Kulturcampus Frankfurt

Poker um „Zentrum der Künste“

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Die Stadt will, dass das Land Hessen sich an dem Millionenprojekt beteiligt.Verhandlungen beider Seiten am 10. Dezember in Wiesbaden.

Bei einem vertraulichen Spitzentreffen am 10. Dezember zwischen Land und Stadt soll die Entscheidung darüber fallen, ob beide Seiten den Kulturcampus in Frankfurt-Bockenheim gemeinsam entwickeln. Bürgermeister Uwe Becker (CDU) und Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) kommen mit der hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn (Grüne), zusammen. Ein Knackpunkt wird das Geld sein: Die Stadt drängt darauf, dass sich das Land an der Finanzierung des geplanten „Zentrums der Künste“ beteiligt.

In diesem Zentrum auf dem alten Universitätscampus in Bockenheim sollen künftig Frankfurter Kulturinstitutionen von Weltrang unter einem Dach zusammengefasst werden – darunter das Ensemble Modern und die Dresden Frankfurt Dance Company. Dieser Gebäudetrakt soll nach dem Willen von Stadt und Land baulich mit der neuen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) verzahnt werden.

Hartwigs Referent Julius Reinsberg sagte der FR, die Stadt werde in dem Gespräch mit der Ministerin darauf verweisen, dass die Institutionen des „Zentrums der Künste“ sowohl vom Land wie auch von der Stadt finanziert würden. „Deshalb sollte das ’Zentrum der Künste‘ auch von beiden gefördert werden.“

HfMDK-Präsident Elmar Fulda hatte am 8. Mai 2019 im Interview mit der FR die Kosten des Zentrums auf 60 Millionen Euro beziffert. Referent Reinsberg sagte dazu, er halte diese Zahl jetzt nicht mehr für belastbar, weil im Auftrag der Stadt mittlerweile ein detailliertes Raumprogramm erstellt worden sei. Er wollte aber keine andere Zahl nennen.

Die beiden renommierten Frankfurter Architekturbüros D. W. Dreysse und Tektonik-Architekten haben gemeinsam ein Raumprogramm erarbeitet, in dem das „Zentrum der Künste“ über eine Nutzfläche von etwa 9700 Quadratmetern verfügen würde.

Diese Räume würden in die benachbarte Hochschule übergehen, deren Flächenbedarf Präsident Fulda im FR-Interview auf 14 000 Quadratmeter beziffert hatte. So könnte es einen gemeinsamen Campus und etwa eine gemeinsame Kantine geben.

Im nächsten Schritt wollen sich Land und Stadt am 10. Dezember erst einmal auf einen gemeinsamen Architektenwettbewerb für Hochschule und Zentrum verständigen. Allerdings ist es immer noch ein weiter Weg bis hin zu beiden Neubauten. Denn der Zeitpunkt, zu dem die Goethe-Universität endlich ihren alten Campus in Bockenheim räumen will, verschiebt sich derweil immer weiter nach hinten.

Im Jahr 2010 hatte die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) noch gehofft, bereits 2016 werde der Kulturcampus vollendet sein. Jetzt geht die Stadt davon aus, dass die Universität erst 2023 den Campus endgültig räumen wird. Ein Grund ist die stetig wachsende Zahl der Studierenden. Erst nach 2023 könnte das heutige Hochhaus des Juridicums abgerissen werden, auf dessen Grundstück Hochschule und „Zentrum der Künste“ dann gebaut werden könnten.

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