+
In den Industriepark Griesheim soll wieder mehr Leben einziehen. 

Industrie

Perspektive für Industriepark

  • schließen

Ein neuer Pächter will den früheren Chemiestandort Griesheim zu einem gemischten Gewerbequartier entwickeln. Für die Stadt und den Stadtteil bietet das ganz neue Perspektiven.

Der Industriepark Griesheim, ein traditioneller Chemie-Standort, soll sich zu einem modernen, gemischt genutzten Gewerbequartier entwickeln. Das plant der auf die Weiterentwicklung von Unternehmensimmobilien spezialisierte Projektentwickler Beos. Er hat jetzt gemeinsam mit dem Vermögensverwalter Swiss Life Asset Managers mehr als 54 Hektar des Industriegeländes im Frankfurter Westen vom Spezialchemiekonzern Clariant gepachtet.

Der Erbbaurechtsvertrag hat eine Dauer von 99 Jahren und tritt schon am 1. Januar in Kraft. Nicht zum gepachteten Gelände gehören, wie Clariant mitteilt, die Flächen des Chemieunternehmens SGL Carbon sowie einer Werkstatt für Schienenfahrzeuge.

Angesichts der großen Nachfrage nach Gewerbeflächen in der gesamten Rhein-Main-Region biete der Standort großes Potenzial, sagt Beos-Vorstandsmitglied Holger Matheis. Noch stehe das Unternehmen ganz am Anfang der Planungen. Bei der Entwicklung werde es eng mit der Stadt zusammenarbeiten und auch das Anliegen der Anwohner in der Umgebung und der Bestandsmieter berücksichtigen.

Wie der städtische Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) am Montag in einem Pressegespräch ankündigte, wollen der Projektentwickler und er die Pläne schon bald im Ortsbeirat für den Frankfurter Westen vorstellen. Für die Stadt sei es von großer Bedeutung, dass ein solch traditionsreicher Standort neu belebt werde, sagte er. Er hoffe, dass sich nun neue Unternehmen ansiedelten. Vorstellbar seien etwa Produktionsbetriebe, Reparaturwerkstätten oder Gewerbetreibende.

Das Gelände

Das 72 Hektar große Areal ist seit 1856 ein Industriestandort. Geprägt war dieser über all die Jahrzehnte von der Chemie-Industrie. Doch deren Betriebe haben nach und nach die Produktion am Standort eingestellt.

30 Unternehmen mit rund 450 Beschäftigten sind im Industriepark verblieben. In der Blütezeit arbeiteten dagegen um die 3000 Menschen auf dem Areal.

Betrieben wird der Industriepark Griesheim von Infrasite Griesheim, einem Unternehmen der Infraserv Höchst-Gruppe. 

In den vergangenen Jahren ist die Chemieproduktion in Griesheim nach und nach zum Erliegen gekommen. Zuletzte stellten Carbon und Weylchem die Produktion ein. Nach wie vor ist der Industriesektor aber von großer Bedeutung für Frankfurt. Nicht zuletzt, weil dieser in großem Umfang zu den riesigen Gewerbesteuereinnahmen der Stadt beiträgt.

Besonders wichtig ist der Standort des französischen Pharmakonzerns Sanofi. Doch dieser will die Diabetes-Forschung einstellen. Gewerkschafter fürchten schwere Folgen für den traditionsreichen Firmensitz im Industriepark Höchst.

Wirtschaftsdezernent Frank geht davon aus, dass der neue Pächter des Industrieparks Griesheim das Gelände öffnen wird, dass die Zäune fallen. Schließlich sinken die Sicherheitsanforderungen drastisch, sobald kein Störfallbetrieb mehr im Industriepark ansässig ist. Die Werksfeuerwehr wird bereits aufgelöst; auch das Gefahrgutlager soll aufgegeben werden.

Das alles dürfte auch den Stadtteilen Griesheim, Nied und Schwanheim neue Entwicklungschancen bieten, weil zumindest die bisher geltenden großen Abstandsflächen zwischen Wohnungen oder Schulen und den Chemiebetrieben obsolet werden. Bis zum Zaun werde man trotzdem keine Wohngebiete bauen können, stellte Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), auf Anfrage klar. Das Areal selbst wolle die Stadt schon gar nicht antasten. Das solle ein reiner Gewerbestandort bleiben.

Frank betonte am Montag, die Stadt brauche trotz der Ansiedlungsmöglichkeiten, die es in bestehenden Gebieten noch gibt, neue Gewerbeflächen. Wo diese entstehen sollen, wird ein Entwicklungskonzept zeigen, das der Magistrat noch diese Woche beschließen könnte. Mit Planungsdezernent Mike Josef (SPD) ist laut Frank zudem dabei, abzustimmen, wo neue Rechenzentren entstehen könnten und wo nicht. Der Wirtschaftsdezernent kann sich etwa vorstellen, dass diese an den Autobahnen Platz finden, als eine Art von Lärmschutzwall, hinter dem dann etwa Büros und Wohnungen entstehen könnten.

Frank sieht es als eine Hauptaufgabe der Stadt, bestehende Gewerbeflächen vor Umwandlung zu schützen und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig strebt er gemeinsam mit Josef an, dass neue Areale in der Stadt gemischt genutzt werden, also auch etwa Platz für Kleingewerbe bieten. Entstehen sollen etwa sogenannte Handwerkerhöfe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare