragende Verbindungen

Der Cronauer: Ein ehemaliger Sportberichterstatter, ein Konservativer, aber kein Reaktionär. Ein Mann mit hervorragenden Verbindungen, die er immer wieder unter Beweis stellte. Einer, der Boulevard konnte. Und der immer wieder Schlagzeilen gemacht hat: Über das Staats-Doping in der DDR berichtete er früh, aber auch über die polizeiliche Androhung „unmittelbaren Zwanges“ gegen den Kindesmörder Magnus Gäfgen. Cronauer wurde mit dem renommierten Wächterpreis ausgezeichnet. 

Es ist interessant, wer da zum Feiern ins Rathaus kommt. Keine Linken, Sozialdemokraten nur aus fernen Zeiten, wie Ex-Kulturdezernent Hilmar Hoffmann und Ex-Bürgermeister Achim Vandreike. Dafür aber prominente Grüne wie Römer-Fraktionschef Manuel Stock und die gerade vergangene OB-Kandidatin Nargess Eskandari-Grünberg. 

Und natürlich die CDU-Politiker, die wissen, was sie an Cronauer hatten – vom Ministerpräsidenten Volker Bouffier über Wissenschaftsminister Boris Rhein bis hin zum Kreisvorsitzenden Jan Schneider. Bouffier zeichnet den Redaktionsleiter mit dem Hessischen Verdienstorden aus – und würdigt dessen Engagement für die Kinderhilfe, die Integration von Migranten, aber auch für verletzte Sportler wie den Handballer Joachim Deckarm. Am Ende umarmen sich Bouffier und Cronauer. 

OB Peter Feldmann verliest einen Brief des früheren sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow an Cronauer („Du hast zum Verständnis zwischen Deutschland und Russland viel beigetragen“.) Der Sozialdemokrat lobt das Boulevardblatt, das „mit Herz an der Seite der einfachen Leute“ stehe. Und das „ein Freund Frankfurts“ sei. Volker Bouffier aber wäre nicht Volker Bouffier, würde er nicht mit rhetorischem Geschick aktuelle politische Bezüge einflechten. Der Ministerpräsident nutzt das große Publikum, gegen Rassismus und Antisemitismus Stellung zu beziehen: „Diese Arbeit ist nicht getan!“ 

Er wettert gegen den Musikpreis Echo für die Rapper Kollegah und Farid Bang und ihre antisemitischen Texte: „Da stimmt was nicht in diesem Land!“ Großer Beifall. Bouffier fordert dazu auf, „Flagge zu zeigen“. Und er fragt: „Wo sind all diese Kulturschaffenden?“ Wieder Applaus. 

Horst Cronauer dagegen, der so gut austeilen konnte, er steht persönlich nicht gerne im Fokus. „Das zieht mir fast den Boden unter den Füßen weg“, sagt er verlegen zu all dem Lob. Frankfurt habe er zuerst nicht gemocht, heute liebe er die Stadt. Künftig wird er mehr Zeit für sie haben. 

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