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Der 18-jährige Sven Rühl hat in der Nordweststadt schon Räume  für das Jugendzentrum im Blick.

Niederursel

Outing Blog: Ein Ort zum Reden

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Der Verein Outing Blog will ein Jugendzentrum für queere Jugendliche in der Nordweststadt eröffnen. Die Stadt meldet finanzielle Bedenken an.

Jugendliche haben viele Fragen und Sorgen: Der erste Kuss, wie schütze ich mich beim Sex, soll ich mich outen, werde ich gemobbt, weil ich schwul bin? Das Team von Outing Blog gibt auf seiner Internetseite Antworten, berät und versucht zu helfen - so gut das über Mails eben geht. „Wir sagen Dinge, die keiner aussprechen will und die sich keiner traut“, sagt Sven Rühl, der den Verein vor eineinhalb Jahren gründete.

Zielgruppe ist die sogenannte LGBTQ+ Community. Also schwule, lesbische, bisexuelle, transsexuelle, transgender, queere, asexuelle oder intersexuelle Menschen. Gerne würden Rühl und sein Team mit den Jugendlichen direkt Kontakt haben. Dafür möchte der 18-Jährige ein Jugendzentrum eröffnen, in der Nordweststadt.

Ein Gebäude hat der Verein schon im Blick, es müsse aber noch fertig gebaut werden. Neben der Ernst-Reuter-Schule stünden Räume leer. Unten könnte das Zentrum einziehen, darüber ließen sich günstige Wohnungen für junge Menschen einrichten. Aber ohne finanzielle Unterstützung sei das nicht möglich. „Wir haben schon bei der Stadt und bei Firmen angefragt“, sagt Rühl. Ohne Erfolg.

Mithelfen
Wer die Petition  des Vereins, die ein Jugendzentrum in der Nordweststadt fordert, unterzeichnen will, findet sie unter openpetition.de, einfach nach Jugendzentrum Frankfurt suchen.

Auf der Website  outingblog.de gibt es unter anderem eine Kummerbox, mit der man seine Probleme teilen kann.

Der Verein  freut sich über Ehrenamtliche, die mit unterschiedlichen Aufgaben unterstützen wollen. (jkö)

In der Nordweststadt und den angrenzenden Vierteln gebe es mehrere Einrichtungen für Jugendliche, auch für Ältere, sagt Manuela Skotnik, Sprecherin des Sozialdezernats. Etwa den Jugendclub „Kleines Zentrum“ oder das Jugendbüro Nordweststadt. Speziell für Jugendliche der LGBTQ+ Community setzte sich das Jugendzentrum „Kuss41“ an der Konstablerwache ein. Im Haushalt stünden nur begrenzt Mittel für die Jugendarbeit zur Verfügung. Da müsse man genau abwägen und möglicherweise eher Quartiere unterstützen, wo es noch nichts gibt.

Sven Rühl: Queere Jugendliche brauchen sichere und ungezwungene Räume

Genannte Einrichtungen hat sich Rühl bereits angeschaut, aber deren Programm spreche eher Jüngere an. Und die Atmosphäre im Kuss 41 habe ihn nicht überzeugt. Nun wendet sich Outing Blog in einer Internet-Petition direkt an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Noch 66 Tage hat der Verein Zeit, 4000 Unterschriften zusammenbekommen. Der Bedarf für ein Zentrum sei auf jeden Fall da, sagt Rühl, der nebenbei in der Ernst-Reuter-Schule als Betreuer arbeitet. „Wir haben rund 700 Schüler befragt, fast alle fänden es eine gute Idee.“

In den Räumen sollen sich die Jugendlichen ungezwungen treffen können, weg von der Straße, vom Alkohol, Drogen, rein in den Spaß, heißt es in dem Aufruf. Drei- bis viermal die Woche nachmittags soll der Treffpunkt geöffnet sein. Ausflüge sollen unternommen, Projekte veranstaltet und gefeiert werden.

Die Idee für den Verein kam Rühl, der sich vor sechs Jahren outete, weil er die Dringlichkeit sieht. Denn viele queere Menschen hätten es immer noch schwer, müssten sich dumme Kommentare anhören. Werden im Job oder in der Schule gemobbt. Vor allem Lehrer könnten mehr tun, wünscht sich Rühl. Aufklären über unterschiedliche Sexualitäten etwa. Der zwölfköpfige Verein, gibt selbst Workshops zu Homophobie, Sexualität oder Coming Out. Die Mitglieder zwischen 18 und 26 Jahren sind selbst trans-, homo-, hetero oder asexuell.

Viele Jugendliche wollen ihre Probleme aber nicht mit Lehrern und Eltern besprechen. Darum habe Outing Blog die Carebox auf der Internetseite eingerichtet, sagt Rühl, der gerade seinen Realschulabschluss mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik, nachholt. Seit November haben sich mehr als 1200 Menschen aus ganz Deutschland mit ihren Problemen an sie gewandt. Eine Psychologin und ein Sozialpädagoge schreiben zurück, beraten und geben Tipps.

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