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Kommentar Eintracht Frankfurt

Verheerender Einsatz

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Das Vorgehen der Beamten vor rund einem Monat im Waldstadion: Beschreiben lässt sich der Ablauf als ein Drama in vier Akten.

Wer sich dafür interessiert, wie ein Polizeieinsatz von Anfang bis Ende, vom Einsatzbefehl bis zur rechtlichen Aufarbeitung, schiefgehen kann, sollte einen Blick auf das Vorgehen der Beamten vor rund einem Monat im Waldstadion werfen. Beschreiben lässt sich der Ablauf als Drama in vier Akten.

Erster Akt: der Einsatzbefehl. Die Polizei entschließt sich, das Banner sicherzustellen, das sich gegen Innenminister Peter Beuth richtet. Warum eigentlich? Sicher: Das Transparent ist plump und geschmacklos und für Außenstehende nicht zu verstehen. Und man muss auch nicht der Argumentation der Ultras folgen, Beuth werde darauf nicht beleidigt, weil er eben nicht „Ficker“ genannt werde. Aber: In keinem Fall stellt das Transparent eine Gefahr dar, und für ein mögliches späteres Gerichtsverfahren hätte es gereicht, ein Foto des Banners zu machen.

Zweiter Akt: die Sicherstellung. Der Polizeitrupp kennt keine Verwandten, geht außerordentlich hart vor. Tiefpunkt: Ein Fan, der zu diesem Zeitpunkt bereits abseits des Geschehens steht, wird brutal über die Werbebande befördert. Bei den Polizisten handelt es sich übrigens um Angehörige der Spezialeinheit BFE, die für solche Situationen ausgebildet sind. Tatsächlich verhalten sie sich wie unbedarfte Dorfpolizisten, die zu einer Schlägerei unter besoffenen Kerbeburschen gerufen werden.

Dritter Akt: der Sicherheitsausschuss. Wenige Tage nach dem Einsatz tritt Polizeipräsident Gerhard Bereswill im Römer auf. Er redet über den „NSU 2.0“ und macht seine Sache sehr gut. Detailliert zeigt er auf, wie die Polizei Extremismus in den eigenen Reihen verhindern will. Ganz am Ende wird er auf den Einsatz im Stadion angesprochen. Obwohl er wissen muss, dass das Vorgehen seiner Beamten juristisch untersucht wird, nimmt er Stellung zum Einsatz und behauptet, auf dem Video sei kein Polizeiübergriff zu erkennen. Eine unprofessionelle Aussage, denn wie soll es jetzt noch eine unabhängige Untersuchung geben? Jeder interne Ermittler der Frankfurter Polizei weiß nun, welches Ergebnis sein Chef von ihm erwartet.

Vierter Akt: die Anzeige. Der Fan, der von der Polizei schlimm verletzt wird, wird von den Beamten auch noch angezeigt. Dieses Vorgehen ist leider üblich und mittlerweile ein Reflex. Gerät die Polizei juristisch unter Druck, keilt sie zurück.

Durch den Skandal um mutmaßlich rechtsextreme Beamte hat die Frankfurter Polizei einen immensen Imageschaden erlitten. Ihr Einsatz gegen die Eintracht- Fans ist nicht geeignet, das verloren gegangene Vertrauen in der Bevölkerung zurückzugewinnen. Ganz im Gegenteil.

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