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Die Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz in Frankfurt heute.

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Petition: Städtische Bühnen in Frankfurt sollen unter Denkmalschutz

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Architekten und Historiker wollen Teile der Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz in Frankfurt aus dem Jahr 1963 erhalten. Sie starten eine Petition.

Namhafte Architekten, Theaterwissenschaftler und Historiker haben eine Petition zur Zukunft der Städtischen Bühnen in Frankfurt formuliert. Sie fordern von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und dem Magistrat, „schützenswerte Teile“ des Gebäudes aus dem Jahr 1963 am Willy-Brandt-Platz unter Denkmalschutz zu stellen und zu erhalten. Explizit genannt wird das Wolkenfoyer.

Die Stadtverordnetenversammlung hatte stattdessen den Abriss von Oper und Schauspiel beschlossen. Dieser Beschluss zeuge von „Geschichtsvergessenheit“, urteilen die Fachleute. Er sei Teil einer Baupolitik, „die identitätsstiftende Bauten der Stadtgeschichte auslöscht“ und neue Surrogate schaffe, die vornehmlich der Vermarktungslogik eines globalisierten Standortwettbewerbs folgten. Es handele sich um ein Zeichen eines problematischen Geschichtsverständnisses, das die geschichtsprägende Bedeutung der Nachkriegsmoderne ausblende.

In dem von mehr als 30 Fachleuten unterschriebenen Text heißt es weiter, der von ABB Architekten entworfene Theaterbau sei ein herausragendes Exemplar der Nachkriegsmoderne. Dieses Gebäude habe in Frankfurt Stadtgeschichte geschrieben und Identität gestiftet. Die Bühnen bildeten einen Ort der bürgerlichen Öffentlichkeit, in dem die Stadtgesellschaft über ihre Gegenwart und Zukunft nachgedacht und gestritten habe.

Die Unterzeichner vermissen in Frankfurt „eine konzeptuelle Debatte, welche Art von Theater für die Zukunft in Frankfurt angestrebt ist.“ Bisher erschöpfe sich die Betrachtung weitgehend in bautechnischen Analysen. Eine Würdigung des bautechnischen Erbes aber fehle. Mehr als 300 Nachkriegsbauten aus der Zeit nach 1945 stünden in Frankfurt unter Schutz, die Bühnen nicht. Der Willy-Brandt-Platz müsse der Standort von Schauspiel und Oper bleiben, das Grundstück dürfe nicht privatisiert werden, heißt es weiter.

Initiiert wurde die Unterschriftensammlung von dem Architekturtheoretiker Philipp Oswalt, der an der Universität Kassel lehrt. Unterzeichnet haben unter anderem die Architekten Stefan Forster und Axel Strigl, die Historikerin Heike Drummer, die Rechtsanwältin Ulrike von Braunmühl, der frühere Vizedirektor des Deutschen Architekturmuseums, Wolfgang Voigt, der Theaterwissenschaftler Nikolaus Müller-Schöll, die Kunsthistoriker Christiane Salge, Matthias Müller und Daniel Bartetzko.

Der Leiter der städtischen Stabsstelle zur Zukunft der Bühnen, Michael Guntersdorf, und sein Team haben sich mittlerweile mit Fachleuten des städtischen Denkmalamts getroffen. Guntersdorf sagte der FR, auch die Fachleute des Amts verträten die Ansicht, Teile der Theaterdoppelanlage müssten erhalten bleiben. Auch beim öffentlichen Stadtgespräch der FR zur Zukunft der Bühnen hatten Bürgerinnen und Bürger für einen Erhalt des Gebäudes plädiert.

Doch Guntersdorf ist schon damit beschäftigt, die Weichen in Richtung Neubau zu stellen. Bis Anfang April untersucht sein Team verschiedene Varianten auf ihre Machbarkeit hin. Zugrunde liegt ein Bedarf von 70 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche für Oper und Schauspiel zusammen.

Eine Idee, die geprüft wird, ist ein Neubau des Schauspiels am Opernplatz, gegenüber der Alten Oper am Rand der Wallanlagen. Gegen einen Eingriff in die geschützten Anlagen hatte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) allerdings Einspruch erhoben. Untersucht wird außerdem ein Neubau des Schauspiels am nördlichen Rand des Willy-Brandt-Platzes, wo heute das Eurozeichen in den Grünanlagen steht. Und schließlich prüft die Stabsstelle, die Bühnen komplett auf dem heutigen Grundstück der Theaterdoppelanlage zu errichten. Nicht weiter verfolgt wird das Konzept der CDU, die Bühnen vollständig auf dem Grundstück Mayfarthstraße 14 am Osthafen neu zu bauen.

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