Urteil

Pflegepersonal muss sich nicht alles gefallen lassen

  • schließen

Gericht wirft Behinderte aus Heim raus.

Eine schwerst behinderte Person kann ihren Heimplatz verlieren, wenn sich die Angehörigen über die Maßen respektlos gegenüber dem Pflegepersonal verhalten. Dies entschied das Oberlandesgericht Frankfurt und hob damit eine Entscheidung des Landgerichts auf.

Geklagt hatte eine gemeinnützige Einrichtung, die Wohnungen für Menschen mit geistigen, seelischen und körperlichen Behinderungen in Frankfurt betreibt. In einer Einrichtung ist eine junge Frau untergebracht, die geistig und körperlich behindert ist. Schon bald nach dem Einzug war es zu Unstimmigkeiten zwischen dem Personal und der Mutter sowie deren Lebensgefährten gekommen. Der Mann soll das Personal mit wüsten Beschimpfungen wie „Idioten“ und „Saftladen“ persönlich herabgewürdigt haben. Neben Maßregelungen soll er es zuletzt sogar darauf angelegt haben, Mitarbeiter der Einrichtung im Vorbeigehen zu rempeln. Insgesamt habe er „eine beängstigende Atmosphäre“ in der Einrichtung geschaffen, urteilte das Gericht.

Unter diesen Voraussetzungen sei eine Kooperation zwischen der Einrichtung und der gesetzlichen Betreuung der pflegebedürftigen Frau nicht mehr möglich gewesen. Das Gericht stellte zwar die erhebliche Belastung fest, die mit der Suche eines neues Heimplatzes verbunden ist. Andererseits erfordere aber eine verantwortungsvolle Pflege „ein stabiles Vertrauensverhältnis“. Die beklagte junge Frau beziehungsweise deren Mutter muss nun bis zum 31. Dezember einen anderen Heimplatz finden. Die Mutter kündigte aber den Gang zum Bundesgerichtshof an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare