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Uwe Becker klebt eines von rund 1400 Plakaten, die in der Stadt zu sehen sein werden.

Aktion

Plakate gegen Antisemitismus

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Bürgermeister Becker eröffnet Kampagne für mehr Zusammenhalt in der Stadt.

Mit der Plakatierbürste kleistert Uwe Becker die Rückseite des Plakats. Einmal umgeklappt, schon klebt es auf der Litfaßsäule an der Frankfurter Hauptwache, Ecke Große Eschenheimer Straße. Es ist der Auftakt zur Initiative „Für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus“, die der CDU-Bürgermeister ins Leben gerufen hat.

Auf dem Plakat ist im Vordergrund ein Mann mit Kippa zu sehen. Auf der religiösen Kopfbedeckung zeichnet sich die Frankfurter Skyline ab. Im Hintergrund des Bildes stehen Menschen vor dem Rathaus Römer, die ebenfalls Kippot tragen. Das Bild wurde am Kippa-Tag im Mai 2018 aufgenommen. Diese Aktion hatte Becker aufgrund  antisemitischer Vorfälle initiiert.

Die jetzige Plakataktion sei eine Art Fortsetzung des Kippa-Tags, sagte Becker. Es gehe darum, ein Zeichen für Zusammenhalt in der Gesellschaft zu setzen und für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus einzutreten.

Vereine, Kirchen, Firmen und Organisationen könnten das Plakat kostenlos im Büro des Bürgermeisters bestellen. Es werde nun auf 624 Litfaßsäulen im Stadtgebiet verteilt. 94 Plakate hingen in U-Bahn-Stationen. Rund 1400 Plakate habe er drucken lassen, sagte Becker, sie würden in zwei Schwüngen, zunächst im Januar, dann im März, im Stadtgebiet angebracht. Auf dem Plakat ist unter anderem zu lesen: „Der Antisemitismus ist kein Problem der jüdischen Gemeinschaft allein, er ist ein Problem für unsere gesamte Gesellschaft, und daher liegt es auch an uns allen, täglich für das Miteinander und gegen jegliche Form von Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus vorzugehen.“

In Frankfurt gebe es eine lange jüdische Tradition, sagte Becker. Frankfurt sei die „jüdischste deutsche Stadt“. In Deutschland sehe er allerdings 74 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz eine Zunahme von Antisemitismus, der das gesellschaftliche Klima vergifte.

„Mir haben Familien berichtet, dass auf dem Schulhof das Wort ‚Jude“ als Schimpfwort verwendet wurde“, sagte Becker. Auch hätten Eltern Sorge geäußert, ihr Kind mit Kippa in die Schule zu schicken. Eine derartige Judenfeindlichkeit dürfe es in Frankfurt nicht geben, betonte der Bürgermeister. Daher habe er sich zur Plakatierung entschlossen.

Die besondere Herausforderung der kommenden Jahre sei, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu sichern, sagte er. „Jüdisches Leben war, ist und wird immer ein wichtiger Teil der Identität des gesellschaftlichen Lebens von Frankfurt sein.“ Becker rief die Stadtgesellschaft dazu auf, die Initiative zu unterstützen und sich zu beteiligen. Die katholische Kirche in Frankfurt habe bereits 80 Plakate bestellt.

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