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Nils Bremer leitet seit Mitte 2018 das OB-Büro.

Politik

Plötzlich mitten im Frankfurter Koalitionskrach

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Der Streit um die Neujahrsbotschaft des Oberbürgermeisters dreht sich vor allem um dessen Büroleiter Nils Bremer. Dabei passt die Auseinandersetzung nicht zu ihm.

In allen Einzelheiten lässt sich der Streit nicht mehr nachvollziehen. Zumal Nils Bremers Facebook-Account am Montag zumindest für die breite Öffentlichkeit nicht erreichbar ist. Über das soziale Netzwerk hatte der Leiter des Büros von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) über Silvester heftige Auseinandersetzungen geführt – allen voran mit Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU).

In der Kontroverse geht es ums Neujahrsgrußwort des Oberbürgermeisters. Der Text ist gar nicht besonders aufregend. Feldmann weist darauf hin, dass viele Menschen nachziehen und an jeder Ecke gebaut wird. Er geht auf die Sanierung der Paulskirche ein und erwähnt den Radentscheid sowie ein paar soziale Errungenschaften wie den (allerdings schon 2018) beschlossenen Wegfall der Gebühren für Kindergartenplätze. So weit, so unaufgeregt. Und doch wurde die Neujahrsbotschaft zum Zankapfel zwischen Stadtverordnetenvorsteher und Oberbürgermeister. Im Mittelpunkt des Streits stand: Nils Bremer.

Normalerweise nämlich veröffentlichen OB und Stadtverordnetenvorsteher ihre Neujahrswünsche in einem gemeinsamen Grußwort. Warum es diesmal nicht dazu kam, darüber gibt es verschiedene Ansichten. In Kurzform: Siegler sagt, der ihm von Feldmanns Büro vorgelegte Text sei unsäglich gewesen, es habe auch keine Bereitschaft gegeben, ihn zu ändern, deshalb habe er keine Freigabe erteilt. Das wollte Bremer so nicht stehen lassen und holte auf Facebook zum Gegenschlag aus. Tenor: Es wäre überhaupt kein Problem gewesen, einen gemeinsamen Text zu erstellen, Siegler habe daran nur kein Interesse gehabt. Und so ging es hin und her und her und hin – nur nachzulesen war das zumindest am Montag nicht mehr.

Auseinandersetzung sagt einiges über Bremer aus

Man mag in der Auseinandersetzung glauben, was man will: Vor allem sagt sie einiges über Nils Bremer aus. Der 41-Jährige, der die Leitung des OB-Büros Mitte 2018 übernommen hat, ist alles andere als konfliktscheu. Wirkten die meisten seiner Vorgänger eher im Hintergrund und konzentrierten sich auf die Organisation des Büros, kämpft Bremer für seinen Chef – und in dem Fall des Grußwortes auch für sich, denn Sieglers Kritik richtete sich auch gegen ihn persönlich.

Nun ist Bremer niemand, der die Öffentlichkeit suchen würde. 14 Jahre arbeitete der Journalist für das „Journal Frankfurt“, neun davon als Chefredakteur. Als Selbstdarsteller, wie es einige in der Branche gibt, fiel er nie auf. Bremer war der sympathische Kollege, der sich selten vordrängte, um bei Pressekonferenzen die erste Frage zu stellen. Doch allzu viel Zurückhaltung wird er im Römer auch in diesem Jahr nicht üben können. Dafür ist das Klima zwischen CDU und SPD zu schlecht geworden. Spätestens seit der AWO-Affäre haben sich die Christdemokraten auf Bremers Chef eingeschossen.

Die Strategie, mit der Feldmann versuchte, die Vorwürfe gegen sich und seine Frau zu entkräften, war hundsmiserabel. Von Bremer entworfen war die Taktik nicht, lange zu schweigen und dann (nach einem Exklusivinterview in der „Bild“) ausgewählten Journalisten Hintergrundgespräche zu gewähren. Er selbst würde das nicht bestätigen, dazu ist er zu loyal gegenüber Feldmann und den übrigen Beratern. Doch wer Bremer bei besagten Gesprächen erlebt hat, kann zu keinem anderen Schluss kommen. Schweigsam saß er da, während er angetwittert wurde von (zu Recht) wütenden Reportern, die nicht kommen durften und im Foyer des Römers warteten.

In dieser Woche ist Nils Bremer im Winterurlaub. Dass es nach seiner Rückkehr allzu harmonisch zugehen wird im Römer ist eher nicht zu erwarten.

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