Freunde: Gert Trinklein und die FDP-Fraktionschefin Annette Rinn am Wahlabend 2016 im Römer.
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Freunde: Gert Trinklein und die FDP-Fraktionschefin Annette Rinn am Wahlabend 2016 im Römer.

Fußballer und Politiker

Pokalheld und Gentleman

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Der frühere Eintracht-Profi, Geschäftsmann und FDP-Politiker Gert Trinklein ist im Alter von 68 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Es ist erst ein paar Wochen her, da stand Gert Trinklein noch einmal im Mittelpunkt. Die Eintracht, seine große Liebe, spielte im Finale um den DFB-Pokal, und der frühere Verteidiger musste in den Tagen zuvor wieder und wieder erzählen, wie es damals war, 1974, als der Verein erstmals die Trophäe gewann. Trinklein hielt seinerzeit hinten die Abwehr zusammen und hatte von Trainer Dietrich Weise die strikte Anweisung, nicht über die Mittellinie zu gehen. In der 40. Minute widersetzte er sich. „Ich bin einfach losgelaufen mit dem Ball, mit Ratio war das nicht zu erklären“, erzählte er unlängst in seinem letzten Interview mit der Frankfurter Rundschau. Trinklein legt also ein feines Solo hin und schloss zum 1:0 ab. Dieses Tor war der Grundstein zum Pokalsieg gegen den Hamburger SV.

Am 27. Mai dieses Jahres, als die Eintracht-Spieler, die seine Enkel hätten sein können, im Finale gegen Dortmund 1:2 verloren, war Trinklein nicht im Berliner Olympiastadion. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass es ihm schon damals sehr schlecht ging. Seit 2011 litt er an Leukämie. In der Nacht auf Mittwoch ist er im Alter von 68 Jahren gestorben, wie die FDP-Fraktion im Römer am Donnerstag mitteilte.

Die Freidemokraten waren für Trinklein eine zweite Heimat geworden. Der Mann, der in den 70er Jahren in einem Fragebogen der „Abendpost Nachtausgabe“ als politische Richtung einfach nur „links“ angab, saß seit 2006 für die FDP im Stadtparlament und kümmerte sich um die Themen Umwelt und Sport. Dabei hatte er seine ganz eigene Art, Politik zu machen.

Selten, ganz selten nur wurde Trinklein laut. Kämpferische Reden zu halten, war seine Sache nicht. Trinklein wirkte im Hintergrund, er brachte Leute zusammen, entwickelte Ideen, wie sich Probleme lösen lassen. Nicht unbedingt mit Anträgen im Römer. Den überwiegenden Teil seiner Zeit im Parlament verbrachte Trinklein in der Opposition, deren Vorlagen in der Regel reflexhaft abgelehnt werden. Der FDP-Mann wusste das und ging ganz pragmatisch andere Wege. Er vermittelte Vereinen, die um Kunstrasenplätze und neue Umkleiden kämpfen, etwa einen direkten Draht zu Sportdezernent Markus Frank (CDU), der wiederum sehr von Trinkleins Wissen und seinen Kontakten profitierte.

Für Hinterfotzigkeit fehlte dem Politiker das Talent

Im Rückblick auf mehr als zehn Jahre Römer-Politik könnte man schreiben, Trinklein habe nie den Drang gehabt, unfair oder unehrlich zu agieren. Aber das wäre nur die halbe Wahrheit. Der Politiker konnte es schlichtweg nicht. Für Hinterfotzigkeit fehlte ihm jedes Talent. Manchmal wirkte er, der Gentleman in Reihen der FDP, fast ein wenig aus der Zeit gefallen in der mitunter rauen Welt der Kommunalpolitik. Während um ihn herum über alle möglichen Leute gelästert wurde, während Taktiken für die Sitzung festgelegt wurden, um die eigene Position zu stärken und den politischen Gegner zu schwächen, schritt Trinklein, stets gut gekleidet, durch den Plenarsaal, begrüßte Kollegen und Journalisten freundlich, hielt mit jedem einen kurzen Plausch und setzte sich dann gut gelaunt auf seinen Platz neben Fraktionschefin Annette Rinn. Das hatte etwas Anrührendes.

Trinklein hatte es einfach nicht nötig, sich zu verbiegen, um Karriere zu machen. Als Fußballer war er berühmt geworden, als Geschäftsmann hatte er gutes Geld verdient. Warum sollte er – wie der Rest seiner Fraktion – gegen den Bau der DFB-Akademie stimmen, obwohl er doch dafür war? Also votierte er in namentlicher Abstimmung für den Fußball und gegen den Pferdesport. Annette Rinn war ihm darob nicht böse. Die Fraktionsvorsitzende wusste zweierlei: „Der Gert“, wie sie ihren Stellvertreter voller Hochachtung nannte, macht ohnehin sein Ding. Aber im Zweifel ist auf ihn Verlass. Hundertprozentig.

Die FR nannte Trinklein einst das „prominente Aushängeschild“ seiner Fraktion. Das war nicht fies oder abwertend gemeint, denn der Stadtverordnete hatte ja durchaus seine Themen. So kämpfte er etwa gegen die Aufforstung des Parkplatzes an der Isenburger Schneise, weil er sich um Eintracht-Fans sorgte, die mit dem Auto anreisen. Aber natürlich war Trinkleins politische Laufbahn geprägt von seiner Popularität als Fußballer.

Von 1969 bis 1978 bestritt der gebürtige Frankfurter 230 Bundesliga-Spiele für die Eintracht. Anschließend wechselte er zu Kickers Offenbach, was ihm die Eintracht-Fans aber nicht übel- nahmen. Zumal er für den Rivalen von der anderen Mainseite ohnehin nur sechs Partien absolvierte. Anschließend ging er für ein Jahr in die USA. In 56 Spielen trat er für Dallas Tornado gegen den Ball.

Sein Spitzname war „Schoppe-Gert“

Gert Trinklein spielte Fußball zu einer Zeit, als sich Profis noch erlauben konnten, unter der Woche das eine oder andere Glas Apfelwein zu trinken. Davon machte er reichlich Gebrauch, was ihm den Spitznamen „Schoppe-Gert“ einbrachte. Zudem war er selbst in der Gastronomie tätig und führte bis zuletzt die Restauration im Brentanobad. Zugleich machte er sich mit der Ausrichtung des Frankfurter Hallenfußballturniers einen Namen.

Immer im Herbst lädt die FDP-Fraktion die Römer-Berichterstatter der Frankfurter Zeitungen zum herbstlichen Gänseessen ein. Gert Trinklein mochte den Termin sehr. Das war seine Welt. Bei Gans und einem guten Glas Wein erzählte er aus seinem Leben, von den beiden Pokalsiegen mit der Eintracht und seinen Ideen, den Sport in Frankfurt zu fördern. Im vorigen Herbst war er schon sehr dünn geworden, die Haare hatte der Ex-Sportler, der in den 70er Jahren mit einer für die Zeit typischen Mähne spielte, längst verloren. Noch vor dem Nachtisch verabschiedete er sich. Trotzdem ahnte damals noch niemand, dass es Gert Trinkleins letztes Gänseessen mit Journalisten sein würde.

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