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Mirrianne Mahn sitzt seit Mai im Römer.
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Mirrianne Mahn sitzt seit Mai im Römer.

Stadtparlament

Permanente Drohungen gegen Frankfurter Politikerin

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
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Weil sie über Rassismus spricht, fühlt sich die Frankfurter Stadtverordnete Mirrianne Mahn (Grüne) sogar in ihrer Wohnung nicht mehr sicher.

Dieser Tage hat jemand Mirrianne Mahn ein Gedicht geschrieben. Es sind sehr persönliche Zeilen, die fast nur aus Beleidigungen bestehen. Die allermeisten davon sind rassistisch. „Da hat sich einer richtig Mühe gemacht“, sagt Mahn. Die Stadtverordnete klingt dabei müde, genervt und auch desillusioniert.

Seit die FR in dieser Reihe zuletzt über Mahn berichtet hatte, gab es zwei Ereignisse, die dazu führten, dass Rassisten derzeit wieder verstärkt ihren Hass an der Politikerin der Grünen auslassen. Da war zum einen ihre sehr spontane Rede in der Paulskirche. Bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels am 24. Oktober stand Mahn plötzlich neben Peter Feldmann (SPD) am Redepult und unterbrach den Oberbürgermeister. Sie müsse auf ein „Paradox“ hinweisen, sagte sie, nämlich dass eine schwarze Frau den Friedenspreis bekomme, während schwarze Frauen auf der Buchmesse nicht willkommen seien, „weil nicht dafür gesorgt wurde, dass sie sich sicher fühlen“. Die Resonanz fiel gewaltig aus – in positiver wie in negativer Hinsicht.

Die Serie

Mehr als die Hälfte der Frankfurter Stadtverordneten ist neu im Parlament. Was trieb sie in die Politik, was wollen sie dort erreichen? Wie gut gelingt ihnen das? Die Frankfurter Rundschau begleitet sechs der Neulinge seit April und wird weiter regelmäßig über sie berichten.

Vorgestellt wird die Arbeit der Stadtverordneten Simon Witsch (SPD), Daniela Mehler-Würzbach (Linke), Martin Huber (Volt), Sara Steinhardt (CDU), Mirrianne Mahn (Grüne) und Nathaniel Ritter (FDP). cm

Einige Wochen später führte dann ein FR-Interview dazu, dass Mahn erneut angegangen wurde. Sie forderte, dass die Stadt Frankfurt das N- und das M-Wort ächten sollte. Wieder tobte der Mob, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie nach Mahns Auftritt in der Paulskirche.

Mittlerweile sucht die 32-Jährige sogar eine neue Wohnung. In ihrer derzeitigen Bleibe fühlt sie sich nicht mehr sicher. Mehrfach standen zuletzt Menschen vor ihrer Tür und wollten sie zur Rede stellen. In einem Fall gaben sie sich als Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau aus. Mirrianne Mahn hat die Polizei informiert.

Ob sie es angesichts dieser Entwicklung bereut, Stadtverordnete geworden zu sein? Mahn überlegt kurz. „Nein, das tue ich nicht“, sagt sie. Sie sei in die Politik gegangen, um Debatten über Rassismus anzustoßen. Die Folgen seien ihr klar gewesen. „Ich bin schließlich seit 32 Jahren eine schwarze Frau“, sagt Mahn.

Und es gab ja auch die schönen Momente in den neun Monaten, die seit der Kommunalwahl mittlerweile vergangen sind. So leitet Mahn den Kulturausschuss der Stadtverordneten, der erreicht hat, dass der Bunker im Marbachweg weiterhin für Musikgruppen zur Verfügung steht. Auch die Arbeit im Bildungsausschuss mache ihr Spaß. Nur einen Wunsch für 2022 habe sie: „Ich möchte, dass endlich alle Schulen ihre Luftfilter bekommen – ich kann das Thema nicht mehr hören.“

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