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Pizzabäcker Holger Löffler holt eine fertige Pizza aus dem Holzofen.  Rolf Oeser
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Pizzabäcker Holger Löffler holt eine fertige Pizza aus dem Holzofen.

Stiftung

Pizza statt Gänseschmaus

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Bei Bernd Reisigs Weihnachtsessen für Obdachlose ist in diesem Jahr aufgrund von Corona alles ein bisschen anders.

Eines muss man Bernd Reisig lassen: Es braucht mehr als eine Pandemie, um den Frankfurter Zampano ins Bockshorn zu jagen. Seit Jahren schon organisiert die Bernd-Reisig-Stiftung traditionell zur Adventszeit das Weihnachtsgansessen für Obdachlose, aber das konnte an diesem Advent aus Seuchengründen nicht in der gewohnten Form ablaufen.

Dann eben in anderer: Um 11 Uhr beginnt am Freitag im Innenhof des Römer das Neujahrs-Pizza-Essen. Sandra und Holger Löffler von der Mosbacher Holzofenstube in Schaafheim haben den Holzofen gut gefeuert, Reisig selbst ist natürlich auch vor Ort und legt Hand an, und um die ganze Sache zu entzerren, ist Essensausgabe bis 17 Uhr. Es herrscht Maskenpflicht, am Eingang steht ein Desinfektionsmittelspender. Pizza gibt es wahlweise mit Schinken, Salami oder nichts von beidem, dazu wird heißer Orangensaft gereicht. Auch für den besten Freund des Menschen ist gesorgt: Pakete mit Hundefutter liegen zum Mitnehmen bereit. Für den besten Freund des Hundes hat man sich für Spekulatius entschieden.

Man habe sich auf etwa 500 Besucher eingestellt, sagt Reisig, 600 Essensgutscheine seien im Vorfeld an Bedürftige verschenkt worden. Es gehe aber vor allem darum, „ein wenig Hoffnung zu verbreiten“, sagt Reisig, der sich als ehemaliger FSV-Manager mit dem Thema Hoffnung ja bestens auskennt.

Für die Aktion dankbar

Wie üblich hat das Obdachlosen-Essen auch wieder eine Menge Medienvertreter:innen angelockt. Ein paar Fernsehteams suchen desperat Obdachlose, die sich auch filmen lassen, aber die Auswahl ist begrenzt. Einer immerhin hat sich bereiterklärt und sagt vor laufender Kamera, wie dankbar er für diese Aktion sei. Die Zeiten seien hart für Obdachlose, es gebe „immer mehr Leute, die für ihr normales Leben mehr ausgeben müssen“, da bleibe immer weniger für Mildtätigkeit übrig. Und dankbar sei er auch für die Medienpräsenz, sei es doch wichtig, zu zeigen, „dass es in Frankfurt nicht nur Bankentürme, sondern auch ein gewisses Maß an Elend gibt“.

Nun könnte man ja der Ansicht sein, dass das eine irgendwie mit dem anderen zusammenhängt. Muss man aber nicht. Ungefragt tritt ein Obdachloser, der den Zaungast anhand seines Notizblocks als Zeitungsmenschen enttarnt hat, heran und sagt: „Schreiben Sie: 1000 Obdachlose genießen in Eiseskälte 50 Pizzen.“ Nun sind die Mengenangaben völlig falsch, und so kalt ist es nun auch wieder nicht, aber auf die Frage, ob die Pizza denn wenigstens gut sei, antwortet der Mann ausweichend: „Das ist nicht wichtig. Viel wichtiger wäre es, wenn sich mehr Menschen dem Widerstand anschlössen.“ Und schon wird einem ganz warm ums Herz und man möchte sagen: „Ganz recht, nieder mit dem kapitalistischen Schweinesystem, Friede den Parkbänken, Krieg den Glaspalästen!“ Aber denkste. Diese Art von Widerstand meint der Mann gar nicht. Er möchte vielmehr, dass mehr Menschen gegen die seiner Meinung nach frei erfundene Seuche und den daher völlig sinnlosen Lockdown zu Felde zögen. Ganz klar: An den Schutzmasken, die hier ebenfalls gratis verteilt werden, hat dieser Mann nicht das geringste Interesse. Aber so sind wenigstens genug für alle anderen da.

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