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Personal verzweifelt gesucht in Frankfurt

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In der Lobby des Melia Frankfurt braucht es derzeit noch nicht allzu viel Personal. Foto: Peter Jülich
In der Lobby des Melia Frankfurt braucht es derzeit noch nicht allzu viel Personal. © Peter Jülich

Für einen Aufschwung nach der Pandemie braucht es in der Hotellerie neue Kräfte. Doch der Nachwuchs fehlt ebenso wie die Aussicht auf gute Bezahlung.

Wie viel Personal den Frankfurter Hotels derzeit fehlt, weiß niemand so genau. Auch Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Hessen vermag keine Zahlen zu nennen: „Viele Mitarbeitende sind noch in Kurzarbeit, das ist noch immer ein großes Thema in der Branche.“ Denn noch immer haben einige Frankfurter Hotels, die vor allem auf Messegäste setzen, wie etwa das Mövenpick in der Den Haager Straße, geschlossen. Wagner sind nur zwei Hotels bekannt, die gerne wieder aufmachen möchten, es aber aus Personalmangel nicht können.

Für die vielen anderen noch geschlossenen Hotels ist das möglicherweise fehlende Personal derzeit nicht die größte Sorge. Es fehlt schlicht noch an der Nachfrage. So könnte etwa das chinesische Hotel an der ehemaligen Rennbahn eröffnen, will damit aber bis „irgendwann 2022“ warten, wie ein Sprecher der besitzenden Huarong-Gruppe versichert: „Es macht keinen Sinn, das Hotel jetzt hochzufahren.“

Die lange Kurzarbeit wird aber auch nicht helfen, die Branche für den Nachwuchs wieder attraktiv zu machen. Die Bundesagentur für Arbeit hatte Ende September Tausende unbesetzte Lehrstellen in Hotellerie und Gastronomie vermeldet. Bundesweit 17 000 betrieblichen Ausbildungsplätzen standen in diesem Jahr nur noch 5409 Bewerberinnen und Bewerber gegenüber. Dabei sind schon jetzt Tausende Stellen unbesetzt, weil das Personal im monatelangen Lockdown in andere Branchen abgewandert ist. „Wir wissen nicht, ob es einen nennenswerten Reflex zurück in die Branche geben wird“, gesteht Wagner.

Die Bezahlung ist in den meisten Fällen sicherlich kein Argument für eine Rückkehr. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten verwies Ende September auf eine Analyse der Hans-Böckler-Stiftung, wonach Vollzeit-Beschäftigte im Frankfurter Gastgewerbe mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 2297 Euro auskommen müssten und damit ziemlich genau der Hälfte von dem, was in Frankfurt im Durchschnitt verdient werde.

Die Gewerkschaft wünscht sich für die nächste Runde der Tarifverhandlungen am 25. Oktober ein spürbar besseres Angebot für die Beschäftigten.

Auch Julius Wagner von der Dehoga sieht die schlechte Bezahlung in der Branche als einen Knackpunkt an: „In Frankfurt wirkt das Problem wegen der hohen Lebenshaltungskosten wie mit dem Brennglas.“ Die Personalkosten müssten eine wachsende Größe in den Kostenrechnungen der Unternehmen werden. „Eine Kalkulation mit Personalkosten von 30 bis 40 Prozent, das wird nicht mehr gehen“, prophezeit Wagner, der sich aber auch sicher ist, dass die massiven Personalprobleme in Hotellerie und Gastronomie nicht alleine auf dem EU-Arbeitsmarkt zu lösen seien. „Es braucht ein vernünftiges Zuwanderungskonzept, auch für Fachkräfte außerhalb der EU“, fordert Wagner.

Spätestens wenn das Reise- und Messegeschäft wieder anzieht und alle Hotels öffnen wollen, wird das Problem des Personalmangels dringlicher. Vor dem Hintergrund, dass in den kommenden Jahren in Frankfurt Hotels mit einer Gesamtkapazität von knapp 7000 Zimmern entstehen sollen, stellt sich schon die Frage, wo das Personal herkommen soll. Für ein klassisches Vier-Sterne-Hotel mit Tagungsräumen werden pro 100 Zimmer etwa 40 Mitarbeitende benötigt. Betriebe, die auf digitale Lösungen ohne Lobby setzen, kommen mit weniger Personal aus.

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