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Renate Müller-Friese am Schelmenburgplatz, der saniert werden soll.

Bergen-Enkheim

„Der Zuzug wird den Stadtteil verändern“

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Das Jahr im Ortsbeirat 16: Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese über neuen Wohnraum und Einkaufsmöglichkeiten.

Frau Müller-Friese, die Turmuhr der Schule am Landgraben schlägt wieder wie gewohnt. Ist das der Verdienst engagierter Bergen-Enkheimer?
Das kann man so sagen. Da haben sich die Bergen-Enkheimer in kürzester Zeit vernetzt. Innerhalb von einer Woche kamen gut 500 Unterschriften zusammen, damit konnten sie auch alle Mitglieder des Ortsbeirats überzeugen. Manchmal warten wir lange bis Anträge umgesetzt werden, aber hier ist sehr schnell Bewegung in die Sache gekommen: Schon seit Anfang Dezember schlägt die Glocke wie gehabt – alle Viertelstunde, Tag und Nacht. Die verstummte Glocke war wohl nicht nur das emotionalste Thema des letzten Jahres, sondern in meiner gesamten Zeit im Ortsbeirat.

Still geworden ist es um das geplante islamische Kulturzentrum in der Bessemerstraße, das ebenfalls für Gesprächsstoff gesorgt hatte. Gibt es hier Neuigkeiten?
Nicht wirklich, es ist noch kein Bauantrag eingegangen. Das Grundstück gehört dem Verein und das ehemalige Firmengelände darauf wird bereits genutzt, allerdings im kleinen Rahmen von schätzungsweise 50 Leuten. Die Diskussion war um einen Neubau entflammt, der Platz für 400 Personen bieten soll. Dafür findet der Ortsbeirat das Grundstück mitten im Wohngebiet unpassend. Aber die aktuelle Nutzung ist meines Wissens unauffällig und im Rahmen. So lange das so bleibt, können und wollen wir nichts machen. Erst wenn es einen Bauantrag gibt, geht die Diskussion wohl weiter.

Was Neubaugebiete angeht, gibt es Neuigkeiten, zur Freude derer, die gerne nach Bergen Enkheim ziehen würden. Was macht den Stadtteil als Wohnort – besonders bei Familien – so beliebt?
Bergen-Enkheim hat eine tolle Lage. Es gibt ein breites Freizeitangebot. Jogger, Hundebesitzer und Familien mit Kindern sind sofort in der Natur, gleichzeitig gibt es mit der U-Bahn eine gute Anbindung und mit dem Hessencenter vielfältige Einkaufsmöglichkeiten. Wir haben es geschafft hier einen dörflichen Charakter zu bewahren. Mich erreichen viele Anfragen von Personen, die gerne nach Bergen-Enkheim ziehen wollen, für die habe ich nun gute Nachrichten.

Jahrelang wurden die Vorhaben um ein Baugebiet an der Leuchte verschoben. Jetzt werden konkrete Pläne umgesetzt.
Das Umlegungsverfahren der Grundstücke an der Leuchte ist abgeschlossen – damit kann es losgehen. Etwa 500 Leute sollen dort in gemischten Wohnformen, also Einfamilienhäusern und mehrstöckigen Gebäuden, angesiedelt werden. Es soll eine eigene Infrastruktur geben mit sozialen Einrichtungen, wie einer Kita und betreutem Wohnen. Nach 25 Jahren Diskussion um das Gebiet, ist es ein Highlight, dass Ende 2019 mit dem Bau begonnen werden kann.

Auch beim Baugebiet-Nord, das immer wieder im Gespräch war, gibt es Neuigkeiten. Was hat sich hier geändert?
Bisher ist die Bebauung an einer Siedlungsbeschränkung gescheitert, wegen Lärm durch Flugzeuge. Schon im Sommer, das ist sensationell, wurde diese aufgehoben – natürlich nicht weil wir uns das wünschen, sondern weil die Dezibel-Zahlen gesenkt werden konnten. Die modernen Flugzeuge werden immer leiser und Fraport wendet häufiger Steilflugverfahren an. Bei der Suche nach Wohnraum für junge Familien hatten wir auch Peter Feldmann auf unserer Seite. Der Zuzug wird den Stadtteil insgesamt verändern.

Viele Bürger bemängeln die abnehmende Nahversorgung. Außerhalb vom Hessen-Center gibt es wenig.
Die beiden Supermärkte, Rewe oben und Tegut unten, sind breit aufgestellt. Die Sanierung des Schelmenburgplatzes wird die größte Baustelle im kommenden Jahr. Wir sind dran, dort einen Markt zu etablieren, sobald der Platz hergerichtet ist – auch mit einem Metzger. Es sind aber kreative neue Läden dazugekommen. Ein großartiger Buchladen, ein wunderschönes Designgeschäft oder „Kitz und Kautz“, dort gibt es Stoffe und Nähkurse. Dass viele Läden schließen mussten, ist natürlich auch dem Hessen-Center geschuldet.

Apropos, Hessen-Center. Das Einkaufszentrum ist ganz schön in die Jahre gekommen. Seit Oktober wird hier gebaut.
Das Hessencenter wird nicht ausgebaut, aber modernisiert. Darüber ist der ganze Ortsbeirat froh. Heller, freundlicher und grüner, mit neuen Parkplätzen und einer größeren Auswahl an Essensmöglichkeiten. Deshalb wird dort 2019 leider durchgehend eine Baustelle sein. Da müssen alle durch, in der Hoffnung, dass es danach wieder konkurrenzfähig wird und den Ansprüchen genügt.

Die Sanierung der Schule am Hang steht an. Zuletzt stand zur Diskussion, ob der Unterricht während des Umbaus ausgelagert wird.
Hier gibt es keine Neuigkeiten. Schulintern wird nach wie vor beraten, ob sie auf der Auslagerung bestehen oder sich mit der Idee anfreunden können, dass Umbau und Unterricht parallel stattfinden. Ich habe ihnen dazu geraten, sich schriftlich zusichern zu lassen, dass die Lautstärke das Lernen nicht behindern wird, so dass sie was in den Händen halten.

Was wird Ihr Highlight im kommenden Jahr?
Ab dem Frühjahr 2019 fangen wir an, drei Spielplätzen zu sanieren. Der Spielplatz an der Leuchte wird zu einem Erlebnisspielplatz ausgebaut. Noch mehr freue ich mich aber auf das Projekt „Bespielbare und besitzbare Stadt“. Es werden über den Stadtteil verteilt witzige, bunte Elemente aufgestellt, die zum Spielen und Sitzen einladen. Eine Schlange zum Beispiel. Bei einem Rundgang mit Schülern und Senioren sollen geeignete Plätze gesucht werden. Zunächst wird das Projekt mit dem Verschönerungsetat finanziert. Für Erweiterungen suchen wir auch Sponsoren. Vor der Bibliothek zum Beispiel stellen wir uns einen Märchenthron vor, von dem aus bei der Eröffnungsfeier im Sommer vorgelesen werden kann.

Interview: Sophie Vorgrimler

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