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Platon multimedial

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Von: Meike Kolodziejczyk

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Projektion und Präsenz, Bild und Bühne: Göttinnen verhandeln die Werte und Ideale der Gesellschaft. Eike Walkenhorst
Projektion und Präsenz, Bild und Bühne: Göttinnen verhandeln die Werte und Ideale der Gesellschaft. Eike Walkenhorst © Eike Walkenhorst

Die Video- und Performance-Künstlerin Ayla Pierrot Arendt zeigt eine multimediale Revision der „Politeia“ am Frankfurter Mousonturm

Gaia, die Mutter Erde, ist tot. Im Schatten des Chaos treffen sich fünf Göttinnen, um zu verhandeln, wie es nun weitergehen soll auf der Welt. Vom Olymp herab gestiegen sind Hera, Aphrodite, Demeter und Athene, zudem ist Aidos mit von der Partie, die in der griechischen Mythologie für Scham steht. Anberaumt hat diese Versammlung die Frankfurter Performance- und Videokünstlerin Ayla Pierrot Arendt. Im Mousonturm lässt sie von heute an über Werte und Ideale sowie die Gestaltung des Miteinanders diskutieren. „Politeia“ lautet der Titel dieser multimedialen Reminiszenz an das gleichnamige Werk Platons.

„Jede der fünf Göttinnen verkörpert eine Einzelposition“, erklärt Arendt. Doch sie treten zur Verhandlung nicht persönlich in den Saal. „Sie erscheinen als Videoprojektion und schalten sich wie in einer Zoom-Konferenz zusammen.“ Dabei bleiben sie selbst stumm und leihen fünf Sänger:innen auf der Bühne ihre Stimmen. Fünf Musikrichtungen vertreten die Positionen: Ein Countertenor singt Arien, elektronische Klänge erinnern an Cyborgs, Punkiges und Krautiges ertönt. Aidos‘ musikalische Inkarnation moderiert die Runde – und rappt. Es ist ein Zusammenspiel aus Videokunst und Livemusik.

Der Tod der Muttergöttin Gaia markiere „kein apokalyptisches Endzeitmoment“, sagt Arendt. Er werfe vielmehr die Frage auf: „Welche Konsequenzen hat das für die Menschen?“. So verhandele das Stück Themen wie Gerechtigkeit, Freiheit, Liebe, Rollenbilder und Körperideale. „Es geht darum, dass wir jetzt umdenken“, sagt die Regisseurin. Viele aktuelle Bezüge seien eingebaut. Die „Black Lives Matter“- und die „Me Too“-Bewegung zum Beispiel. Oder die Rolle alter Menschen. So wird Aphrodite, die Göttin der Schönheit, im Video von einer 77-jährigen Tänzerin dargestellt.

Sie habe Platon nicht neu interpretieren wollen, sagt Arendt. Ihr Stück sei keine Textadaption, sie habe aber die dialogische Form übernommen und ein „zeitgenössisches Bild der Diskussion über die Ideale einer Gesellschaft entwickelt“. Alle Texte sind Songs und selbst geschrieben. „Es ist eine queere, feministische und vor allem breitangelegte Revision der ‚Politeia‘.“

Uraufführung Freitag, 17. Juni, 20 Uhr, Mousonturm, Waldschmidtstraße 4. Weitere Vorstellungen am 18. und 19. Juni, 20 Uhr. www.mousonturm.de

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