Niederrad

Auf dem Platz sind alle gleich

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Beim Integrations-Fußballturnier der hessischen Suchtselbsthilfe "die Fleckenbühler" geht es um mehr als nur ums Gewinnen.

Erstaunlich still geht es beim fünften Integrations-Fußballturnier zu, organisiert von der hessischen Suchtselbsthilfe „die Fleckenbühler“. Auf zwei Kleinfeldern des Kunstrasenplatzes des FC Union Niederrad werden gleichzeitig Spiele ausgetragen, doch die ansonsten fast schon obligatorischen Beschwerden über Schiedsrichterentscheidungen oder gar unschöne Fouls fehlen hier völlig. Denn im Mittelpunkt steht bei diesem Turnier nicht das Siegen, sondern das „Wir-Gefühl sowie Fairplay“, wie Ludwig Seidler, Geschäftsführer des Haus Frankfurt der Fleckenbühler und Mitorganisator des Fußballturniers, erzählt.

Insgesamt zwölf Teams sind beim Turnier vertreten. Gleich drei Mannschaften stellen die Fleckenbühler, dazu kommen der Verein für technische Berufsausbildung Offenbach, das Jugendzentrum Gutleut, eine Gruppe Geflüchtete aus Niederrad sowie Mitarbeiterteams von Puma aus Herzogenaurach und Volkswagen Frankfurt. „Die Idee hinter dem Turnier“, erläutert Seidler, „ist Teams sozial benachteiligter Gruppen mit Teams nicht benachteiligter Gruppen“ zusammenzubringen. „Und wo sonst, außer beim Sport gelingt das so einfach?“ Fragt Seidler.

Darüber hinaus geht es darum, Werbung für die Arbeit des Vereins „die Fleckenbühler“ zu machen, wie Johannes Heckmann, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, berichtet.

An drei Standorten in Hessen, dem Haus Frankfurt in Niederrad, dem Hof Fleckenbühl in der mittelhessischen Gemeinde Cölbe und der Jugendhilfe Haus Leimbach in der Gemeinde Willingshausen ist der Verein vertreten. Insgesamt leben und arbeiten etwa 200 Menschen mit Suchtproblemen bei den Fleckenbühlern. Sie haben sich an den Verein gewandt, um „künftig ein Leben ohne Alkohol, Drogen und Gewaltanwendung“ zu führen, so Heckmann.

Das Besondere an der Arbeit des Vereins ist, dass sie nicht von speziell für diesen Bereich ausgebildeten Sozialarbeitern und Psychologen betrieben wird, sondern als eine Selbsthilfeorganisation funktioniert und Menschen wie Seidler und Heckmann selbst ehemals Betroffene von Suchtproblemen sind.

Gute Erfahrungen gemacht

Während einer Pause sitzen die Mittzwanziger Paul und Lukas vom Team Hof Fleckenbühl in der herbstlichen Mittagssonne am Spielfeldrand. Beide loben die Erfahrungen, die sie in den vergangenen Jahren mit dem Verein gemacht haben. Sie erzählen davon, dass man in verschiedenen Betrieben, etwa einer Bäckerei oder einer Umzugsfirma, die zum Verein gehören, eine Ausbildung absolvieren, seinen Führerschein machen oder einen Schulabschluss nachholen kann.

Dass die Arbeit gemeinsam mit ehemals Betroffenen von Suchtproblemen stattfindet, hebt Lukas als geeignetes Konzept hervor. „Denn die haben ähnliche Erfahrungen wie man selber gemacht, weswegen du denen auch nichts vormachen kannst“, sagt Lukas. Auch für seinen Teamkollegen Paul stellt das Leben mit den Fleckenbühlern, „ganz einfach ein gutes Sprungbrett dar, um wieder aus den mit der Sucht verbundenen Problemen herauszukommen.“

Positive Worte findet abschließend auch Matthias Bäumer, Geschäftsführer des Sportartikelherstellers Puma, der den Gedanken des Integrations-Fußballturniers für „absolut unterstützenswert“ hält und die „tolle Arbeit, die der Verein auch hier im Stadtteil macht“, lobt.

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