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Einmal mehr macht die Polizei in Frankfurt Negativschlagzeilen.

Frankfurter Polizei

Wildpinkeln hat für Frankfurter Polizisten Konsequenzen

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Ein weiterer Reputationsverlust für die Frankfurter Sicherheitsbehörden. Vier Beamte werden in den Innendienst versetzt.

Bei der Frankfurter Polizei herrscht eine gewisse Fassungslosigkeit. Nach den Vorwürfen rechtsextremistischer Tendenzen unter Kollegen gibt es nun einen weiteren Eklat. Sechs Staatsschützer haben sich nach einer Feier vor das Haus eines mutmaßlichen Gefährders begeben. Zwei von ihnen sollen dort vor dem Haus uriniert haben, wie Bilder aus einer Videoüberwachung belegen. 

Der Vorfall trug sich in der Nacht auf den 1. Februar zu, wie Polizeisprecher Alexander Kießling berichtet. Zwei der sechs Beamten sollen in eine andere Dienststelle versetzt werden, den Abschied feierten die sechs in einer Gaststätte im Stadtgebiet. Danach hielten die fünf Männer und eine Frau es offenbar für eine gute Idee, sich vor dem Haus eines potenziellen Gefährders zu tummeln.

Herausgekommen ist der Vorfall erst jetzt. Ein Beamter, der von der Sache wohl Wind bekommen hatte und sie nicht so witzig fand, steckte den Vorfall am vergangenen Wochenende der „Bild“-Zeitung, die fragte bei der Polizei nach. „Das konnte ich mir gar nicht vorstellen“, gesteht Polizeisprecher Kießling. Doch die internen Ermittlungen ergaben, dass die Vorwürfe stimmen. Die noch recht jungen Beamten versuchten sich zwar mit Kapuzen gegen die eigene polizeiliche Überwachung zu tarnen, doch andere Staatsschützer erkannten die Kollegen auf dem Überwachungsvideo.

Frankfurter Beamte fuhren zum Haus eines potenziellen Gefährders 

Polizeipräsident Gerhard Bereswill handelte schnell. Den zwei Beamten, die ohnehin zu anderen Dienststellen versetzt wurden, folgen die vier Kollegen, die sich nun nicht mehr als verdeckte Ermittler auf der Straße tummeln dürfen, sondern in den Bereich Eigentumsdelikte versetzt wurden. „Sie sind auf jeden Fall raus aus dem operativen Geschäft“, betont Kießling und spricht von einem enormen „Reputationsschaden“ für die Frankfurter Polizei. Die Beamten hätten ihre „Wohlverhaltenspflicht“ verletzt. 

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Dabei geht es nicht nur um den unappetitlichen Vorgang der Wildpinkelei, sondern auch darum, möglicherweise laufende Ermittlungen zu gefährden, wenn man vor dem Haus eines potenziellen Gefährders herumspringt und diesen auf mögliche Ermittlungen aufmerksam macht. „Wir gehen davon aus, dass er es nicht gemerkt hat“, sagt Kießling. Der Vorfall trug sich nachts zu, der Gefährder schlief wohl. Dass es sich, wie kolportiert, um einen Islamisten handeln soll, wollte der Polizeisprecher indes noch nicht bestätigen. Pikanterie am Rande: Einer der Beamten hatte sich nach dem Gelage am folgenden Tag krankgemeldet und bei einem Einsatz gefehlt.

Polizeipräsident Bereswill hat den neuerlichen Eklat zur Chefsache erklärt. Öffentlich äußern möchte er sich zu dem Vorfall nicht, gleichwohl wolle er, so Kießling, der Sache näher auf den Grund gehen. Was die sechs Beamten in jener Nacht geritten hat, wisse bislang aber noch niemand im Polizeipräsidium, sagte Kießling.

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