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Marco Weinthäter in seiner Hobbyuniform.
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Marco Weinthäter in seiner Hobbyuniform.

Porträt

Polizei Frankfurt: Der Wachtmeister der Bienen

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Hauptkommissar Marco Weinthäter summt auf dem Dach des Frankfurter Polizeipräsidiums. Ein Porträt.

Mit einer solchen Ausbeute hätte Marco Weinthäter nicht in seinen kühnsten Träumen gerechnet. Seit Mai kümmert er sich um 150 000 Bienen, die auf dem Dach des Frankfurter Polizeipräsidiums ihr neues Zuhause gefunden haben und dort fleißig Nektar sammeln. Zur Erntezeit Ende Juli verkündete der Hauptkommissar: „Bei einer Ausbeute von mehr als 30 Kilo freue ich mir ein Loch in den Bauch.“ Ob Weinthäter nun tatsächlich gelöchert ist, ist nicht bekannt, aber bei seinen Polizeibienen hat er in der vergangenen Woche rund 100 Kilogramm Honig eingesammelt.

Seinem Hobby geht der 48-Jährige noch gar nicht so lange nach. „Ich bin Jungimker“, sagt er verschmitzt. 2016 hatte ihn ein Freund und Imker aus dem mittelhessischen Ortenberg angesprochen, ob dieses Hobby nicht auch etwas für ihn sei. Und Weinthäter konnte sich für die beruhigende Arbeit sofort begeistern. Mit seinem Freund betreut er seitdem 20 Bienenvölker. Im Kollegenkreis sprach sich sein neues Hobby schnell herum, und einer der Kollegen fragte ihn 2018, ob ein paar dieser Bienen denn nicht auch in Frankfurt auf dem Dach des Polizeipräsidiums stationiert werden könnten. Das Vorbild dafür war die Münchner Polizei, die schon seit einigen Jahren Bienen beschäftigt.

Weinthäter griff die Idee 2019 auf, doch bis er drei Bienenvölker von Ortenberg an den Alleenring umsiedeln konnte, dauerte es noch etwas. Es galt, die Genehmigungen beim Veterinäramt einzuholen und unter anderem die besonderen Arbeitsschutzvorschriften für das Imkern auf dem Dach zu erfüllen. „Im März 2021 habe ich die Bürokratie besiegt“, sagt Weinthäter. Im Kollegenkreis kam der enorme Personalzuwachs auf dem Dach gleich gut an, viele bestellten den ersten Honig beim Kollegen Hauptkommissar schon mal vor.

Nicht nur Honigschlecken

Ungeachtet der Vorbestellungen schwärmten die Bienen in ihrer neuen Heimat erst mal aus. In einem Radius von drei Kilometern rund um das Polizeipräsidium bestreifen sie alles, was blüht. Vor allem auf dem nahen Hauptfriedhof dürften die Bienen fündig geworden sein. „Dort wird nicht gespritzt“, freut sich Weinthäter für „seine Mädels“. Die Begeisterung für sein Hobby und die Bienen ist dem Polizisten, der unter dem Dach im Führungs- und Lagedienst tätig ist, anzumerken: „Bienen haben einen 200- bis 1000-mal besseren Geruchssinn als Hunde.“ Da drängt sich die Polizeibiene fast für die Fahndung auf – „aber die Sommerbiene lebt nur vier Wochen“, gibt der Jungimker zu bedenken. Da wird es schwierig mit der Ausbildung.

Doch mit dem Nektar sammeln hat es prima geklappt. Weinthäter freut sich auf den Honig: „Rapshonig können wir ausschließen.“ Feinschmecker werden wohl eher Kastanie oder Linde herausschmecken.

Aber das Hobby als Imker ist nicht nur Honigschlecken. „Man hat auch eine Verantwortung“, betont der Wachtmeister der Frankfurter Polizeibienen. Alle acht Tage schaut er die Waben einzeln durch, ob sich nicht eine neue Königin eingenistet hat. Zudem muss der Stock vor der gefährlichen Varroamilbe geschützt werden, und im Winter brauchen die Bienen Nahrung, weil man ihnen den angelegten Wintervorrat ja weggenommen hat.

Der Lohn für die Mühen ist nicht nur der Honig, der im Kollegenkreis für einen guten Zweck verkauft werden soll, sondern auch noch positive PR für die Frankfurter Polizei. „Neue Streifenteams der etwas anderen Art“, vermeldete die Pressestelle der Polizei, und auf Twitter gibt es Lob für den „anständigen Freund und Helfer“.

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