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Die Zahl der erfassten Delikte ging von 2018 zum vergangenen Jahr um 2,8 Prozent auf 114 421 zurück.

Statistik

Polizei: Frankfurt ist so sicher wie nie

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Die Polizei Frankfurt jubelt über die neue Kriminalitätsstatistik, beklagt aber mehr Angriffe auf Beamte.

  • Polizei präsentiert Kriminalstatistik
  • Frankfurt demnach sehr sicher
  • Gewalt gegen Polizisten nimmt zu

Die Stadt Frankfurt ist laut Kriminalstatistik so sicher wie noch nie. Die Zahl der erfassten Delikte ging von 2018 zum vergangenen Jahr um 2,8 Prozent auf 114 421 zurück. Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill zeigte sich bei der Präsentation der Zahlen am Montag sehr zufrieden: „Wir leben heute in der sichersten aller Zeiten, die wir je hatten in Frankfurt.“

Frankfurt laut Kriminalstatistik sicher 

Rückläufig auch auf lange Sicht sind vor allem die Delikte Einbruch und Diebstahl. Die Zahl der Einbrüche in Frankfurt hat sich gegenüber den 80er Jahren halbiert. Die Zahl der Diebstähle hat mit 30 958 gar den niedrigsten Stand seit der Erfassung der Statistik 1971 erreicht. In den 80er Jahren gab es in Frankfurt noch jährlich mehr als 100 000 Einbrüche. Besonders stolz ist Bereswill auf die Entwicklung bei den Wohnungseinbrüchen, die sich in den vergangenen fünf Jahren in Frankfurt mehr als halbiert habe und damit noch stärker rückläufig sei als in Hessen insgesamt (minus 38 Prozent). Historisch niedrig seit der Erfassung ist auch der Diebstahl aus Autos. Die 1941 Fälle bedeuten gegenüber 1987 einen Rückgang um 92,9 Prozent.

Aufklärungsquote

Die Frankfurter Polizeihat im vergangenen Jahr 69,2 Prozent aller Delikte aufklären können. Da darin aber ein Großverfahren mit 28 000 Fällen enthalten ist, das schon länger geklärt ist, rechnet die Polizei bereinigt mit einer Quote von 65,2 Prozent, die dennoch deutlich höher liegt als in vergangenen Jahren (2015: 61 Prozent.)

Die Erfolgeder Polizei sind in den einzelnen Deliktfeldern recht unterschiedlich. So muss auch konstatiert werden, dass bei Kontrolldelikten wie Schwarzfahren oder Drogenbesitz die Quote bei fast 100 Prozent liegt und die Aufklärungsquote dadurch geschönt wird.

Bei Mordlag die Aufklärungsquote bei 100 Prozent, bei Totschlag 87,3 Prozent. Sehr niedrig hingegen sind die Aufklärungsquoten bei Wohnungseinbruch (11,1 Prozent) Diebstahl aus Autos (9,2 Prozent) und Fahrraddiebstahl (5,6 Prozent). 

Zumindest die kurzfristige Entwicklung ist aber nicht in allen Deliktfeldern rosig. So nahm die Zahl der sogenannten Straftaten gegen das Leben von 58 im Jahr 2018 auf 78 zu. Das ist der höchste Stand seit 1991. Der Leiter der Kriminaldirektion, Hanspeter Mener, sprach von einer „auffälligen Zahl“. Im Bereich Mord nahmen die Fälle von zwei auf 13 zu, wobei neun davon im Versuchsstadium blieben. Dazu gab es 55 Delikte im Bereich Totschlag, neun fahrlässige Tötungen und einen Schwangerschaftsabbruch. Bei der Suche nach einer Erklärung für den großen Anstieg wies Mener darauf hin, dass bei 17 der Straftaten gegen das Leben die Tatzeit vor 2019 lag, sie aber erst im vergangenen Jahr erfasst wurden.

Gewalt gegen Polizisten steigt 

Weiter stark ansteigend ist die Gewalt gegen Polizeibeamte. 2019 Jahr wurden 1729 Polizisten Opfer von Gewalt und damit 19,9 Prozent mehr als 2018. Die Statistik unterscheidet zwischen Widerstand (bei einer Festnahme) und dem Angriff. Vor allem die Angriffe auf Vollstreckungsbeamte haben sich dabei gegenüber 2018 mehr als verdreifacht.

Die politisch motivierte Kriminalität hat sich im vergangenen Jahr gegenüber 2018 um 230 auf 460 Fälle verdoppelt. Im Bereich des Rechtsextremismus stiegen die Zahlen von 112 auf 198, insbesondere im Bereich der Hasskriminalität. Die Polizei geht davon aus, dass dies „zum Teil Ergebnis einer erhöhten, wünschenswerten Sensibilität der Bevölkerung“ sei.

Eine höhere Sensibilität in der Bevölkerung wünscht sich Polizeipräsident Bereswill auch bei den Deliktfeldern Fahrraddiebstahl und Kellereinbrüchen. Die Zahl der gestohlenen Fahrräder nahm 2019 um sieben Prozent auf 4050 zu. Als Ursache sieht Bereswill die höhere Zahl hochwertiger E-Bikes und Pedelecs, die einen Anreiz für Diebe böten. Die Besitzer der Zweiräder könnten hier noch etwas mehr in Sachen Sicherung unternehmen, rät Bereswill. Die Zahl der Einbrüche in Keller hat insbesondere in der Innenstadt zugenommen. Angriffspunkt der Täter seien oft Tiefgaragen, die nach Ein- und Ausfahrt noch kurz offenstünden.

Von Oliver Teutsch

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