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Peter Feldmann: Zum Abschied ein Blumenstrauß

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Von: Georg Leppert

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Peter Feldmann war zehn Jahre lang Oberbürgermeister in Frankfurt.
Peter Feldmann war zehn Jahre lang Oberbürgermeister in Frankfurt. © christoph boeckheler

Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann hatte am Freitag seinen letzten Arbeitstag im Römer – und dabei einen recht ruhigen Abgang.

Frankfurt – Am Freitagmittag (11. November) hielt dann fast so etwas wie Harmonie Einzug in den Magistratssitzungssaal im Frankfurter Römer. Dort tagten die Frankfurter Stadträtinnen und Stadträte – und die Sitzung leitete Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Wie immer in den vergangenen zehn Jahren. Oft gab es dabei Streit zwischen Dezernent:innen auf der einen und Feldmann auf der anderen Seite, manches Mal blieben Menschen beleidigt oder stinkwütend zurück. Am Freitag, dem letzten Arbeitstag von Peter Feldmann, nicht.

Im Gegenteil. Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne), die seit Mitternacht den Titel „kommissarische Oberbürgermeisterin“ führt, überreichte Feldmann einen Blumenstrauß und sagte ein paar Worte zum Abschied. Der Oberbürgermeister soll sich gefreut haben, heißt es aus dem Magistrat. Danach eilte er an den Kamerateams vor dem Saal vorbei. „Mir blieb ein Abschiedsselfie verwehrt“, klagte der ehrenamtliche Stadtrat Maximilian Carlo (Die Partei).

Frankfurt: Peter Feldmanns letzte Rede handelt von der Pogromnacht

Seine letzte Rede als Oberbürgermeister hatte Feldmann bereits am Donnerstagabend gehalten, bei der jährlichen Gedenkveranstaltung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). „Am Ende des Tages brannte nicht nur die Synagoge“, sagte Feldmann über die Pogromnacht am 9. November 1938 in Frankfurt: „Tausende Existenzen lagen in Trümmern, zertreten und zertrampelt von einem Mob, der von oben organisiert und von der Mitte der Gesellschaft unterstützt wurde.“

Mit Erinnern allein sei es nicht getan, so der SPD-Politiker. Über Frankfurt sagte er: „Dass wir Platz für viele haben, ist unsere Lehre aus dem Nazi-Terror. Zugleich aber auch, für wen kein Platz ist – für Antisemiten, für Rassisten, für Menschenfeinde.“

Peter Feldmann: Einst gab es Streit um die Rolle des VVN-BdA

Vor zwei Jahren hatte die Rolle der VVN-BdA für einen heftigen Streit im Römer gesorgt. Die Vereinigung hatte bei einer städtischen Veranstaltung zum Kriegsende am 8. Mai teilgenommen – ob auf Einladung Feldmanns, das blieb offen. CDU-Politiker:innen waren empört, der damalige Bürgermeister Uwe Becker verließ die Veranstaltung vorzeitig. Die Christdemokraten werfen der VVN-BdA verfassungsfeindliche Bestrebungen und Nähe zu linksextremen Gewalttätern vor.

Derartige Misstöne gab es diesmal nicht. Zum einen war das Gedenken keine Veranstaltung der Stadt. Und zum anderen hat eben ein wenig Harmonie Einzug gehalten im Römer. Wenn auch nur für wenige Tage – bis der OB-Wahlkampf beginnt. (Georg Leppert)

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