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Pflegesohn sexuell missbraucht: Katholische Kirche verurteilt ehemaligen Pfarrer

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Von: Peter Hanack

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Unter dem Zeichen des Kreuzes: Immer wieder haben Geistliche das Vertrauen und die Abhängigkeit von Minderjährigen missbraucht.
Unter dem Zeichen des Kreuzes: Immer wieder haben Geistliche das Vertrauen und die Abhängigkeit von Minderjährigen missbraucht. © Friso Gentsch/dpa

Verantwortliche im Bistum Limburg sollen den Täter in Schutz genommen haben. Heute sind die Verbrechen strafrechtlich verjährt. Er kommt mit einer geringen Strafe davon. Das Opfer hatte die Taten öffentlich gemacht.

Fast 30 Jahre nach den Taten hat ein Kirchengericht im Bistum Limburg einen ehemaligen Geistlichen wegen des sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen verurteilt. Er muss eine Geldstrafe zahlen. Der Entlassung aus dem Klerikerstand – nach kirchlichem Recht die Höchststrafe – kam er zuvor.

Der ehemalige Priester hat nach Überzeugung des Gerichts von 1986 bis 1993 seinen damals minderjährigen Cousin und Pflegesohn mehrfach sexuell missbraucht. In dem Urteil wird die „Schwere der Schuld“ festgehalten. Die Strafe allerdings fällt gering aus. Nach weltlichem Recht ist das Verbrechen verjährt. Kirchenrechtlich gilt der Mann zwar als verurteilter Sexualtäter, was zur Entlassung aus dem Klerikerstand geführt hätte. Dem kam der Mann aber zuvor, indem er Papst Franziskus um seine Entlassung gebeten hatte. Der gab dem Ersuchen statt, sodass die Strafe nicht mehr verhängt werden konnte.

Von Anzeige abgeraten

Der ehemalige Limburger Landgerichtspräsident Ralph Gatzka war bereits 2019 in einem vom Bistum in Auftrag gegebenen Bericht zu dem Ergebnis gekommen, dass der damalige Personaldezernent Helmut Wanka Ende der 1990er Jahre das Missbrauchsopfer davon abgehalten hatte, Anzeige gegen den Priester zu stellen. Auch das Bistum habe die Staatsanwaltschaft nicht informiert. Damals sei der Missbrauch nicht verjährt gewesen und hätte strafrechtlich verfolgt werden können.

Weder sei ein kirchenstrafrechtliches Verfahren eingeleitet worden, noch habe es in der Personalakte des Priesters einen Hinweis auf die Vorwürfe gegeben. Nach einer Therapie sei der Priester wieder an seiner alten Wirkungsstätte eingesetzt worden. Auch bei einer Versetzung in eine andere Diözese seien die Vorwürfe nicht erwähnt worden. Wanka hatte dazu erklärt, er sei irrtümlich davon ausgegangen, dass es sich bei den Schilderungen „um einen zwischenmenschlichen Dauerkonflikt“ zwischen dem Priester zu seinem Pflegesohn gehandelt habe.

Bischof Bätzing startete Untersuchung

Das Opfer meldete sich erst wieder nach der Veröffentlichung der sogenannten MHG-Studie im September 2018 beim Erzbistum Bamberg, wo der Täter damals lebte, und zeigte den sexuellen Missbrauch an. Zudem hatte es den Fall öffentlich gemacht. Die dortige Staatsanwaltschaft lehnte die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Verjährung ab.

Im März 2020 wurde dann im Bistum Limburg das kirchenrechtliche Verfahren eröffnet, nachdem Bischof Georg Bätzing eine Untersuchung eingeleitet hatte.

Siehe „Limburgs Bischof Bätzing dringt auf Reformen“

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