Frankfurt

Polizei ermittelt nach tödlichem Unfall gegen Gaffer in Frankfurt

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Mann soll noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte verunglückten Radfahrer fotografiert haben.

Nach einem tödlichen Unfall auf der Eckenheimer Landstraße sucht die Polizei noch Zeugen zur genauen Klärung des Unglücks. Ein Lastwagenfahrer hatte am Dienstag kurz nach 13 Uhr einen Radfahrer erfasst. Der 77-Jährige starb noch am Unfallort. Nach Zeugenaussagen hatte er selbst abbiegen wollen und war dabei gestürzt. Unklar ist nach Polizeiangaben bislang noch, ob der Radfahrer vor dem Sturz von dem Lastwagen erfasst wurde oder ob er ohne Berührung zu Fall kam. Zeugen werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 069 / 755 112 00 an das ermittelnde 12. Polizeirevier zu wenden.

Die Arbeit der Polizei wurde am Dienstag von zahlreichen Schaulustigen behindert, die mit ihren Smartphones auch Fotos von dem Opfer machten. Andere Passanten forderten die Gaffer auf, dies zu unterlassen.

In einem Fall nahm die Polizei die Personalien eines Gaffers auf. Der Mann soll noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte Bilder von dem verunfallten Radfahrer gemacht haben. Sein Handy zu zücken und Bilder zu machen, anstatt Erste Hilfe zu leisten, bezeichnete ein Polizeisprecher als „besonders verwerflich“. Die Polizei prüft nun, inwieweit der Gaffer rechtlich belangt werden kann.

Erst in der vergangenen Woche hatte die Polizei auf ihre „Arbeitsgruppe Gaffer“ hingewiesen. Die Expertengruppe entwickelte einen Leitfaden für Polizisten im richtigen Umgang mit Gaffern, denen die Verwerflichkeit ihres Handelns und die möglichen rechtlichen Konsequenzen aufgezeigt werden sollen. Das Fotografieren von Opfern kann laut Paragraf 201a Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet werden. Allerdings schützt das Gesetz „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“ bislang nur lebende Personen. Eine Gesetzesinitiative, die bislang noch nicht verabschiedet ist, sieht nun aber vor, auch das Fotografieren von tödlich verunglückten Menschen unter Strafe zu stellen.

Womöglich könnte der dreiste Gaffer in der Eckenheimer Landstraße aber auch wegen unterlassener Hilfeleistung belangt werden. Auch dies ist eine Straftat und kann mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft werden.

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