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Performance in Frankfurt: Im Dialog mit dem Darm

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Von: Anja Laud

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Hendrik Quast und mit der Krankheit, die ihn quält, als Handpuppe.
Hendrik Quast und mit der Krankheit, die ihn quält, als Handpuppe. © Krauss

Der Künstler Hendrik Quast stellt bei seiner Performance im Mousonturm in Frankfurt die Colitis ulcerosa, eine chronisch entzündliche Darmkrankheit, in den Mittelpunkt.

Das Innerste nach außen kehren, wird Hendrik Quast am Donnerstag, 28., und Freitag, 29. April, im Mousonturm in Frankfurt. „Spill your guts“ lautet der Titel seiner Bauchrednershow. Darin geht es um Eingeweide, genauer um den Darm. Neben dem Performance- und Aktionskünstler spielt eine Handpuppe eine wichtige Rolle, die Colitis ulcerosa, eine chronisch entzündliche Darmkrankheit, verkörpert. Sie hat nur eins im Sinn: Ihr Bauchredner soll bluten.

Zwei Stunden am Stück ergründen Quasts Alter Ego und die Handpuppe in dem neuen Programm, das im Februar Premiere in Berlin hatte, im Dialog und mit Humor den Darm in seinen Eigenheiten und Metaphoriken, aber auch seinen Pathologien. Zwischendurch gibt es ein Päuschen, aber nur für den Künstler, für einen vermeintlichen Toilettengang. Das Publikum bleibt während der gesamten Vorführung sitzen, um den Krankheitsprozess ohne Unterbrechung nachvollziehen zu können.

Programm

Der Performance- und Aktionskünstler Hendrik Quast tritt mit seiner Bauchrednershow „Spill Your Guts“ am Donnerstag, 28. , und Freitag, 29. April, jeweils von 20 Uhr an im Mousonturm, Waldschmidtstraße 4, in Frankfurt auf.

Vor den Vorführungen bekommt das Publikum jeweils von 19.30 Uhr an eine Einführung in die Thematik. An Quasts Auftritt am 28. April schließt sich zudem ein Künstlergespräch an.

Karten können online über den Ticketshop des Mousonturms erworben werden. lad

www.mousonturm.de

Quast, der selbst an Colitis ulcerosa leidet, lernte für „Spill Your Guts“ das Bauchreden, um eine eigene Stimme für diese Krankheit zu finden. Das Bauchreden geschehe zwar anders als es die Bezeichnung nahelege, nicht im Bauch, sondern im Mundraum. „Aber da beginnt ja auch die Verdauung“, sagt er.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Künstler den kranken Körper und die Erfahrungswelt kranker Menschen in den Mittelpunkt einer Performance stellt. „In Dancer with Cancer“ beschäftigte er sich mit Krebs, und zwar in Form eines schrill-grotesken Pantomime-Workshops für Krebskranke. Dafür erlernte er Pantomime.

Wie Krebs habe auch die chronische Darmerkrankung eine eigene Dramaturgie. „Mich interessieren diese Krankheiten, weil sie eher außergewöhnlich sind. Wir haben immer die Vorstellung, dass Krankheiten dauerhaftes Leiden bringen, aber das Spezifikum etwa bei der Colitis ulcerosa ist, dass sie episodisch verläuft“, erläutert er. Akute und beschwerdefreie Phasen lösten einander ab, sodass der Erkrankte zwei Versionen seines Körpers erfahre, eine gesunde und eine kranke.

Mit den Mitteln der Unterhaltungskunst stellt Quast in „Spill Your Guts“ die Frage, wer die Deutungshoheit über den kranken Körper innehat: die Medizin, der Patient oder die Krankheit selbst. Humor spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Erkrankten, hätten, wie sich in Internetforen und Selbsthilfegruppen der Colitis-ulcerosa-Community zeige, eine eigene spezifische Form von Humor, der sich jenseits der üblichen Mitleids- und Heilserzählung bewege, sagt Hendrik Quast. Und auch Gesunde werden sich im Geschehen wiederfinden, etwa, wenn eine Arztpuppe hinzukommt, die Beschwerden mit Floskeln abtut à la: „Haben Sie Stress? Dann machen Sie sich doch mal ein schönes Wochenende.“

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