Alexander Kießling leitet die Pressestelle der Frankfurter Polizei.

Interview

„Die Polizei holt kein Geld ab“

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Der Erste Kriminalhauptkommissar Alexander Kießling aus Frankfurt nennt Tipps zur Prävention.

Wie schützt man alte Menschen vor Betrug? Im FR-Interview spricht Alexander Kießling, Leiter der Pressestelle im Frankfurter Polizeipräsidium, über Präventionsnachmittage und besondere Kaffeefahrten.

Herr Kießling, was machen Menschen falsch, die Opfer von Betrügern werden?

Das Grundproblem ist, dass sie Menschen vertrauen, die sie nicht kennen. Die Täter gehen immer gerissener vor und betreiben immer mehr Aufwand, um ihre Opfer in die Irre zu führen. Umso mehr Vorsicht und gesundes Misstrauen ist geboten.

Was kann die Polizei tun?

Wir können vor allem die Menschen über die neuen Betrugsmaschen aufklären und uns dabei auch Partner suchen. Wir haben zum Beispiel gemeinsam mit der Mainova einen Flyer entworfen. Darin steht ganz klar: Mainova-Mitarbeiter kommen nicht einfach so und wollen die Wohnung betreten. Sie müssen sich schriftlich ankündigen. Auf diesen Trick fallen leider immer noch viele Menschen rein. Sie lassen einen vermeintlichen Mainova-Mitarbeiter in die Wohnung. Der lässt die Tür einen Spalt auf, lenkt das Opfer ab, und in der Zeit betritt ein Komplize unbemerkt die Wohnung und schaut sich nach Wertsachen um.

Was hat es mit den Kaffeefahrten auf sich, die Sie anbieten?

Das sind Touren, die einen fröhlichen, aber gleichzeitig ernsten Charakter haben. Es gibt eine Busfahrt, die von der Gesellschaft Bürger und Polizei unterstützt wird. Auf der Tour halten die Senioren dann beim Ordnungsamt und auch bei uns im Polizeipräsidium. Experten von uns und des Präventionsrats erzählen den Menschen dann, welche neuen Betrugsmachenschaften es gibt.

Aber besteht nicht die Gefahr, dass Sie mit solchen Angeboten nur Seniorinnen und Senioren erreichen, die ohnehin für das Thema sensibilisiert sind und deshalb gar nicht zu den potenziellen Opfern zählen?

Das ist richtig. Wir gehen aber auch zu Kaffeenachmittagen in Altenwohnanlagen oder klären bei Vorträgen in den Seniorentreffs auf. Und wir setzen natürlich darauf, dass die Menschen, die bei unseren Kaffeefahrten mitfahren, als Multiplikatoren agieren.

Wie können sich denn Seniorinnen und Senioren schützen?

Es gibt natürlich ein paar Grundsätze. Man lässt niemanden in die Wohnung, der sich nicht angekündigt hat, und man gibt vermeintlichen Polizisten kein Geld mit. Es ist einfach nicht Aufgabe der Polizei, Geld abzuholen, das machen wir nicht. Wenn also jemand anruft und sich als Polizist ausgibt und etwas von Ersparnissen erzählt, die in Gefahr seien und deshalb schnellstmöglich der Polizei ausgehändigt werden müssten, dann ist das immer ein Betrugsversuch. So arbeiten wir nicht.

Aber wie sehr helfen solche Ratschläge weiter, wenn sich die Maschen der Betrüger stetig ändern? Beim nächsten Mal erzählen die Täter halt eine andere Geschichte, um ihre Opfer auszunehmen.

Das Problem ist, dass wir stets auf das Vorgehen der Täter reagieren müssen. Deshalb gilt grundsätzlich: Bleiben Sie misstrauisch, haben Sie immer im Kopf, dass es Betrüger gibt, die nur an ihr Geld wollen, und rufen Sie im Zweifel immer nur die 110 an. Unter der Nummer hilft Ihnen die Polizei. Die echte Polizei.

Interview: Georg Leppert

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