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Unglückliche Interview-Aussagen von Peter Fischer führten zum Polizeieinsatz.

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Völlig überzogene Durchsuchung in Frankfurt

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Für die Ultras gehören Bengalos zum Fußball. Doch die aktuelle Durchsuchung im Vorfeld des Eintracht-Spiels war völlig überzogen. Unser Kommentar.

Eines vorweg: Die Stimmung im Frankfurter Stadion war am Donnerstag grandios. Wie die Eintracht über 90 Minuten angefeuert wurde, wie die Fankurve den Takt vorgab – das alles war beeindruckend und der Grundstein für die Leistung der Mannschaft. Nach dem Polizeieinsatz vor dem Spiel und der abgesagten Choreographie hatten viele Zuschauer die Befürchtung, die Ultras könnten aus Frust und Protest die Unterstützung einstellen. Das taten sie nicht, im Gegenteil. Die größte und wichtigste Fangruppe in Frankfurt ist ihrer Verantwortung am Donnerstagabend gerecht geworden.

Das kann man von der Polizei nicht sagen. Die Annahme, ein (in der Tat sehr unglückliches) Interview eines Vereinspräsidenten könne dazu führen, dass im Stadion massiv Pyrotechnik gezündet werde, ist absurd. So absurd, dass der Verdacht naheliegt, die Polizei habe nur auf einen Vorwand gewartet, um die Kurve durchsuchen zu können. 

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Richtig ist, dass für die Ultras Bengalos zum Fußball dazugehören. Deshalb wird Pyrotechnik in der Fanszene immer ein Thema bleiben. Für eine Durchsuchung aber braucht es einen konkreten Anlass – und viel mehr als ein TV-Interview. Völlig überzogen war auch die Sicherstellung des Transparents. Die Wortwahl ist geschmacklos, der Inhalt unverständlich – aber sucht man deswegen die Auseinandersetzung mit Fans? In zumindest einem Fall wird die Polizei im Übrigen (hoffentlich) demnächst gegen einen ihrer Beamten ermitteln. Auf einem Youtube-Video ist ein Übergriff der üblen Sorte zu sehen.

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Und der Innenminister? Der will über die einzelnen Maßnahmen nicht informiert gewesen sein. Das klingt wenig plausibel, wobei es auch nicht gänzlich unwahrscheinlich ist, dass die Polizei in vorauseilendem Gehorsam hart durchgreift. In jedem Fall dürfte die ganze Angelegenheit Peter Beuth prima ins Konzept passen. Über Pyrotechnik, böse Fans und verantwortungslose Fußballfunktionäre redet er bekanntlich deutlich lieber als etwa über Rechtsradikale bei der Polizei.

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