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Harry Eisenkopf und sein junger Nachfolger.

Portrait

Platzwart des Frankfurt-Marathon

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Harry Eisenkopf gibt mit blauer Farbe die Ideallinie über 42,195 Kilometer vor. Mit dem Einsatz am Sonntag endet Eisenkopfs 20-jähriges ehrenamtliches Engagement.

Er ist so etwas wie der Platzwart des Frankfurt-Marathons. Seit 1999 ist Harry Eisenkopf dafür verantwortlich, dass die Läufer auf den 42,195 Kilometern nicht vom rechten Weg abkommen. Mit einem kleinen Handwagen und blauer Farbe ist er in den Wochen vor dem Marathon unterwegs, um die Ideallinie auf den Asphalt zu sprühen. „Man muss schon etwas Feingefühl haben“, sagt der 64-Jährige. Denn die Läufer schneiden die Kurven an und sollen durch die blaue Linie ja nicht dazu verleitet werden, mehr Meter zu laufen, als ohnehin schon notwendig. Da hilft es, wenn man selbst Läufer ist, und das ist Eisenkopf.

Eisenkopf kommt vom OSC Hoechst, jenem Laufverein, der den Frankfurter Marathon einst in den 80er Jahren ins Leben rief. 1999 sprach ihn ein Vereinskamerad an, ob er ihm nicht bei der Markierung der Strecke helfen könne. „So hat das seinen Lauf genommen“, erinnert sich Eisenkopf. Der Unterliederbacher ist in seinem Leben mehr als 100 Marathons gelaufen, Ultramarathons hat er ebenfalls bestritten, und selbstverständlich war er auch in Frankfurt mehrmals dabei. „Früher habe ich samstags noch auf der Strecke gearbeitet und bin sonntags mitgelaufen.“

Doch im Laufe der Jahre wurden die Anforderungen an die Strecke immer größer, und mittlerweile ist Eisenkopf auch am Sonntag noch als ehrenamtlicher Helfer im Einsatz. Die Arbeit beginnt für ihn etwa drei Wochen vor dem Marathon. Dann wird auf dem ersten Teilstück von etwa zehn Kilometern die blaue Farbe aufgetragen. Mit seinem Wägelchen auf drei luftgepolsterten Rädern zockelt Eisenkopf zu Fuß über die Strecke. „Der Wagen hat eine Vorrichtung wie die Bremse beim Fahrrad. Wenn ich daran ziehe, wird Farbe gesprüht.“ Auf geraden Abschnitten passiert das etwa alle 20 Meter, in den Kurven trägt er mehr Farbe auf, um die Ideallinie anzuzeigen. Bei verkehrstechnisch heiklen Abschnitten wie in der Taunusanlage, der Neuen Mainzer Straße oder der Mainzer Landstraße erhält Eisenkopf Unterstützung von der Stadtpolizei.

Am heutigen Samstag wird es richtig ernst. Eisenkopf ist mit der Schildertruppe unterwegs, um die 42 Kilometerschilder aufzustellen. Seine letzte Amtshandlung nimmt er am Sonntag, 20 Minuten vor Beginn des Marathons, vor. „Das ist die sogenannte Flagge Gelb, gemeinsam mit der Polizei“, sagt Eisenkopf. Alle Hinweisschilder werden ausgerichtet und auf die Straßen gestellt, die zu diesem Zeitpunkt schon gesperrt sind.

Mit dem Einsatz am Sonntag endet Eisenkopfs 20-jähriges ehrenamtliches Engagement. Der 64-Jährige will Jüngere ranlassen. Denn kilometerlang hinter dem Wägelchen herzulaufen, ist nicht ohne. „Da werden einem die Füße schwer“, gesteht Eisenkopf, der „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ aufhört. Einen jüngeren Kollegen, der die Aufgabe übernehmen wird, hat er schon angelernt.

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