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1200 Menschen demonstrieren in der Innenstadt von Frankfurt beim Women?s March für gleiche Bezahlung für Frauen und Männer und gegen Sexismus, Gewalt und Rassismus.

Women?s March in Frankfurt

1200 Teilnehmer beim Women?s March

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1200 Menschen demonstrieren in der Innenstadt von Frankfurt beim Women?s March für gleiche Bezahlung für Frauen und Männer und gegen Sexismus, Gewalt und Rassismus.

Lasst es glitzern, lasst es krachen. Macker ham heute heut nix zu lachen“, steht in Pink auf einem der vielen Schilder. Auf einem anderen: #WhyImarch: Mama, warum verdienen die Jungs später mehr Geld als ich?“ Zwischendrin tanzt eine Gruppe junger Frauen mit pinken Katzenmasken zum Trommelsound. Sie rufen auf Englisch, dass sie nur eines wollen, nämlich „Gleichberechtigung“ – und das bitte nicht irgendwann mal, sondern sofort. 1200 Menschen haben laut Polizei am Samstagnachmittag beim Frankfurter „Women’s March“ in der Innenstadt demonstriert. Weltweit gingen Frauen und Männer für Frauenrechte auf die Straße. Allein in Washington waren es mehrere Tausend.

Ein Teil der Menschen in Frankfurt beginnt ihren Protestmarsch in Sachsenhausen, der andere am Kaisersack. Vom Willy-Brandt-Platz aus ziehen sie dann gemeinsam laut, aber friedlich weiter bis zur Abschlusskundgebung am Goetheplatz. Es ist der zweite Women’s March in Frankfurt.

Der erste war im Januar 2017 und angelehnt an den „Women’s March on Washington“, eine in USA gestartete Protestaktion, die sich gegen US-Präsident Donald Trump, seine frauenfeindlichen Sätze wie „Grab them by the pussy“ und für mehr Frauenrechte stark machte. Diesmal ist der Anlass, dass der 19. Januar ein historischer Tag ist. „Heute vor 100 Jahren durften Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen. Jetzt müssen wir für andere Frauenrechte weiterkämpfen“, sagt Petra Kappler, eine der Frankfurter Initiatorinnen. 

Das Demo-Motto lautet: „It’s time to march again.“ Also Zeit, wieder auf die Straße zu gehen. Azada Sharifi (20) Abiturientin aus Offenbach, sagt: „Männer verdienen immer noch mehr als Frauen. Und ich muss mich immer rechtfertigen. Jungs aus meiner Schule sagen, dass ich es karrieremäßig nicht schaffen werde, weil ich doch bloß ein Mädchen bin. Das ärgert mich sehr.“

Außerdem sei Feminismus viel mehr als nur Frauenrechte: „Wir kämpfen auch gegen Rassismus und Homophobie und eben für Gerechtigkeit.“ Und ganz wichtig ist ihr der Punkt: „Slut Shaming“, also wenn Frauen beschuldigt werden, einen zu kurzen Rock zu tragen oder sich zu sehr zu stylen – und das mit der Absicht, „Männer anzulocken“, sie somit zu Sex einzuladen. „Leider kommen solche Vorwürfe nicht nur von Männern, sondern oft auch von anderen Frauen. Dabei sollten wir Frauen doch zusammenhalten“, sagt Azada Sharifi. Und wenn sie sich schminkt und kurze Röcke trage, dann „weil es mir gefällt, und nicht, um einem Mann zu gefallen.“

„Phlegmatische Deutsche“

Einer der Rednerinnen an diesem Tag ist Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne): „2019 könnte das Jahr der grauen, autokratischen Herren aus Russland und USA werden, oder wir halten alle die Entwicklung gemeinsam auf und drehen sie gemeinsam um.“ Applaus der Menge. Außerdem wird noch in weiteren Reden am Willy-Brandt-Platz immer wieder betont, dass auch „Schluss mit Schweigen“ ist, wenn es um häusliche Gewalt gegen Frauen und Rassismus geht.

Maja Bott, Landesvorsitzende des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter, spricht über die Nicht-Unterstützung von alleinerziehenden Müttern, die „fast genauso besteuert werden wie Singles“. Sie betont aber auch, dass Abtreibungswerbung zu verbieten (Paragraf 219 a) „lächerlich“ sei: „Wir haben das Recht, über Schwangerschaftsabbrüche informiert zu werden.“ Zwischendrin singt der SheChoir, in dem eben Menschen singen, die wie die Moderatorin sagt „sich als weiblich definieren“.

Henriette Pahling (14) aus Mainz sagt: „Vor 100 Jahren sind die Frauen auf die Straße gegangen, um was zu erreichen. Wenn wir Gleichberechtigung wollen, müssen wir auch auf die Straße gehen.“ Ihre Mutter Constanze Conrad sagt: „Gleichberechtigung gilt auch für Familien. Ich habe mich entschieden, dass mein Mann arbeitet und ich trotz Uni-Abschluss als Hausfrau zu Hause bleibe. Dafür werde ich leider von anderen Müttern diskriminiert. Das finde ich schade.“ Viele Jahre hat sie im Ausland gelebt. „Wenn es um Protest geht, sind die Deutschen im Vergleich zu anderen Ländern phlegmatisch. In den USA und Spanien gehen die Leute mehr auf die Straße, hier konnte ich nur eine Freundin motivieren. Die anderen sagten: ‚Ach wozu?‘“

Aber die Frauen, die da sind, sind laut, nutzen gerne auch Trillerpfeifen. Ein junges Mädchen sieht entspannt in die Zukunft. Auf ihrem Schild steht: „Keep calm and remember you are wonder woman.“ 

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