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„Die Festhalle ist von den akustischen Bedingungen her die schlimmste in Deutschland“, sagt Marius Müller-Westernhagen (66).

Kein Konzert in Frankfurt

Westernhagen schimpft über die Festhalle

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Der Musiker Marius Müller-Westernhagen macht auf seiner Tournee einen Bogen um Frankfurt: Die Akustik in der Festhalle ist ihm zu schlecht. „In Frankfurt trete ich nicht mehr auf, bevor die nicht eine Halle bauen, die man auch beschallen kann“.

Böse Worte über die Konzert-Akustik in der Frankfurter Festhalle hat man vom Publikum schon des Öfteren gehört – aber jetzt kommt der Unmut von ganz oben, sozusagen von der Bühne herab: Kein Geringerer als Marius Müller-Westernhagen, Grandseigneur der deutschen Rocksängerszene, bricht den Stab über die „Gut Stubb“.

„Die Festhalle ist von den akustischen Bedingungen her die schlimmste in Deutschland“, sagte Westernhagen der Deutschen Presse-Agentur. Deshalb stehe Frankfurt auch nicht auf dem Plan für seine Tournee im Herbst. „In Frankfurt trete ich nicht mehr auf, bevor die nicht eine Halle bauen, die man auch beschallen kann“, zitiert die Agentur den 66-Jährigen.

Toningenieur hat’s schwör

Vermutlich haben viele Musikfreunde schon das eine oder andere unschöne Erlebnis mit dem Klang der vor gut 100 Jahren erbauten Festhalle gehabt. Friedrich von Thierschs neubarockes Bauwerk von 1909 ist rund und geschwungen, der Ton kann, wenn er will, auf Abwege geraten. Es soll aber Toningenieure geben, die damit durchaus zurechtkommen. Gerade in den vergangenen Jahren war auch viel Lob für die verbesserte Akustik zu hören.

Entsprechend weist die Messe als Hallenbetreiber die Kritik auch zurück. „Die Festhalle hat eine sehr gute Akustik“, sagt Messe-Sprecher Markus Quint der FR: „Hier hat Pavarotti gesungen, hier war Pink Floyd“, nennt er prominente Leumundszeugen, „ob die Akustik gut oder schlecht ist, hängt davon ab, wie man den Sound aussteuert.“ Aber der Geschmack spiele auch eine große Rolle, betont Quint: „Wenn Sie 100 Leute zu 100 Hallen befragen, haben sie 1000 Antworten.“

In der Szene löst die ungewöhnlich harsche Kritik Westernhagens Erstaunen und teils süffisante Kommentare aus. „Bei seinen letzten Auftritten in der Festhalle hat er nicht gut verkauft“, erinnert sich der Frankfurter Konzertveranstalter Markus Gardian. „Wenn wenig los ist, klingt die Halle natürlich nicht so gut wie bei ausverkauftem Haus.“

Vielleicht wäre die wesentlich kleinere Jahrhunderthalle (2000 bis 4000 Plätze, je nach Bestuhlung) eine Lösung für Westernhagens nächsten Besuch. Oder die neue Batschkapp mit ihren 1500 Besuchern? „Wir sind für alle Anfragen offen“, heißt es im Batschkapp-Team auf FR-Nachfrage. Und die Festhallen-Akustik? Tatsächlich so schlecht? „Das liegt immer im Ohr des Betrachters.“

Probleme mit umstrittenem Konzertklang kennt Frankfurt nicht nur aus der Festhalle; besonders die sommerlichen Auftritte der Superstars im Waldstadion machten Furore. Empörte Fans ließen ihren Ärger etwa 2010 nach dem U2-Spektakel heraus. Außer Wummern und Hall war damals an vielen Stellen im Stadion kaum etwas zu hören.

Von ähnlichen Verhältnissen kann in der Festhalle nicht die Rede sein, da sind sich die Fachleute einig. Peter Maffay etwa kommt in diesem Monat gleich zu zwei Auftritten und baut eine eigens entworfene spektakuläre Riesenbühne ein. Maffay lobte die Halle als „architektonischen Leckerbissen“, zu dem er immer gern zurückkehre. Er hielt im Oktober sogar die Pressekonferenz zur Tour in der Festhalle ab – und bekam zum Dank ein Stück echte Festhallenfassade geschenkt.

Für ähnliche Ehrerbietungen wird sich Westernhagen nun wohl ziemlich anstrengen müssen. Immerhin: Er darf gern wieder anfragen, bescheinigt Messe-Sprecher Quint. Westernhagen sei weiterhin willkommen. Da ist Frankfurt gar nicht nachtragend.

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