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Polizei in Frankfurt setzt auf Drahtesel

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Neue Fahrradstaffel soll vor allen Dingen in Innenstadt, Nordend und Westend kontrollieren

Die sechs neuen Fahrradpolizisten bewiesen gleich mal Stehvermögen. In der prallen Sonne und behelmt standen sie am Dienstag geduldig neben ihren Dienstfahrrädern Spalier, während Polizeipräsident Gerhard Bereswill die Vorzüge der neuen Einheit pries. Künftig sollen Fußgänger und Radfahrer von der Polizei auf Augenhöhe kontrolliert und belehrt werden können.

Die Frankfurter Polizei trägt damit einem Trend Rechnung, der schon seit einigen Jahren zu beobachten ist: Immer mehr Bürger setzen (sich) aufs Fahrrad. Polizeipräsident Bereswill bemühte Zahlen der Technischen Universität Dresden, wonach der Anteil der Frankfurter, die Fahrrad fahren, von 8,3 Prozent im Jahr 2003 auf 19,8 Prozent im Jahr 2018 gestiegen ist. Bei der Polizei ist der Anteil der Radfahrer noch deutlich geringer, aber immerhin sechs Beamte sind künftig mit Fahrradhelm statt Blaulicht unterwegs.

Bundesweit gibt es Polizisten auf zwei Rädern bislang nur in Berlin, Hamburg und Leipzig. Bei den drei Städten holten sich die Frankfurter auch Ratschläge, als sie im vergangenen Jahr mit dem hessenweit ersten derartigen Projekt begannen. Seit Februar sind die drei Streifen „im Wirkbetrieb“ und haben seitdem schon fleißig in die Pedale getreten. Den ersten Leistungsnachweis, den der Leiter der Direktion Verkehrssicherheit, Erik Hessenmüller am Dienstag präsentierte: 3200 Kilometer, 1900 Kontrollen, 1200 Verwarnungen. In den Stadtteilen Innenstadt, Nordend und Westend ist die Wahrscheinlichkeit, auf eine Fahrradstaffel zu treffen am größten. Dort sei der Bedarf für Kontrollen am größten, verriet Hessenmüller.

Die radelnden Polizisten sollen aber nicht nur Knöllchen verteilen, sondern auch präventiv wirken, wie gleich mehrfach betont wurde. Die Verantwortlichen hoffen, dass die Hemmschwelle der Bürgerinnen und Bürger sinke, die Beamten auf dem Fahrrad anzusprechen. Immerhin müssen die dafür keine Scheibe runterkurbeln. Auf eine Verfolgungsjagd mit einem der Uniformierten sollten sich Delinquenten indes nicht einlassen: Die fünf Beamten und eine Beamtin sind gut trainiert und obendrein mit leistungsstarken Pedelecs ausgestattet.

Die Stadtpolizei verfügt bereits seit geraumer Zeit über Fahrradstaffeln. Diese dürften aber ausschließlich den ruhenden Verkehr kontrollieren, betonte Hessenmüller. Gleichwohl werde es enge Absprachen zwischen den Radlern der Stadt- und der Landespolizei bei der Koordinierung von Kontrollen geben, kündigte der Direktionsleiter an.

Bis nächstes Jahr soll das Pilotprojekt laufen, dann wird entschieden, ob die Fahrradstaffel in Frankfurt eine Zukunft hat und personell aufgestockt wird. Polizeipräsident Bereswill geht nach den bisherigen Ergebnissen aber fest davon aus, dass radelnde Polizisten zum Dauerzustand werden.

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