+
"Willenborg" nennt sich das Riesenrad, das dieses Jahr ins Wäldche lockt.

Wäldchestag in Frankfurt

Auf zum Wäldchestag

  • schließen

Der Wäldchestag in Frankfurt bietet mal wieder alles, was die Frankfurter so an ihm lieben: Riesenrad, Bembelschießen und Starkregen.

Manche Dinge ändern sich nie. Oder nur ein bisschen. „Auf einem Fleckchen, das von hohen Buchen umstanden ist, stehen Tische und Bänke rings um einen Brunnen, der trefflich Wasser sprudelt ... Schinken und Würste, Braten und Geflügel, Kuchen und Pasteten, liegen auf blanken Schüsseln und reinlichem Tischzeug im Grase ausgebreitet“, schrieb Anton Kirchner 1818 und meinte natürlich genau den Ort, wo von heute an mal wieder der Wäldchestag gefeiert wird.

„Das ist immer noch ein sehr idyllisches Fleckchen“, brüllt Oberbürgermeister Peter Feldmann am Freitagmittag in den Wald hinein, aber seine Worte werden von den landenden Flugzeugen und den vorbeidonnernden Lastwagen übertönt. Aber irgendwie hat der OB natürlich trotzdem recht, wie sich kurz darauf bei einer Testrunde auf dem Riesenrad zeigt. Von dort oben bietet sich nach wie vor ein einmaliger Ausblick auf Frankfurt. Und über den Wipfeln ist auch einigermaßen Ruh’ – zumindest, bis die Technokasper vom benachbarten „Word Club Dome“, der am Wochenende im Waldstadion wummert, den Soundcheck voll aufdrehen.

Aber man geht auch nicht auf den Wäldchestag, um seine Ruhe zu finden, sondern wegen Weck und Worscht. Und wegen des traditionellen Gewitters am Pfingstdienstag, dem eigentlichen Wäldchestag. Und natürlich der guten Tradition halber.

Früher, als alles noch seine Art hatte, war der Wäldchestag ein echter Straßenfeger. „In Wald, da muß heut Jedes / Zu Kutsch, zu Pferd, per Eisebah / Zu Nache un per Pedes / Un alle Läde un Condorn / Die wern geschlosse; Alles! / Die Zeil leiht da, wie gottverlorn / Un leer is selbst der Dalles!“, konstatierte Friedrich Stoltze anno 1853.

Das war allerdings, bevor Frankfurt „Finanzmetropole“ wurde. Frei bekommt heute eigentlich niemand mehr, außer den glücklichen Beschäftigten weniger Traditionsunternehmen. Und natürlich den städtischen Bediensteten. Die könnten, beteuert Feldmann, auch fürderhin am Wäldchesnachmittag blau machen – gezwungen werde aber keiner.

Was die Besucher heuer erwartet? So ziemlich dasselbe wie immer. Mehr als ein Dutzend Fahrgeschäfte, darunter das obligatorische Riesenrad, eine kleine Achterbahn mit Retro-Charme und eine Geisterbahn von beachtlicher Größe. 55 Imbiss-, 18 Naschkram- und 22 Verkaufsstände.

Die Musik spielt in der Regenbogenarena, auf der Binding-Bühne, dem Sommergarten Hill, der We-love-Frankfurt-Stage und dem Schwarzwaldhaus am Kamin. Wie immer besucht auch der Magistrat am Dienstag den Wäldchestag, um sich im Sommergarten Hill (17.30 Uhr) für das Wäldchesschießen (19 Uhr) warmzumachen. Tourismus-GmbH-Chef Thomas Feda, meteorologisch noch verlässlicher als die Wahrsagerin Novoderna (die ebenfalls einen Stand im Wäldche hat), ist begeistert: Für Dienstag kündigt sich ein fettes Gewitter an. Manches ändert sich halt nie.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare