Die U-Bahn auf der Eschersheimer Landstraße, hier Höhe Haus Dornbusch, ist nicht schön, aber praktisch.
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Die U-Bahn auf der Eschersheimer Landstraße, hier Höhe Haus Dornbusch, ist nicht schön, aber praktisch.

Lokalpolitik

Podiumsdiskussion würdigt die Arbeit der Frankfurter Ortsbeiräte

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Stadtteilgremien haben direkten Draht zu den Menschen. Sie sind das Bindeglied zur Verwaltung.

Es ist ein Gegensatz. Draußen, auf dem Römerberg, stellen, zusätzlich zum üblichen Gewusel, helfende Hände Wellenbrecher auf. Die sollen die Zehntausende bremsen, die bei einem möglichen Eintrachtsieg feiern wollen. Drinnen, im Plenarsaal des ehrwürdigen Frankfurter Rathauses, geht es beschaulicher zu. Das Büro der Stadtverordnetenversammlung hat zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „50 Jahre Ortsbeiräte“ eingeladen. Rund 50 Gäste verteilen sich im Saal. Das Event war unter Berücksichtigung der Pandemie geplant. Damit man nicht wieder alle ausladen muss, wenn sich etwas an den Bedingungen ändert.

Es kommt dennoch ein illustrer Kreis zusammen: Auf dem Podium diskutieren vier aktuelle Ortsvorsteherinnen und -vorsteher und ein Ehemaliger mit Moderatorin Simone Wagenhaus, eine der beiden Leiterinnen der Lokalredaktion der „Frankfurter Neuen Presse“. Im Publikum lauter bekannte Gesichter, Ortsälteste, aktuelle und ehemalige Ortsvorsteherinnen und -vorsteher, ihre Vizes, ein paar Magistratsmitglieder sowie Stadtverordnete.

Vielleicht können die genannten Gegensätze auch sinnbildlich stehen für die Arbeit der Ortsbeiräte. Seit 50 Jahren schreiben sie unermüdlich Anträge, liefern der Stadtverordnetenversammlung seismografisch Einblicke in die Stimmung vor Ort, hören sich geduldig die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger an, investieren einen Großteil ihrer Freizeit in das Ehrenamt. Um sich „für das Gemeinwohl zu engagieren“, wie Werner Skrypalle (SPD) sagt. Und der Ertrag? Ist nicht immer zufriedenstellend.

Nicht nur Skrypalle ist „etwas ernüchtert“ darüber, wie weit der Einfluss der Ortsbeiräte reicht. Jörg Harraschain, Ur-Grüner aus dem Nordend, wünscht sich zum Beispiel einen größeren Etat für die Ortsbeiräte, von derzeit 50 Cent pro Einwohner:in im Ortsbezirk würde er die Summe auf zwei Euro pro Kopf anheben. Susanne Serke (CDU) aus dem Frankfurter Westen freut sich schon, wenn die Stadt Anfragen und Anträge zeitig beantwortet.

Gleichwohl ist die Arbeit der 284 Ortsbeiräte in 16 Ortsbezirken unverzichtbar für die Stadt. Das stellt Hilime Arslaner (Grüne) in ihrer Begrüßung heraus. Der Plenarsaal im Römer mag das Herzstück der Frankfurter Demokratie sein, sagt die Stadtverordnetenvorsteherin. Die Basis aber, die bilden die Ortsbeiräte. „Sie sind der direkte Draht zu den Bürgerinnen und Bürgern, das Bindeglied zwischen Stadtparlament Verwaltung zu den Menschen in den Stadtteilen.“

Es ist auch nicht alles schlecht. Die vereinzelten Dankeschöns, sagt Wera Eiselt (Grüne), machen einige der Mühen wieder wett. Und: „Es ist schön, etwas zu erreichen.“ Nicht nur meckern wolle man, sondern „gestalten“, sagt Susanne Serke. Die Themen haben sich über die Jahre kaum gewandelt. Oft geht es um Infrastruktur. So wünscht sich Friedrich Hesse (CDU) einmal mehr, dass die Stadt sich eine Lösung für die U-Bahnführung auf der Eschersheimer Landstraße ausdenken möge.

Die Trasse zerschneide die Stadtteile räumlich, auch klanglich. Wer im Café draußen sitzt, müsse alle 90 Sekunden sein Gespräch unterbrechen, weil ein Zug vorbeirollt. Es brauche nicht die ganz große Lösung (Tunnel). „In Frankreich fahren Straßenbahnen auf Gummirollen, die kaum Lärm machen und ohne Oberleitung, wie eine Carrera Bahn.“

Wunsch des Podiums ist auch, dass die Menschen in der Stadt mehr von der Arbeit der Ortsbeiräte erfahren. Eine Idee dafür: Ortsvorsteherinnen und -vorsteher müssten öfter an Schulen präsent sein und berichten.

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