Jessica Krämer, die im Trailer-Park am „Bonameser Platz“ wohnt, ist von der Zwangsräumung bedroht.

Eschersheim

Perspektive für Trailer-Park in Frankfurt-Eschersheim

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Ortsbeirat 9 fordert Zukunftskonzept für Wohnwagensiedlung in der Bonameser Straße. Kündigungen sollen zurückgenommen werden.

Der Ortsbeirat 9 will eine Klärung erzielen, wie es mit der Wohnwagensiedlung in der Bonameser Straße weitergeht. Zwei entsprechende Anträge der SPD hat das Gremium in seiner Sitzung am Donnerstagabend einstimmig beschlossen. Der Magistrat wird dazu aufgerufen, ein Zukunftskonzept für die Siedlung im Norden der Stadt zu erarbeiten. Außerdem fordern die Stadtteilpolitiker, bereits ausgesprochene Kündigungen und Zwangsräumungen von Bewohnern auszusetzen und ein Dialogforum mit allen beteiligten Akteuren zu eröffnen.

Mit einem emotionalen Aufruf wandten sich einige der Siedlungsbewohner am Donnerstag persönlich an den Ortsbeirat. „Ich bin in der Siedlung geboren. Mehr Frankfurter kann ich nicht sein“ ruft Ronni Lieberum. „Warum habe ich nicht dieselben Rechte wie jeder andere auch?“, fragt der Anwohner. Die Bewohner fürchteten sich vor einer Verdrängung, sagt Augusta Fletterer. Ihre Familie und Nachbarn erhielten Kündigungen. Einer Mutter zweier Kleinkinder droht gar die Zwangsräumung.

Der Grund für die prekäre Lage der Menschen am „Bonameser Platz“ ist von rechtlicher Natur. Keine Miet-, sondern Nutzungsverträge hat die Stadt Frankfurt in den 50er Jahren mit den Bewohnern abgeschlossen. Diese sind nicht vererbbar. Sterben eingetragene Mieter, kann ihren Familienmitgliedern gekündigt werden. „Eine Vertreibung der Anwohner ist nicht unsere Absicht“, sagt Klaus Oehm von der Wohnheim GmbH, die das Areal verwaltet, auf Anfrage der FR. Die Rechtskonstruktion habe man von der Stadt Frankfurt übernommen, als diese die Verwaltung des Grundstücks 1984 an die Gesellschaft übertragen hat.

Rund 80 Menschen leben heute noch in dem Trailer-Park. 1000 waren es einmal. Eine offizielle Genehmigung für eine Wohnsiedlung gab es für den einst als Provisorium angedachten Platz nie.

Es sei wichtig, den Kontext zu betrachten, sagt Sozialarbeiterin Sonja Keil, die eine Studie an der TU Darmstadt über den Bonameser Platz veröffentlicht hat. Schausteller, Jenische, Sinti und Roma – all die „Reisenden“, wie Keil die Bewohner nennt –, seien nach dem zweiten Weltkrieg wieder in ihre Heimatstädte zurückgekehrt. In Frankfurt nutzten sie zunächst Stellplätze im Ostend und Gallus. Privatpersonen und Unternehmen hätten jedoch zunehmend Druck auf die Stadt ausgeübt.

„Viele Menschen wollten die Reisenden nicht ihrer Nachbarschaft“, sagt Keil. Um die damalige „Wohnwagenfrage“ zu klären, beschloss die Stadtverordnetenversammlung 1953 dann die Unterbringung auf dem Bonameser Platz. „Man hat einen Ort am Stadtrand gesucht, in der Hoffnung, die Wohnwagenbewohner aus dem Stadtbild entfernen zu können“, sagt Sonja Keil.

„Ich sehe keine Hinderungsgründe für eine Legalisierung der Wohnsituation in der Bonameser Straße“, sagt Ortsbeiratsmitglied Donna Ochs (SPD). Es fehle schlicht an politischem Willen. „Man versteckt sich hier hinter Rechtsnormen.“ Sie hoffe, mit den Anträgen nun eine lang ausstehende Debatte anstoßen zu können.

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