Wer das Handy am Ohr hatte, wurde von der Polizei besonders ins Auge genommen.
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Wer das Handy am Ohr hatte, wurde von der Polizei besonders ins Auge genommen.

Verkehrskontrolle

Eine Sekunde kann entscheidend sein

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
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Im Rahmen der „Safety Days“ kontrolliert die Polizei an der Eckenheimer Landstraße Handyverstöße am Steuer. Dabei geht es nicht nur um Bestrafung, sondern auch um Aufklärung.

Vor dem Parkplatz des Hauptfriedhofes, entlang des Fußweges an der Eckenheimer Landstraße, liegt ein roter Teppich. Er ist 13,66 Meter lang. Exakt die Strecke, die ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde innerhalb einer Sekunde zurückgelegt.

„Wenn man nur eine Sekunde lang abgelenkt ist – zum Beispiel durch sein Handy – kann das fatale Konsequenzen haben“ sagt Carsten Kehr. Kehr ist bei der Frankfurter Fahrradstaffel und, ebenso wie der Teppich, Teil der Verkehrskontrolle, die am Mittwoch auf der Eckenheimer Landstraße durchgeführt wird. Insgesamt sind 23 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz.

Die Kontrolle ist Teil der Roadpol Safety Days, die seit 1999 regelmäßig europaweit stattfinden. Dabei wird stets ein anderer Fokus gesetzt, in diesem Jahr sind es Ablenkungen im Straßenverkehr, insbesondere durch Handys.

Daten und fakten

Die Roadpol Safety Days (vormals Projekt Edward) sind eine Aktion der europäischen Verkehrspolizei Roadpol (vormals Tispol). 2020 finden sie zwischen dem 16. und dem 22. September in ganz Europa statt, zeitgleich zur Mobility Week der Europäischen Kommission. Ziel der Safety Days ist es, die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle durch Aufklärung und Prävention auf Null zu senken. In diesem Jahr lautet das Thema „Ablenkung im Straßenverkehr“. Europaweit sterben durchschnittlich täglich 70 Menschen im Straßenverkehr. Im Frankfurter Stadtgebiet sind im Jahr 2019 18 Menschen im Straßenverkehr tödlich verunglückt, darunter vier Fußgänger und drei Radfahrer. Bei der Kontrolle am 16. September sind an der Eckenheimer Landstraße insgesamt 16 Fahrzeuge und 13 Radfahrende kontrolliert worden. Es wurden 21 Ordnungswidrigkeiten festgestellt, darunter sieben Handyverstöße. hsr

Ein paar Hundert Meter stadteinwärts stehen Polizistinnen und Polizisten am Alleenring; dort werden Verkehrsteilnehmer, die zu schnell sind, geblitzt und solche, die das Handy am Ohr haben, fotografiert. Per Funkspruch wird den Kolleginnen und Kollegen am Hauptfriedhof dann angekündigt, wen sie rauswinken sollen.

Das trifft zum Beispiel den Fahrer eines schwarzen Audis. Er war zu schnell unterwegs und freut sich, dass der Bußgeldkatalog wieder entschärft worden ist. „Das wäre ärgerlich gewesen, wenn ich jetzt meinen Führerschein verloren hätte“, sagt der Fahrer. So bleibt es bei einem Bußgeld, das er an Ort und Stelle bar bezahlt.

Wer mit dem Handy am Steuer erwischt wird, muss 100 Euro Strafe zahlen und bekommt einen Punkt in Flensburg, erläutert René Imhof, der als Verkehrspolizist bei der Kontrolle dabei ist.

Doch bei den heutigen Maßnahmen geht es nicht nur darum, Strafzettel zu schreiben, sondern auch um Aufklärung. Wer wegen Handybenutzung am Steuer herausgewunken wird, wird auch ermahnt. „Wir wollen nicht nur sanktionieren, sondern auch etwas verbessern“, sagt Carsten Kehr. Den Betroffenen wird erläutert, was es mit dem roten Teppich auf sich hat. Und sie erhalten eine Broschüre, auf der es heißt: „Wer am Steuer tippt, vertraut blind auf sein Schicksal.“ Dort steht auch, dass laut Untersuchungen jeder zehnte Verkehrsverstoß auf Ablenkung zurückzuführen ist. Wie viele Unfälle tatsächlich passieren, weil der Fahrende durch das Smartphone abgelenkt ist, ist statistisch nicht erfasst. Die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer aus.

Insgesamt stellt die Polizei bei der Kontrolle an der Eckenheimer Landstraße an diesem Tag sieben Handyverstöße fest, vier bei Fahrzeugen und drei bei Radfahrenden. Carsten Kehr sagt: „Ich glaube, dass die Belehrung einen positiven Effekt hat.“ (Helen Schindler)

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