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Bald schmiedet Anne Driessen vom Verein Lesezeichen wieder Umzugspläne.

Bockenheim

Perspektive für Bockenheimer Stadtteilbibliothek

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Römerkoalition findet doch noch einen Kompromiss. CDU gibt Blockadehaltung auf, Bibliothek darf in größere Räume ziehen.

Sektkorken knallen nun nicht gerade beim Verein Lesezeichen. „Ich glaube es erst, wenn der Vertrag von allen unterschrieben ist“, sagt Schatzmeisterin Anne Driessen. Die Mitglieder des Lesezeichens kümmern sich ehrenamtlich zusammen mit der Stadt um die Bockenheimer Stadtteilbibliothek. In beengten Räumen an der Kurfürstenstraße und ohne Möglichkeit, ein pädagogisches Programm anzubieten.

Seit vergangener Woche weiß Driessen nun, dass die Römerkoalition an einem Kompromiss zur Zukunft der Einrichtung arbeitet. Die CDU sperrt sich nicht mehr gegen die Umzugspläne. Der Bibliothek stehen neue, größere Räume im gleichen Gebäude wie bislang an der Kurfürstenstraße zur Verfügung. Ein unterschriftsreifer Vertrag liegt vor.

„Eine solche Gelegenheit kommt nie wieder“, sagt Driessen. Es sei ohnehin ein Wunder, dass die Vermieterin so lange das Angebot aufrecht erhalten habe. „Wir haben eine gutes Verhältnis.“ Jetzt habe die Bibliothek wieder eine Perspektive.

Immerhin verzeichnet die Bibliothek mit 89 Besuchern je Öffnungsstunde die größte Auslastung aller Stadtteilbibliotheken der Stadt. Von 2005 bis 2015 ist die Zahl der Besuche um 91 Prozent gestiegen (von 28 812 auf 54 926 jährlich). Bockenheim wächst ja auch beständig, der Stadtteil ist mit knapp 40 000 Bewohnern der drittgrößte, nach Sachenhausen und dem Nordend.

Die Lesezeichen würden Besuchern, größtenteils Kindern und Jugendlichen, auch gerne mehr bieten, als nur Medien zu verleihen. „Was in anderen Stadtteilbibliotheken selbstverständlich ist“, sagt Driessen, „geht in Bockenheim nicht.“ Schüler hätten keinen Platz, Lerngruppen zu bilden. Es gibt keinen Raum für Medienarbeitsplätze oder der Möglichkeit, ungestört mit dem Laptop zu arbeiten.

Es gibt nur einen Zeitungsleseplatz. Es gibt keine Garderobe, keine Schließfächer, keinen Platz zum Abstellen von Kinderwagen, Rollatoren, Laufrädern. „Für größere Lesungen mussten wir bisher in externe Räume ausweichen.“

All das wird sich nun ändern, trotzdem jubelt Anne Driessen nur vorsichtig. „Wir haben so lange gewartet und sind so oft vertröstet worden.“ Tief im Inneren breitet sich aber schon so etwas wie Hoffnung aus. „Es geht mir besser als in den vergangenen Wochen, lässt sich Driessen entlocken. Einen rudimentären Raumplan haben die Engagierten auch „im Hinterkopf“. Umzug und Neustart hat der Verein aber noch nicht voll durchgeplant. „Wir wussten ja nicht, ob es klappt. Das war schon frustrierend.“ Auch mit der Planung von Veranstaltungen hat der Verein gewartet, der unklaren Raumsituation wegen. „Jetzt werden wir unsere grauen Zellen wieder aktivieren.“ Wenn der Umzug dann aber irgendwann erfolgreich vollzogen ist, soll es ein großes Fest geben, verspricht Anne Driessen.

Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) hat derweil den Verein Lesezeichen in die nächste Sitzung des Ortsbeirats am 28. Oktober eingeladen. Bis dahin, glaubt Axel Kaufmann, könne der Verein die Umzugspläne konkreter vorstellen.

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