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Die drei neuen Schutzleute stellen sich vor dem Haupteingang des Polizeipräsidiums vor.

Polizei

„Wir müssen Vertrauen zurückgewinnen“

Die Frankfurter Polizei will nach den Skandalen der Vergangenheit wieder Bürgernähe schaffen. Drei neue Schutzleute sollen dabei helfen.

Manche nennen sie „Nazirevier“, die Polizeidienststelle der Innenstadt. 2018 wurden dort die privaten Daten der NSU-Anwältin Seda Basay-Yildiz unrechtmäßig abgerufen und sie und ihre zweijährige Tochter mit dem Leben bedroht. Dann fand man eine rechtsextreme Chatgruppe, Kollegen, die Hitlerbildchen und Judenwitze austauschten. Fünf Beamten wurden suspendiert. Hier, im ersten Revier, tritt Torsten Richter nun sein Amt als Schutzmann an, um Bürgernähe zu schaffen, wo sie bei vielen verloren gegangen ist. Wie er das hinbekommen will?

Sprechstunden

Innenstadt: Torsten Richter, Sprechstunden zu Bürozeiten, Tel. 75 51 01 59

Gallus: Tarik Chaikhoun, immer mittwochs 11 bis 14 Uhr im Anker, Tel. 75 51 04 00

Bockenheim: Sabrina Kamaci, dienstags 10 bis 12 Uhr, im Beratungsbüro oder Ökohaus, Tel. 75 51 13 00.

Er sei sozial eingestellt und setze auf Deeskalierung, ansonsten verstehe er die Frage nicht ganz, meinte der 57-jährige Polizeioberkommissar etwas ungehalten. Präsent zu sein, Gewalttaten vorzubeugen und „die Stimme der Polizei“ zu sein, das ist die Aufgabe der 21 Schutzleute laut Vizepräsident Walter Seubert. Richter will diese verwirklichen, indem er vor allem Ansprechpartner für alte Menschen ist, die um ihr Einkommen besorgt sind. Im Viertel wolle er zudem den Kontakt mit den „Geschäftsleuten“ pflegen. „Es passiert schon mal, dass Obdachlose vor einem Geschäft ihre Notdurft verrichten, und dann kommen die Leute auf mich zu.“

Im Gegensatz zu seinem Kollegen sieht Tarik Chaikhoun Handlungsbedarf bei der Einstellung der Polizei. „Es ist in Ordnung, dass die Polizei zurzeit kritisch gesehen wird. Wir müssen Vertrauen zurückgewinnen.“ Der 36-jährige gebürtige Frankfurter übernimmt ab Dezember die Bürgersprechstunde im Gallusviertel. Trickdiebstahl und Einbruchschutz seien seine Schwerpunkte. Als Schutzmann ist es ihm aber auch wichtig, mit Migrationsbeiräten in engem Kontakt zu stehen und zu vermitteln. Er erzählt von einem Vorfall, als er mit Kollegen auf Streife einen Betrunkenen in Gewahrsam nahm. „Da haben die Leute schon geschaut.“ Als eine junge Frau nachgehakt hätte, warum es denn gleich fünf Polizisten zur Überwältigung des Mannes sein müssten, hätte er es erklärt. „Ich bin ein Freund davon, dass man nachfragt.“

Vor andere Herausforderungen gestellt wird Sabrina Kamaci, die seit Februar als Schutzfrau in Bockenheim tätig ist. Lärmbelästigung, Müll und Parkverstöße, damit beschäftigt sie sich. „Ich laufe über den Markt und rede mit den Leuten ausführlich darüber, was ihnen am Herzen liegt.“ Als Frau werde sie durchweg positiv aufgenommen und wirke in vielen Fällen deeskalierender, so die 38-Jährige.

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